Ilse Werder hat als Autorin vieler Bücher nicht nur einiges aus der Historie berühmter Kämpferinnen zum Thema Frauenrechte beizutragen. Sie ist auch selbst lebendes Beispiel für Frauenpower und kritisches Bewusstsein. Foto: Degen-Peters

Hanau

Autorin Ilse Werder und ihr Einsatz für Frauenrechte

Hanau. „Es hat in Hanau schon immer muntere Frauen gegeben“ – sie weiß, wovon sie spricht. Die Hanauer Journalistin und Buchautorin Ilse Werder hat sich von jeher im von ihr mitgegründeten Archiv Frauenleben, in zahlreichen von ihr verfassten Büchern und Zeitungsartikeln dem Kampf um Frauenrechte und der Frauenpolitik gewidmet.

Von Jutta Degen-Peters

Die SPD Hanau nimmt das Jubiläum „100 Jahre Frauenwahlrecht“ zum Anlass, bei einer Gesprächsrunde im Rahmen der Frauenwochen einen Blick auf das wichtige Jubiläum aus Hanauer Sicht zu werfen. Als eine der Teilnehmerinnen hat Ilse Werder ihr Kommen zugesagt. Die 92-jährige Sozialdemokratin hat zu diesem Thema eine Menge beizusteuern, nicht nur anhand zahlreicher von ihr recherchierter Geschichten und Meilensteine. Auch ihre eigene Geschichte steht für den Kampf um Gleichberechtigung und Frauenrechte.

Immerhin hat sich die gebürtige Kasselanerin und einstige Mitarbeiterin der Sozialdemokratin Elisabeth Selbert in Hanau als alleinerziehende Mutter von vier Kindern durchs Leben gekämpft. Vollzeit berufstätig bei der „Frankfurter Rundschau“ und trotz aller familiärer und beruflicher Verpflichtungen immer auch mit einem wachen Blick auf die Politik in Hanau.

Sie engagierte sich für die Gründung eines Frauenhauses in Hanau, hob das Archiv Frauenleben mit aus der Taufe, gehörte zur Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen und schaute als Journalistin den Männern in der Politik von Stadt und Kreis immer sehr genau auf die Finger, wenn diese sich anschickten, Frauen nicht ernst zu nehmen oder zu übergehen.

Spagat zwischen Familie, Beruf und PolitikWarum sie die Teilnahme an dem Podiumsgespräch zugesagt hat? Ganz sicher nicht, um aus ihrem eigenen Leben zu erzählen, erklärt Werder. Wenngleich sie sehr gut ermessen kann, wie schwierig der Spagat zwischen Mutterschaft und Familienleben und dem beruflichen Engagement ist. Umso mehr, wenn frau dann auch noch politisch interessiert und engagiert ist.

Hanau habe so viel Frauenpower zu bieten, dass der regionale Blick auf das 100-jährige Jubiläum des Frauenwahlrechts fast schon zwingend sei, findet sie. 1911, so sagt Werder, sei bereits in Hanau der erste internationale Frauentag gefeiert worden. Damals sei eine italienische Sozialistin in der Stadt begrüßt worden, die eine scharfe Rede habe halten wollen.

Doch der damalige Landrat, dem dies zu Ohren gekommen sei, habe dafür gesorgt, dass die Frauenrechtlerin schnurstracks „als unliebsame Ausländerin wieder ausgewiesen wurde“. Ein langer Zug von engagierten Streiterinnen und auch Männern habe diese Frauenrechtlerin damals quer durch die Stadt zum Bahnhof geleitet und so dafür gesorgt, dass die Aktion einiges Aufsehen erregte.

Erinnerungen an 1892Davon, so Werder, wolle sie beim Podiumsgespräch berichten. Und auch vom Jahr 1892. Dem Jahr, in dem in Hanau eine öffentliche Versammlung für Frauen und Mädchen stattgefunden habe, bei der „Die Frau und der Sozialismus“ Thema war. Alle zwei Wochen, so ist in der SPD-Festschrift „100 Jahre SPD Hanau“ zu lesen, gab es seit 1898 in Hanau für Parteimitglieder ein kostenloses „Frauenorgan“ namens „Die Freiheit“.

Es wurde also in der Arbeiterstadt mit einem großen Potenzial an aufmüpfigen Bürgern – Bismarcks Sozialistengesetze lösten auch in Hanau eine Verfolgungsserie aus, in deren Folge 500 Mitglieder des SPD-Ortsvereins registriert und unter Dauerbeobachtung gestellt wurden – einiges für die politische Bildung der Frauen getan.

Zusammenhang zwischen ökonomischen Abhängigkeit und sozialer KnechtungIn den Folgejahren gab es laut Werder in Hanau immer wieder Versammlungen und Veranstaltung für Frauen, bei denen renommierte Persönlichkeiten wie Rosa Luxemburg oder Clara Zetkin sprachen. Sie referierten über den Zusammenhang zwischen der ökonomischen Abhängigkeit von Frauen und deren sozialer Knechtung. Frauen, die als Wäscherinnen, Tabakarbeiterinnen oder Fabrikarbeiterinnen tätig waren, schlossen sich der Arbeiterbewegung an.

Werder betont, wie wichtig die bürgerliche Freiheitsbewegung als Vorläufer der Arbeiterbewegung für das gewesen ist, was später kam. Den Kampf hätten keineswegs alleine die Sozialdemokraten gekämpft.Nach der Einführung des Frauenwahlrechts sei die Frauenpower in Hanau keineswegs verpufft. Werder nennt Namen wie die Frauenrechtlerin Luise Kiesselbach oder die Widerstandskämpferin Elisabeth Schmitz, die den Gedanken an mehr Gleichheit für Frauen nie aufgaben.

Von ihnen, aber auch von den Nach-68er Jahren und der Jetztzeit wird am kommenden Sonntag die Rede sein. Und dass sich der Kampf um Frauenrechte keineswegs erledigt hat, zeigt die Teilnahme der Vorsitzenden der ASF Main-Kinzig, Annika Niemeyer. Junge Frauen wie sie machen auch Ilse Werder Hoffnung für die Zukunft.

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