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Azubis hatten vier Wochen Gastroenterologie am Klinikum im Griff

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Große Herausforderung: Azubi Jennifer Koch (links) und Linda Brüggemann haben für vier Wochen auf der Station H3C des Klinikum Hanau Verantwortung übernommen. Stefan Hochstadt, Bereichsleitung Pflegestation HC3, zollte seinen Schützlingen große Anerkennung. Foto: Ulrike Pongratz
Große Herausforderung: Azubi Jennifer Koch (links) und Linda Brüggemann haben für vier Wochen auf der Station H3C des Klinikum Hanau Verantwortung übernommen. Stefan Hochstadt, Bereichsleitung Pflegestation HC3, zollte seinen Schützlingen große Anerkennung. Foto: Ulrike Pongratz

Hanau. Zum siebten Mal seit 2013 hieß es am Klinikum Hanau wieder: „Azubis übernehmen eine Station“. Im Rahmen ihrer Ausbildung erhielten die angehenden Gesundheits- und Krankenpfleger des Klinikums, die nach drei Lehrjahren kurz vor dem Examen stehen, Einblick in die Leitungsaufgaben der Station H3C (Gastroenterologie).

Von Ulrike Pongratz

Vier Wochen lang „übernahmen“ die Nachwuchskräfte die Verantwortung für „ihre Station“.

Wie sie die Aufgabe gemeistert haben, eine voll belegte Station mit 25 Betten zu managen, das haben Linda Brüggemann und Jennifer Koch sehr eindrücklich im Gespräch mit unserer Zeitung geschildert. Zum Ende ihrer Ausbildung sei das Projekt eine echte Herausforderung, aber auch eine große Motivation. „Es ist eine sehr gute Vorbereitung auf die Prüfung und auf das Berufsleben, ein Vorgeschmack, auf das, was kommt“, sind sich die beiden Frauen einig.

Wie im richtigen Leben mussten sich die beiden 22-jährigen Azubis auf die Stelle bewerben und im Vorstellungsgespräch überzeugen. Auf Station waren sie nach zwei Tagen theoretischer Einführung über fast vier Wochen für alle Abläufe verantwortlich. Die Frühschicht, berichten die 22-jährigen Azubis, beginnt um 6 Uhr morgens mit der Übergabe durch die Nachtschicht. Alle Patienten werden besprochen, auf zusätzliche Maßnahmen, wie Verbandswechsel, Blutentnahme oder umfassende Körperpflege hingewiesen.

Fixpunkt im Tagesablauf

Die Schicht beginnt routinemäßig immer mit einem Besuch bei den Patienten, es werden die Vitalparameter überprüft, nach Schmerzen gefragt, bei der Körperpflege unterstützt und vieles mehr. Ein wichtiger Fixpunkt im Tagesablauf ist die gemeinsame Visite mit den diensthabenden Ärzten. Hier werden alle Anordnungen besprochen und in den Akten angepasst.

Die Stationsleitung muss nun die entsprechenden Maßnahmen für jeden Patienten individuell im Blick haben und koordinieren: Für eine Entlassung müssen vielleicht ein Krankentransport bestellt und Medikamente nach Hause mitgegeben werden, für eine Operation sind die notwendigen Papiere auszufüllen und das PSL-Team, das alle Transporte im Klinikum übernimmt, rechtzeitig zu informieren. Zur Unterstützung der Physiotherapie regt das Stationsteam die Patienten zu Bewegungsübungen an.

Selten planbar sind Zugänge oder Notaufnahmen. Werden Patienten neu aufgenommen, erfolgt eine umfangreiche Datenerhebung. Auch Dinge, die zunächst nebensächlich erscheinen, erleichtern im Klinikum den Alltag: Besteht Sturzgefahr, wird ein Rollator benötigt oder ein Hörgerät? Trägt der Patient es auch? Diese Kleinigkeiten werden im Klinikalltag, in einer fremden Umgebung besonders wichtig.

Dokumentation zentrale Aufgabe

Auch auf einer modernen, 2013 renovierten Station wie der Gastroenterologie, haben die Gesundheits- und Krankenpfleger, die ab 2020 Pflegefachmann beziehungsweise -frau heißen werden, eine Menge zu erledigen, bis ein Patient „eingewiesen“ ist, er sein Bett verstellen und die Notrufklingel bedienen kann und alle Daten im Computer gespeichert sind.

Die Dokumentation aller erhobenen Daten, durchgeführten Maßnahmen und Beobachtungen durch das Pflegeteam ist eine der zentralen Aufgaben, die so zeitnah wie möglich erfolgen sollen, spätestens mit Übergabe der Patienten an die nächste Schicht, erklären die leitenden Azubis ihre vielseitige Arbeit.

Denn so ganz genau planen lassen sich Tätigkeiten dann doch nicht. Nicht nur Zugänge, auch bei Infektionserkrankungen, die nach jeder Behandlung ein Wechseln der Schutzkleidung erfordern oder ein defekter Kopierer können den Zeitplan durcheinanderwirbeln. Kurz: Keine Schicht ist wie die andere, und auch nachts ist selten „Socken stricken“ angesagt.

Verantwortung für das ganze Team übernommen

Viele ihrer Aufgaben kennen Linda Brüggemann und Jennifer Koch natürlich bereits aus ihrer praktischen Ausbildung am Klinikum. „Doch jetzt haben wir die Verantwortung für das ganze Team übernommen, wir achten auch auf die Pausen der Kollegen.“ Zu den neuen Managementaufgaben gehören auch Absprachen im Team oder mit anderen Fachbereichen. Unter den Augen und mit Stefan Hochstadt, Bereichsleitung Pflege Station H3C, und dem gesamten Team auf Station HC3 im Hintergrund, haben die Azubis schnell gelernt, die Station zu managen und die großen wie die vielen kleinen Dinge im Blick zu behalten.

Der Stationsleiter findet große Anerkennung und viel Lob für seine Schützlinge: „Sie haben sich sehr schnell eingearbeitet, sind schnell selbständig geworden und haben das flott und gut gemacht“, sagt er.

Auch Beate Junk, die stellvertretende Leiterin Pflege am Klinikum Hanau, kann dem Projekt „Azubis übernehmen eine Station“ viel Positives abgewinnen: „Das Projekt, das einen Perspektivwechsel forciert, trifft bislang bei allen Projektbeteiligten, bei Pflegefachkräften, Ärzten und Azubis auf ein sehr positives Feedback.“ Und auch Linda Brüggemann und Jennifer Kochen ziehen nach drei Wochen in verantwortungsvoller Position eine positive Bilanz: „Bei diesem Projekt haben wir gelernt, selbständig unsere Entscheidungen zu treffen“, so das Fazit der beiden angehenden Pflegefachkräfte.

„Die Stationsleitung war eine große Herausforderung, aber jetzt fühlen wir uns sicher. Neu war, dass wir selbstständig Entscheidungen für das gesamte Team treffen mussten. Überrascht waren wir darüber, wie harmonisch es letztlich läuft. Jeder im Team kann sich auf den anderen verlassen, das ist ganz wichtig. Das Arbeiten mit den Kollegen im Team, auch die Kommunikation mit den Ärzten auf Augenhöhe, ist eine neue Erfahrung für uns und große Motivation zugleich.“

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