Die Medizin prägte das Leben von Dr. Reinhard Wichels, der heute seinen 90. Geburtstag feiert. Foto: Jutta Degen-Peters

Hanau

Bekannter Internist Dr. Reinhard Wichels wird 90

Hanau. Wacher Blick, fester Händedruck, freundliches Lächeln – so empfängt Reinhard Wichels Besucher in seinem Haus im Hanauer Musikerviertel. Dass er heute seinen 90. Geburtstag feiert, möchte man nicht meinen.

Von Jutta Degen-Peters

Die Stimme ist fest, das Erinnerungsvermögen klar. Vielleicht hat den gebürtigen Greifswalder die lebenslange Beschäftigung mit der Medizin so vital und agil gehalten. Dass Wichels heute noch Kontakt zu früheren Patienten hat und seinen ehemaligen Sprechstundenhilfen freundschaftlich verbunden ist, zeigt, wie beliebt der Internist gewesen ist. Mancher Patient konnte stolz berichten, dass ihm sein „Leibarzt“ Berater und Freund zugleich gewesen sei.

Beim Blick zurück auf ein langes Leben steht eindeutig Hanau im Mittelpunkt. Hierhin zog Wichels als Dreijähriger mit der Familie, nachdem sein Vater, Professor Dr. Paul Wichels, einem Ruf ans Hanauer Stadtkrankenhaus folgte. Als Pionier hat der Vater nach dem Krieg das damalige Stadtkrankenhaus wieder mitaufgebaut, erinnert sich der einstige Holaner, der nach dem Abitur 1949 in Frankfurt, Marburg, Gießen und Berlin studiert hat: „Wir waren jeden Sonntag mit dem Vater dort“, sagt er. Und die Erinnerung an die Nachkriegsjahre und das noch am Boden liegende Hanau erhalten wenige Tage vor dem 75. Gedenken an die Zerstörung Hanaus eine besondere Bedeutung.

Wichels war passionierter Sportler

Wichels Blick zurück reicht weit über den Tellerrand hinaus. Bevor er als Assistenzarzt ans Hanauer Stadtkrankenhaus ging und sich danach 1964 mit einer Praxis in der Römerstraße und später in der Ramsaystraße niederließ, arbeitete er in den USA in verschiedenen Kliniken. „Alles, was ich wusste, habe ich dort gelernt“, sagt der Jubilar, der zu Assistenzarztzeiten in der Klinik in Trenton, New Jersey, ins kalte Wasser geworfen wurde: „You go ahead“, signalisierten die alten Hasen dort dem Neuankömmling, dass sie ihm viel zutrauten. Gleich beim ersten Dienst in der Chirurgie sollte er dort einen Patienten versorgen, dem ein Messer im Bauch steckte. Damals erlebte er erstmals, wie wichtig die Zusammenarbeit mit fähigen und zupackenden Krankenschwestern für die Ärzte ist.

Seine aktiven Berufsjahre in Hanau möchte Wichels nicht missen. Als Internist galt für den heute siebenfachen Großvater der Grundsatz „allzeit bereit“. Die samstäglichen Sprechstunden waren Standard. Als Internist mit Zusatzausbildungen in Arbeits- und Sportmedizin betreute er nicht nur große Hanauer Unternehmen. Er erhielt auch, die erste „Ringarztlizenz“, durch die er als Arzt für die deutschen Meisterschaften im Boxen und beim Tennis zum Einsatz gerufen wurde. Wichels war auch selbst passionierter Sportler. Er unternahm auf dem eigenen Pferd Ausritte in die Natur, spielte Tennis und Golf.

Hob Notdienst in Hanau aus der Taufe

Beim Spiel auf dem Hanauer Golfplatz traf er Ende der 80er Jahre mit dem damali‧gen und inzwischen verstorbenen Bundespräsident Walter Scheel zusammen. Als dieser auf dem Grün einen Schwächeanfall erlitt, versorgte ihn Wichels routiniert und souverän. Davon zeugt die Dankeskarte, die ihn im Frühjahr 1988 aus Köln erreichte und die der heute 90-Jährige in Ehren hält: Darin dankt Scheels damalige Frau Barbara Scheel dem Hanauer Internisten für seine „liebenswürdige und spontane Hilfsbereitschaft“.

Den Hanauer Ärztekollegen war Wichels stets ein wichtiger Ansprechpartner. 16 Jahre lang engagierte sich der mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Mediziner an der Spitze des Hanauer Ärztevereins, dessen Ehrenvorsitzender er heute noch ist. Er hob den Notdienst in Hanau aus der Taufe, arbeitete eng mit der Herzstiftung von Professor Becker zusammen, baute ein Netzwerk auf, damit der Austausch zwischen den Ärzten besser funktionierte.

Ort der Feier ist noch offen

1997 schied Wichels aus seiner Praxis aus, war danach weiterhin als Betriebsmediziner tätig und betreute bis 2010 große Firmen wie die Stadtwerke Hanau und die EAM. Seinen Ärztekollegen ist Wichels nach wie vor freundschaftlich verbunden. Mit einigen hat er studiert und mit ihnen Examen gemacht. Kein Wunder, dass der Zusammenhalt groß ist. Und nach wie vor wird der Senior um Rat gefragt, wenn es um medizinische Belange geht. Dass auch die ehemaligen Sprechstundenhilfen unter den Geburtstagsgratulantinnen sind, freut ihn ganz besonders.

Ob Wichels seinen Geburtstag im Haus in Florida oder an der Ostsee verbringen wird, steht noch offen.

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