Über die Jahre sind aus den Musikern Martin Kälberer , Pippo Pollina und Werner Schmidbauer (von links) Freunde geworden, die ihre eigenen Songs gegenseitig bereichern und zu neuen Liedern verschmelzen lassen. Foto: Häsler

Hanau

Bayerisch-sizilianisches Musikertrio feiert kulturelle Vielfalt

„Do samma wieda“ oder wie es auf Italienisch heißt „Ritorniamo“ verkünden Pippo Pollina, Werner Schmidbauer und Martin Kälberer seit guten drei Wochen auf ihrer gleichnamigen Tour. Und ihre Rückkehr ist gewaltig.

Von Kerstin Biehl

Brachial genial bringen die Musikerfreunde am Sonntagabend den Süden ins Amphitheater. Das ganz besondere Gefühl von Leichtigkeit, von Dolce Vita, von Sehnsucht würzt das eingespielte Trio dabei mit deutlich politischen Akzenten.

Seit ihrer legendären Süden-Tournee, deren „Grande Finale“ 10 000 Fans in Veronas Arena feierten, sind fünf Jahre vergangen. Wer damals dabei gewesen sei, will Schmidbauer gleich zu Beginn des Konzertabends wissen. Neben mir schnellen zwei Arme nach oben. Stephanie von Holtum und Roger Gölz waren da, erzählen sie mir im Laufe des Konzerts. Und nicht nur das. Der Bensheimer Rechtsanwalt hat seiner damaligen Freundin inmitten der Arena bei „Passa il Tempo“ einen Heiratsantrag gemacht.

„Obwohl wir beide gebrannte Kinder sind und eigentlich nie wieder heiraten wollten“, schmunzelt er. Doch dieses Lied, diese Stimmung, dieser Text darüber, wie schnell die Zeit vergeht, ließ den Rechtsanwalt umdenken. Ein T-Shirt habe er damals vorbereitet. Der Aufdruck: Willst Du mich heiraten. Dazu ein Kästchen für „Ja“, eines für „Nein“. „Ich musste nicht überlegen“, lacht Stephanie. Ihr Kreuzchen hat sie bei „Ja“ gemacht. „Wir haben es nie bereut“ ist sich das Ehepaar einig. Fünf Jahre sind seitdem vergangen. Auch für die Musiker auf der Bühne liegt das legendäre Verona-Konzert ein halbes Jahrzehnt zurück. Aus den Augen verloren haben sich die Freunde in der Zeit dabei aber nie, obwohl ein jeder seinen eigenen Projekten nachgegangen ist.

Regelmäßige Treffen, unter anderem die mittlerweile zur Tradition gewordene Zusammenkunft auf Sizilien zum Jahreswechsel – aus ihr ist das wunderbare, frisch aus der Feder und vom Publikum gefeierte „Richtung Süden“ entstanden – ließen die Idee reifen, den Süden wieder aufleben zu lassen. Und so touren Pollina, Schmidbauer und Kälberer derzeit durchs Land, geben rund 20 ausverkaufte Konzerte, werden im Oktober für Süden II ins Studio und im kommenden Jahr mit den neuen Songs auf Tour gehen.

Mit ihrer Mischung aus bayerisch-italienischen Liedern bewegen sie sich durchweg in der Songwriter-Oberliga. Dabei kommen nicht nur lustige Anekdoten ans Tageslicht, auch die nachdenklich machenden Töne werden mit Gitarren, Keyboard, Mundharmonika, Schifferklavier und einem Hang (traditionelles Schweizer Musikinstrument) immer wieder angeschlagen. Die Musiker heben dabei immer wieder die aktuelle politische Lage und die schwierige Situation der Flüchtlinge, beispielsweise im Song „Die ganz große Kunst“ aufs Tableau.

Dabei beschreiben die Songs einen sprachlicher Mix aus Bayerisch und Italienisch. Sprachbarrieren – Fehlanzeige. Es sind Stücke dabei, die jeder Musiker einzeln schon lange im Repertoire hat, die aber erst im Trio vervollständigt und vorgetragen ihre Vollendung gefunden haben. Das sagen die Musiker etwa über den ursprünglich aus Schmidbauers Feder stammenden Song „Im Süden meines Herzens“.

Das unterstreicht auch der frenetische Applaus des Publikums. Besonders bei Klassikern wie „Cento passi“ – hundert Schritte“ (mit grandiosem Kälberer-Klaviersolo) oder „Al mare“, mit denen Pollina, dessen Stimmgewalt einmal mehr verblüfft, eine Hommage an seine Heimat Sizilien richtet. Schmidbauer zieht es bekanntlich eher in die Berge, „Heroben“ hat er demnach eben dort oben geschrieben. „Innerhalb von zehn Minuten war es einfach da“, verrät er.

Die Texte sind tiefsinnig, es geht um Freundschaft, Liebe, Selbstbestimmung, bisweilen durchsetzt von melancholischen, oft von energiegeladenen Melodien. Im Zuhörer rufen sie ein Gefühl der Zufriedenheit hervor, das man gerne mit nach Hause nimmt.

Doch zuvor tönt das alte Partisanenlied „Bella Ciao“ durchs Amphitheater, lässt das Publikum zur breit feiernden Masse werden, hält keinen mehr auf seinem Stuhl.

Und Stephanie und Roger? Die feiern mit und wollen noch am selben Abend buchen: Flugtickets nach Palermo. Dort nämlich soll Süden II sein Finale finden. In Pollinas Heimat, im Teatro Massimo, am 8. Juni 2019. Noch sind Karten zu haben.

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