Die Arbeiten auf der Baustelle an der Gewölbebrücke stehen auch tagsüber nicht still. Doch dann sind die meisten Anwohner auf der Arbeit und werden vom Lärm nicht gestört. Foto: Hackendahl

Hanau

Bauarbeiten an Gewölbebrücke in Steinheim: Anwohner im Hotel

Steinheim. Die DB Netz AG erneuert seit Ende Januar die Eisenbahnüberführung (EÜ) Pfaffenbrunnenstraße. Die alte Gewölbebrücke – 1872 gebaut – hat das Ende ihrer technischen Nutzungsdauer erreicht. Das ist mit erheblichen Lärm verbunden.

Von Holger Hackendahl

Am ersten von drei Wochenenden mit längeren Bahnstreckensperrpausen nahmen 20 Anwohner aus dem näheren Umfeld ein Angebot der DB Netz an und nächtigten in Steinheimer Hotels.

„Das Einbringen der Spundwände verursacht den Lärm. Und auch die automatische Rottenwarnanlage (ATWS) zur Warnung vor Zügen läuft bei eingleisigem Betrieb tagsüber“, sagt der zuständige Bau-Ingenieur Michael Möll. „Die Anwohner bekommen neben den Hotelübernachtungen auch das Frühstück von der Deutschen Bahn spendiert. Wenn es bei Brückenbauarbeiten lauter ist als normal, bieten wir den Nachbarn in einem zuvor durch ein Lärmgutachten ermittelten Umkreis an, ins Hotel zu gehen. Der Lautstärkepegel ist in etwa so laut wie Feuerwerk an Silvester.“

Am vergangenen Wochenende, dem ersten von drei Bahnstreckenpausen-Wochenende in diesem Monat, wurden die Gründungsarbeiten für die Hilfsbrücke vorgenommen. Mit Hilfe einer Ramme wurden Stahlelemente – sprich Spundwände – im Mehrschichtbetrieb in den Boden eingebracht. „Gerade diese Arbeiten sind sehr lärmintensiv“, so Möll. Zwei „Beleuchtungsgiraffen“ – wie sie im Fachjargon heißen –, die das Arbeitsfeld an der Eisenbahnüberführung mit ausreichend Licht versorgen, ermöglichen in dunkler Nacht die Arbeiten am und im Umfeld des Gleiskörpers. „Die Beleuchtung darf aber auch nicht zu hell sein, denn der Lokführer auf dem S-Bahn-Gleis darf nicht geblendet werden, der S-Bahn-Verkehr läuft durchgängig.“

Am vergangenen Wochenende war das Bahngleis Offenbach–Hanau im Abschnitt von Offenbach Hauptbahnhof bis Hanau Mainbrücke gesperrt.

Am nächsten und übernächsten Wochenende wird das andere Bahngleis von Hanau nach Offenbach gesperrt sein. Die Züge fahren auch dann wieder im eingleisigen Betrieb. Sie warten vor dem gesperrten Streckenabschnitt, bis der Gegenzug die freie Strecke verlassen hat. Erst dann darf der Zug auf das frei gegebene Gleis. „Der Fernbahnverkehr lief am vergangenen Wochenende stark ausgedünnt weiter. Die meisten ICEs wurden umgeleitet, die Regionalexpress-Bahnen und die S-Bahn fuhren normal“, erläutert Möll. „Am S-Bahn-Gleis führen wir keine Arbeiten aus. Die S-Bahn fährt wie gewohnt weiter.“ Als Vorbereitung auf die Bauarbeiten wurde bereits ab Ende Januar die Lärmschutzwand zurückgebaut und eine Zufahrtsrampe gebaut – um mit den Baugeräten an die Bahnstrecke fahren zu können.

Derzeit werden auf dem Streckenabschnitt zwischen Offenbach und Hanau vier Brücken erneuert. Neben der alten Gewölbebrücke bei Steinheim fallen in diesen Abschnitt auch die Brücke am Waldweg im Dietesheimer Wald sowie zwei weitere Brücken am Henningweg und an der Rodaubrücke in Mühlheim (neben der Polizeistation) im Stadtzentrum. Eine logistische Herausforderung, weil eben im Stadtzentrum von Mühlheim deutlich mehr Anwohner vom Baulärm betroffen sind

„An jeder der vier Brücken sind 15 bis 20 Personen im Einsatz – Maschinisten, Bauüberwacher, an der Oberleitung, Vermesser, Sicherungsposten“, erläutert der Bauleiter, dass diese im Mehrschichtbetrieb tätig sind. „Nach acht bis zehn Stunden Schwerstarbeit muss das Personal ausgetauscht werden. Denn Gleisbauer ist ein knüppelharter Beruf mit körperlich sehr schwerer Arbeit“, erklärt Möll. Die Arbeiten für die Baufirmen seien auch eine logistische Herausforderung.

„Für eine Akazie, die wegen der Bauarbeiten gefällt werden musste, wird als Ersatzmaßnahme eine einzeln stehende Eiche im Wildpark Alte Fasanerie gepflanzt“, ist von Bauleiter Möll zu erfahren. Nistkästen und Fledermauskästen sollen ihm zufolge als Ersatz für die „umwelttechnischen Eingriffe“ im Waldstück an der Pfaffenbrunnenstraße aufgehängt werden.

Auch an den Wochenenden 16. bis 18. sowie 24. bis 26. Februar kommt es durch die Herstellung der Verbauten und Rammarbeiten zu Lärmbelästigungen.

Bauarbeiten bis Februar 2019

Baubeginn an der Eisenbahnüberführung (EÜ) Pfaffenbrunnenstraße war am 27. Januar, die Bauarbeiten dauern bis Februar 2019.

Die Unterführung der alten Gewölbebrücke, die durch eine neue ersetzt wird, wird von Fußgängern und Radfahrern als Verbindung zur Offenbacher Landstraße und vom angrenzenden Wald zum nahen Mainuferweg genutzt. Die Erneuerung der rund 150 Jahre alten Bahnbrücke fällt in das zeitlich bis November 2019 begrenzte „Brückenprogramm des Bundes“, das die Sanierung von bundesweit 875 Straßen- und Bahnbrücken ermöglicht.

Die im Jahr 1872 gebaute Brücke hat ihre technische Nutzungsdauer erreicht. Während der Sperrpausen auf der Bahnstrecke Frankfurt – Göttingen kommt es durch Ramm-, Bohr-, Abbruch- und Gleisarbeiten sowie das Signalhorn des automatischen Warnsystems (ATWS) zu Lärm jenseits von 65 Dezibel, ein von einem Lärmschutzbeauftragten der DB-Netz als „unzumutbar gesetzte Schwelle für die Anwohner“ bezeichnet.

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