Hunderte Menschen tanzten, klatschten und sangen mit: Bei den Platzkonzerten der Benefiz-Aktion Hautevolee standen die Musiker der Hanauer Bands Companion und Banjoory auf der Bühne. Foto: Patrick Scheiber

Hanau

Benefiz-Aktion Hautevolee zieht Hunderte von Menschen an

Hanau. Was haben Society‧sternchen Gina-Lisa Lohfink, der Weihnachtsmann und Charlie Chaplin gemeinsam? Gestern waren sie alle drei persönlich oder vertreten durch ein Double vor dem Forum Hanau, um die Benefizaktion der Hautevolee zu unterstützen.

Von Jasmin Jakob

Drei Hanauer Bands schlugen dort im vorweihnachtlichen Trubel andere Töne an: Sie boten „stabile Mucke gegen Cash“ feil und lockten damit Hunderte Menschen an. Dabei sammelten sie aber nicht für sich, sondern für den Ambulanten Kinder- und Jugendhospitzdienst in Hanau (AKHD).

Um auf die Arbeit dieser Einrichtung aufmerksam zu machen, hatte Marc Merges bereits vor vier Jahren die Benefizaktion Hautevolee ins Leben gerufen. Seitdem musiziert er jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit in der Fußgängerzone für den guten Zweck. So groß wie in diesem Jahr war die Aktion jedoch noch nie, denn Merges wurde von befreundeten Musikern unterstützt: von den Hanauer Bands Companions und Banjoory. Die Bands stellten ihre mobilen Bühnen vor verschiedenen Geschäften und Restaurants in der Innenstadt auf und gaben kleine Konzerte an neun verschiedenen Stationen. Auch das Konzept der Platzkonzerte war in diesem Jahr neu.

Eine halbe Stunde pro Aktion

Allein bei der ersten Station vor dem Forum Hanau versammelten sich an die 300 Menschen. Danach ging es weiter in Richtung Weihnachtsmarkt. Etwa eine halbe Stunde nahmen sich die Musiker für jede Station Zeit. Jede Band spielte zwei bis drei Lieder mit absoluter Ohrwurmgarantie. Und auch auf dem Weihnachtsmarkt blieben die Musiker dem Stil ihrer Band treu, sodass Banjoory beispielsweise die Weihnachtsmusik mit locker-leichten hessischen Reggae-Songs übertönte. Das Publikum feierte die Bands, klatschte, tanzte und sang fleißig mit. Und auch die Sektkühler, die die freiwilligen Helfer als Spendendosen nutzten, füllten sich schnell mit Geldscheinen.

Einige Zuschauer kannten die Bands bereits und waren extra wegen ihnen, beispielsweise aus Gründau oder Erlensee, nach Hanau gekommen. Andere erledigten ihre letzten Weihnachtseinkäufe und gesellten sich spontan zu der Menschentraube vor der Bühne. In dem Gedränge kamen immer wieder Menschen dazu, die von den Bands und dem Projekt noch nichts gehört hatten. Auch diejenigen, die auf dem Weihnachtsmarkt arbeiten, wie Lars Nitsche von einem Glühweinstand. „Das ist total cool“, findet er. „Das können die öfter machen.“

Bis zu den letzten Bühnen hatte sich dann eine Verspätung von 45 Minuten aufgestaut. Merges und seine Helfer bekamen beim schnellen Umbau der Bühnen Unterstützung von Veranstaltungstechnikern von High Sounds und VM-Events. Die waren auch für Licht und Ton verantwortlich. „Während wir an einem Ort gespielt haben, haben die am vorherigen Platz ab- und am nächsten aufgebaut“, erzählt er. Die Musiker brauchten dann nur mit ihren Instrumenten unter dem Arm vom einen zum nächsten Platz zu gehen.

Freiwillige helfen

Das Schlagzeug wurde dafür extra auf einen Pkw-Anhänger gestellt, der von mehreren freiwilligen Helfern durch die Stadt geschoben wurde. Der Gastronom Rocky Musleh begleitete die Bands mit einem Foodtruck durch die Innenstadt und verkaufte Getränke.

Alle Spenden und Einnahmen sollen zu 100 Prozent der ehrenamtlichen Arbeit des AKHD zugute kommen. Der Allgemeine Kinder- und Jugendhospizdienst Hanau hat es sich zur Aufgabe gemacht, Familien mit todkranken Kindern und Jugendlichen in den eigenen vier Wänden zu begleiten. „Das ist ein Thema, mit dem sich viele Menschen nicht so gerne beschäftigen“, sagt Lisa Criseo-Brack, die Koordinatorin des AKHD. Dabei seien sie auf Spenden dringend angewiesen, da 75 Prozent der Ausgaben darüber gedeckt werden.

Die diesjährige Aktion hatte Merges über mehrere Wochen hinweg organisiert. Auch sein Sohn und knapp 30 Freunde und Bekannte waren als Ordner und Spendensammler mit einer gelben Weste unterwegs. Für alle galt ein straffes Programm: Nachdem sie von 12 bis 18 Uhr ihre mobilen Bühne an neun Stationen aufgeschlagen hatten, gab es noch eine After-Tour-Party.

Sehr positive Bilanz

Am Ende eines ausgesprochen langen Tages zieht Merges eine sehr positive Bilanz: „Viele Leute haben uns durch die Stadt begleitet, und es ist fleißig gespendet worden“, sagt er. „Bei der After-Tour-Party im Library und dem Wohnzimmer ist die Bude fast auseinandergebrochen. Besser hätte es nicht laufen können.“ Erst um vier Uhr nachts gingen die letzten Leute nach Hause. Dort spielte zudem DJ C-Rock. Als Eintrittspreis konnte jeder das spenden, was er wollte.

Wie viel in diesem Jahr zusammengekommen ist, wisse man momentan noch nicht. Das Auszählen aller Spenden könnte laut Merges noch bis ins neue Jahr dauern. Im vergangenen Jahr konnte Hautevolee mit ihrer Musik und Afterparty 15 000 Euro für die ehrenamtliche Arbeit des AKHD sammeln.

Eines ist aber jetzt schon sicher: Auch im kommenden Jahr möchte der Vollblutmusiker wieder Spenden für den Kinder- und Jugendhospizdienst sammeln. Wie groß und in welchem Umfang er eine Aktion plane, sei allerdings noch unklar. „Ich werde mich aber mindestens in einer Combo mit einem Hut in die Fußgängerzone stellen“, verspricht Merges.

Das könnte Sie auch interessieren