Im Vordergrund ist der Giebel des Hauses in der Marienstraße 15 zu sehen, die Wand von Haus 11-13 ist bereits eingerüstet (links hinten).
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Im Vordergrund ist der Giebel des Hauses in der Marienstraße 15 zu sehen, die Wand von Haus 11-13 ist bereits eingerüstet (links hinten).

Kunst

Bauarbeiten könnten Kunstwerke von August Peukerts in Hanau zerstören

  • vonThomas Seifert
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Bauarbeiten gefährden die Kunstwerke von August Peukerts in Hanau. Diese befinden sich auf Gebäudefassaden im Stadtteil Großauheim.

  • Bauarbeiten gefährden die Kunstwerke von August Peukerts
  • Der Künstler stammt aus Hanau
  • Die Kunstwerke befinden sich an Häuserfassaden im Stadtteil Großauheim

Großauheim – Die Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins ist alarmiert: „Wegen Renovierungs- und Dämmarbeiten sind ein Sgraffito und ein Mosaik des Großauheimer Künstlers August Peukert an den Fassaden der Häuser Marienstraße 11-13 und 15 gefährdet“, stellte Sabine Laber-Szillat beim Besuch des HA vor Ort fest.

Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins hatten erst Ende vergangener Woche von den Plänen der Baugenossenschaft Steinheim erfahren. Sgraffitto und Wandmosaik sollen verschwinden, um die beiden Häuser mit Wärmedämmung zu versehen, die an der Außenwand aufgebracht werden soll. Das Haus mit der Nummer 11-13 ist bereits eingerüstet, das Sgraffito unter einer halbtransparenten Schutzfolie fast nicht mehr sichtbar. Von der Baugenossenschaft Steinheim war gestern auf Anfrage unserer Zeitung keine Stellungnahme zu erhalten.

Werk des Künstlers August Peukert aus Hanau besteht bereits seit den 50er Jahren

Seit den 50er Jahren belebten an den großen Giebeln an der Ecke Marienstraße/Rudolf-Weber-Straße ein sehr markantes Mosaik und ein detailliertes Sgraffito des bekannten Großauheimer Künstlers August Peukert das Stadtbild. Diese sollten nun im Rahmen von Dämmung und Renovierungsarbeiten überstrichen werden, betonte Sabine Laber-Szillat.

Der Eigentümer der Häuser in der Marienstraße, die Baugenossenschaft Steinheim, wolle diese „wirklich prägenden und wichtigen Zeitdokumente der Ortsgeschichte“ nicht erhalten, klagte die Vorsitzende. „Auf dem einen Giebel des Hauses Baujahr 1954 ist ein pflügender Bauer mit Pferd dargestellt, die andere Wand des Hauses Baujahr 1952 erinnert an die Arbeit in der Metallverarbeitung der BBC mit ihrer Kühlschrankproduktion und an die Gießerei in der Marienhütte. Besonders diese Darstellungen sorgen für eine hohe Identität, denn bei den Wohnblocks handelte es sich um eine Arbeitersiedlung, die von den Firmen wegen der produktionsnahen Unterbringung der Arbeiter gefördert wurde“, berichtete Laber-Szillat.

Hanau: Werke August Peukerts seien ein Zeichen der Selbstdefinition des Ortes

Die Arbeiten Peukerts würden dem insgesamt gesichtslosen Areal mit den schmucklosen und gleichförmigen Blocks einen wichtigen Lichtblick an Kultur verleihen, fügte sie an. Sie seien ein Zeichen der Selbstdefinition des Orts, zwischen Agrar- und Industriekultur. „Solche Denkmäler müssen erhalten bleiben, um einen Stadtteil nicht in Gleichförmigkeit und Langeweile versinken zu lassen“, forderte die gebürtige Groß-auheimerin.

Eine Schutzfolie vor dem eingerüsteten Haus in der Marienstraße 11-13 verdeckt das Wandbild.

Zudem seien die Kunstwerke für die Kinder der gegenüberliegenden Kita Wegweiser und erfreuen Spaziergänger. „Warum soll in Großauheim ein Pionierwerk der Hausmalerei und Wandmosaik vernichtet werden, wo doch mit geringem Mehraufwand diese konserviert werden könnten?“, fragte die Vereinsvorsitzende. Weiterhin merkte sie an, dass vor einigen Jahren die Kita Marienstraße ebenfalls saniert und die Schmuckfassade mit der Madonna erhalten wurde.

Gespräch in Hanau soll den Erhalt der Werke von August Peukerts erwirken

Sabine Laber-Szillat stellte fest, dass Vereinsmitglieder und der Sohn von August Peukert am kommenden Donnerstag ein Gespräch mit der Baugenossenschaft Steinheim vereinbart hätten. Zudem sei die Stadt in Person von Oberbürgermeister Claus Kaminsky informiert worden. Sie richtete aber dessen ungeachtet einen Appell an die Großauheimer: „Im Namen des Heimat- und Geschichtsvereins Großauheim möchten wir die Bevölkerung aufmerksam machen, und um Unterstützung und Hilfe für den Erhalt des Mosaiks und des Sgraffito bitten.“

August Peukert

Der Großauheimer August Peukert (1912 bis 1986) studierte an der Staatlichen Zeichenakademie in Hanau und beteiligte sich ab 1936 an Ausstellungen in Frankfurt, München, Berlin und Flensburg. Als Soldat in Norwegen stellte er in Kristiansand seine zwischen 1941 und 1943 dort entstandenen Bilder aus. Nach dem Krieg folgten viele weitere Ausstellungsbeteiligungen und Einzelausstellungen. In den 50er-Jahren experimentierte Peukert mit Glasmalerei, Glasmosaik und Wandreliefs, es entstanden viele Arbeiten in Kapellen und Kirchen in und um Hanau, später auch in Bad Orb, Neuhof bei Fulda und in Leverkusen. tse

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