Der Birkensee im Norden Hanaus wird jetzt wieder für die Fischzucht genutzt. Wenn es nach der Stadt geht, soll hier auch bald wieder gebadet werden. Foto: Kerstin Biehl

Hanau

Ist das Baden im Birkensee bald wieder möglich?

Hanau. Die Sonne kämpft sich durch den Nebel über dem Birkensee. Das Wasser ist am Rand leicht gefroren. Es ist kalt an diesem Dezembermorgen. Minus zwei Grad zeigt das Thermometer an der Forellenstraße. Hier draußen, weit ab vom Trubel der Stadt, findet sich ein Idyll, das seit Anfang 2017 ungenutzt vor sich hin schlummert.

Von Kerstin BiehlMit einem Ruck stößt Etienne Schweizer den Stiel seines langen Keschers ins Eis. Es birst unter dem Druck. Zum Vorschein kommt eine Art Unterwasserkäfig. In ihm tummeln sich zahlreiche Fische. „Hier sind Hechte, Karpfen und Zander drin“, sagt der 29-Jährige. Er hat das 30 Hektar große Areal gepachtet.

Seit 1963 gibt es an der Forellenstraße Fischteiche. Fischzuchtmeister Heinrich Haas hat sie damals auf dem weitläufigen Areal angelegt. Als dann in den 1970er Jahren die Autobahn A66 gebaut und Kies benötigt wurde, entstand ein rund fünf Meter tiefer Baggersee: der Birkenweiher. Dort legte Haas 1985 das erste Strandbad an. Damals hatte es eine Uferlänge von gut 300 Metern. Später verlegte er alles ans Südufer.

Haas gehörte der See, das Strandbad, er hatte sein Haus am Nordufer, die Fischzucht dort sowie einige Uferplätze für Wohnmobile. Außerdem gab es das bei der Bevölkerung sehr beliebte spanische Restaurant „El Toro“. Der Birkensee war ein schöner Ort, der von den Hanauern aber auch von den Menschen aus der Region gern besucht wurde.

Stadt will Strandbad wieder öffnen

Doch diese Zeiten sind lang vorbei. Erst musste das Strandbad wegen schlechter Wasserqualität schließen. Dann machte das Restaurant dicht. Und im Jahr 2017 gab die Familie Haas schließlich die Fischzucht auf. Sie verkaufte das gesamte Areal an einen Investor, der unter anderem in Hanau und Umgebung Wohn- und Gewerbeprojekte entwickelt.

Seitdem tat sich am Birkensee nicht mehr viel. Einzig der Hanauer Gastronom und Unternehmer Rocky Musleh veranstaltet im Sommer regelmäßig seine „Seeliebe“, ein Open-Air-Event mit elektronischer Musik.

Doch jetzt will die Stadt dafür sorgen, dass dem Idyll wieder Leben eingehaucht wird. Stadtentwickler Martin Bieberle auf HA-Nachfrage: „Wir führen Gespräche darüber, ob am Birkensee wieder ein öffentlicher Badebetrieb möglich ist.“ Dafür müsse natürlich zunächst die entsprechende Wasserqualität wieder hergestellt werden. Der Strandbereich soll dann öffentlich zugänglich werden. Auch eine Gastronomie soll nach Wunsch der Stadt wieder dort angesiedelt werden. „Wir prüfen zudem, inwieweit eine Wochenendbebauung möglich ist“, so Bieberle.

Fischzucht wurde von Etienne Schweizer bereits reanimiert

Etienne Schweizer macht mit der Wiederaufnahme der Fischzucht einen Schritt in die richtige Richtung. Und tritt in die großen Fußstapfen von Fischzuchtmeister Haas. Allerdings muss er, bedingt durch den Klimawandel, die Fischzucht neu aufstellen. „Forellen sind bei diesen heißen Sommern ganz schwierig zu züchten, auch wegen der Wassermenge. Deshalb setzte ich mehr auf Karpfen, Hechte und Zander. Sie sind unempfindlicher, was warme Wassertemperaturen betrifft“, sagt der Erlenseer.

Gelernt hat er das Fischezüchten nicht. Schweizer ist Autodidakt. Mit Macher-Mentalität. „Einfach loslegen und ausprobieren“, sagt er und lacht, während er die Fische mit Hilfe des Keschers in einen großen Eimer bugsiert. Der junge Mann ist in der Welt herumgekommen. War für den Reiseveranstalter Thomas Cook in verschiedenen Ländern unterwegs. Hat sich fürs Fernsehen als Goldschürfer in Kanada versucht. Und ist schließlich am Birkensee gelandet.

Traum vom eigenen Angelteich erfüllt

„Geangelt habe ich schon immer, seit meiner Kindheit. Und ich hatte immer den Traum vom eigenen Angelteich“, erzählt er. Dass dieser dann ein wenig größer ausgefallen ist, als vorgestellt, ist nicht schlimm. Schweizer kann anpacken, weiß mit Maschinen umzugehen und kennt Leute, die ihm helfen, wenn er nicht weiter kommt.

Er hat den Angelteich, der neben dem Birkensee liegt, Instand gesetzt, mit Wasser gefüllt, Fische eingesetzt, das Ufer vom Gestrüpp befreit. Jetzt kann hier wieder geangelt werden. Auch die Anzuchtbecken legt er nach und nach frei und wird sie mit Netzen überspannen, zum Schutz, gegen die Vögel. „Es ist viel Arbeit. Aber das passt schon.“ Schweizer ist zuversichtlich. Der Angelteich werde sehr gut angenommen. „Manchmal stehen die Angler mit ihren Autos bis über die Brücke“, sagt er.

Fischverkauf ab Donnerstag

Fische für den Besatz kommen – wenn nicht aus eigener Zucht – aus Deutschland. „Die sind zwar im Einkauf teurer, aber die Qualität ist super“, so der Autodidakt, der eigentlich gelernter Sport- und Fitnesskaufmann ist und in diesem Beruf viele Jahre im Golfclub Freigericht-Somborn gearbeitet hat.

Der Eimer ist mittlerweile gut mit Fischen gefüllt. Sie werden umgesetzt, in eines der zahlreichen Zuchtbecken. Sobald sie groß genug sind, werden sie zum Verkauf angeboten. „Die Fische sind ganz natürlich im See aufgewachsen, nicht künstlich hochgefüttert“, betont Schweizer und lässt einen Barsch sanft ins Wasser gleiten. Fische kaufen kann man bei Schweizer ab kommender Woche.

FischverkaufAb Donnerstag ist der Fischverkauf täglich durchgehend geöffnet, auch an den Weihnachtstagen. Fischverkauf ist dann täglich von 9 bis 18 Uhr. Räucherfisch gibt es auf Bestellung, auch für Weihnachten kann vorbestellt werden, Telefon 01 76/20 35 15 40.

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