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Bande soll mit Drogen im Schwarzmarktwert von vier Millionen Euro gedealt haben

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Von: Thorsten Becker

Riesige Summen von Bargeld sollen die Dealer in der Region eingenommen haben. Bei der Razzia vor einem Jahr haben die Fahnder diese Scheine sichergestellt. Archivfoto: Hessisches Landeskriminalamt/Pressestelle
Riesige Summen von Bargeld sollen die Dealer in der Region eingenommen haben. Bei der Razzia vor einem Jahr haben die Fahnder diese Scheine sichergestellt. Archivfoto: Hessisches Landeskriminalamt/Pressestelle © Archivfoto: Pressestelle HLKA Hessen

Ein Drogenprozess mit bisher nicht bekannten Dimensionen könnte bald vor dem Hanauer Landgericht starten. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hat fünf Männer angeklagt, die im großen Stil vor allem mit Kokain und Amphetamin gehandelt haben sollen.

Hanau/Main-Kinzig-Kreis – Die Drogenmengen und die Summen, die mit dem illegalen Handel im Kreis eingenommen werden, erreichen schwindelerregende Höhen. Vor dem Landgericht Hanau wird wohl bald ein Prozess beginnen, der alle bisherigen Dimensionen sprengt: Es geht um 111 Kilogramm Kokain sowie 199 Kilogramm Amphetamine. Der seriös geschätzte „Großhandelspreis“ auf dem Schwarzmarkt: rund vier Millionen Euro. Die mutmaßlichen Großdealer: fünf Männer aus der Region, die sich nach dem Willen der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt nun für illegale Rauschgiftgeschäfte sowie den Schmuggel verantworten sollen.

Hanau: Generalstaatsanwaltschaft geht von 300 Kilogramm illegaler Drogen aus

Wie Staatsanwalt Sebastian Zwiebel, Pressesprecher der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität, berichtet, sei nun in Hanau Anklage gegen das Quintett erhoben worden. Die Beschuldigten waren vor fast einem Jahr im Zuge der weltweiten Razzia „Trojan Shield“ aufgeflogen. Internet- und Drogenfahnder hatten dazu die abgehörten Daten von angeblich abhörsicheren „Anom“-Chats auf Krypto-Handys genutzt (wir berichteten).

„Den Angeschuldigten wird zur Last gelegt, zwischen Dezember 2020 und Juni 2021 Betäubungsmittel in großen Mengen in Deutschland angekauft sowie aus den Niederlanden eingeführt zu haben, um diese anschließend gewinnbringend zu veräußern“, so Staatsanwalt Zwiebel zum Kern des Anklagevorwurfs.

Hanauer soll Drahtzieher gewesen sein

Es wird nicht der erste „Anom“-Prozess vor dem Landgericht sein. Bereits im Januar war ein 38-jähriger Steinheimer, der zudem eine Marihuana-Plantage besaß, zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Aktuell läuft ein Verfahren gegen drei Männer aus dem Ostkreis, bei dem es um Drogen im Wert vor 800 000 Euro geht. In diesen Verfahren ist immer wieder ein Name aufgetaucht: Jakob O. (31) aus Hanau. Laut Generalstaatsanwaltschaft soll er zusammen mit einem 47-Jährigen aus Frankfurt ein Dealernetz aufgebaut und geleitet haben.

Neben der Nutzung der „Anom“-Handys habe die Bande Kurierfahrzeuge mit elektronisch sowie hydraulisch steuerbaren Schmuggelverstecken genutzt. Während O. und sein Komplize den An- und Verkauf des Rauschgifts verhandelt und organisiert haben sollen, stehen die weiteren drei Männer im Verdacht, als Drogenkuriere mit Lagerung, Portionierung, Transport und Verteilung des Rauschgifts im Rhein-Main-Gebiet aktiv gewesen zu sein. Nach Angaben von Zwiebel sollen die Beschuldigten bei konspirativen Treffen in Hanau und Frankfurt sowie in Gründau, Bad Orb, Steinau und Bad Soden-Salmünster die Drogen weiterverkauft haben.

Hanau: Polizei stellt 16 Kilogramm Kokain sicher

Bis zum 7. Juni 2021, als die Fahnder zuschlugen. Bei den Durchsuchungen in Hanau sowie gesamten Kreis wurden rund 16 Kilogramm Kokain, 1,4 Kilo Amphetamin, Bargeld sowie Luxusgüter im Wert von rund 97 000 Euro sichergestellt. Außerdem ließ die Generalstaatsanwaltschaft sieben Kurierfahrzeuge mit professionell verbauten Verstecken einkassieren. „Vier der Angeschuldigten befinden sich aufgrund von Haftbefehlen des Amtsgerichts Hanau in Untersuchungshaft“, so der Pressesprecher. Normalerweise wird in Haftsachen innerhalb von sechs Monaten die Anklage erhoben. Wegen der riesigen Datenmengen aus den abgehörten Chats hat es nun ein Jahr gedauert, bis die umfangreiche Anklageschrift eingereicht worden ist.

Beim Landgericht Hanau muss nun die 7. Große Strafkammer zunächst über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden. Daher stehen noch keine Termine für den Beginn des Prozesses fest. (Thorsten Becker)

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