Druckfrisch – Autorin Heidi Gebhardt hält ihren neuen Tante Frieda-Krimi in der Hand. Foto: Kerstin Biehl

Hanau

Autorin Heidi Gebhardt veröffentlicht vierten Hanau-Krimi

Hanau. Tante Frieda ermittelt wieder. Heidi Gebhardt hat mit "Die Herberge im Wald" nun ihren vierten Hanau-Krimi veröffentlicht. Und spricht mit unserer Zeitung über ihre Autorenarbeit.

Von Kerstin Biehl

Eigentlich wollte Heidi Gebhardt jetzt im Allgäu sein. Wollte Urlaubern das Frühstück servieren. Das war der Plan. Von der Hohen Tanne nach Süddeutschland. Dort eine kleine Pension führen. Doch der Deal zum Kauf platzte. Und das eigene Haus in der Hohen Tanne hatte mittlerweile einen Käufer gefunden. Wohin also auf die Schnelle? Antwort auf die Frage gab ein kleiner Ort im Taunus, Schmitten heißt er und ist, wie Gebhardt versichert „sehr, sehr sympathisch“.

Statt des Allgäus schreibt die Autorin ihre Krimis nun dort. Der neueste Tante Frieda-Krimi „Die Herberge im Wald“ trägt ganz klar Taunus-Handschrift.

„Ich habe das damals, mit Anfang 20, einfach so hingenommen.“

„Ich habe tatsächlich in jungen Jahren mal eine Zeit lang eine Herberge im Taunus geführt“, erzählt Gebhardt bei einer Tasse Tee. Vom Taunus ist sie heute in die Grimmstadt gefahren. Hier ist sie noch oft. Freunde besuchen. Oder einfach durch die Stadt bummeln. Sie fühlt sich Hanau nach wie vor verbunden. Hier hat sie die Protagonistin ihrer Hanau Krimis erfunden: Tante Frieda. In ihrem neuesten Fall ermittelt die umtriebige Seniorin aber nicht in der Hohen Tanne, sondern im Taunus. In einer Herberge.

„Als wir nach Schmitten gezogen sind, 2017 war das, hatte ich kurze Zeit später schon die Idee zur Handlung im Kopf. Plötzlich sind alle Erinnerungen an meine Zeit als Herbergsleiterin wieder da gewesen.“ Unheimliche Dinge sind damals dort passiert. Zum Beispiel hat jemand über Nacht sämtliche Fassungen der Außenbeleuchtungen demontiert, dann die Lampenschirme wieder angebracht. „Ich habe das damals, mit Anfang 20, einfach so hingenommen. Und da sind noch einige andere unheimliche Dinge passiert. Aber ich will nicht spoilern.“ Gebhardt hat die Geschichten von damals im Roman verarbeitet.

Autorin brauche Ruhe zum Schreiben

Inzwischen sind mehr als drei Jahre seit dem letzten Frieda-Krimi vergangen. Damals sind die Bücher noch im Ullstein Verlag erschienen. Doch der hatte von Beginn an nur mit drei Teilen geplant. Zwar hatte ein anderer Verlag Interesse an der Veröffentlichung, bis zu der hätte sich Gebhardt aber noch ein Jahr gedulden müssen. „Das war mir zu lang. Dann bringe ich das Buch lieber im Eigenverlag raus“, sagt sie. Jetzt muss sie sich zwar auch um den Vertrieb und die Akquise kümmern, doch das sei ok. „Für die nächsten Lesungen kamen die Buchhandlungen sogar auf mich zu, da musste ich gar nichts tun.“

In ihrem neuen Zuhause im Taunus hat die Autorin endlich ihr eigenes Schreibzimmer. „Aber darin zu schreiben habe ich schon wieder aufgegeben. Es ist einfach zu laut.“ Ihr Mann hat sein Büro im Nebenzimmer. Wenn er telefoniert, was häufig der Fall ist, kann Gebhardt nicht schreiben. „Ich brauche Ruhe. Am besten kann ich schreiben, wenn ich allein zuhause bin.“ Denn Gebhardt spielt Szenen, die sie im Kopf hat, oft erst mal nach. „Auch durchaus laut. Da muss niemand dabei sein. Auch nicht mein Mann“, lacht sie.

Ordnung sei elementar für ihre Arbeit

Den Bogen von Hanau in den Taunus spannt Gebhardt in der „Herberge“ mit Hilfe von Lena, Friedas Enkelin, die seit dem ersten Hohe Tanne Krimi eine wichtige Rolle spielt. Lena, ständig in Geldnot, übernimmt die Leitung besagter Herberge. Und da sie wenig Ahnung von Hauswirtschaft hat und auch nicht kochen kann, bittet sie Frieda um Hilfe. Auch das Hanauer Kommissaren-Duo ist wieder mit von der Partie, stattet Frieda im Taunus einen Besuch ab und ermittelt kurzerhand selbst mit.

Wann Gebhardt all das zu Papier bringt? „Es gibt keine festen Schreibzeiten bei mir. Für das aktuelle Buch habe ich mir lediglich vorgenommen, es noch 2019 zu veröffentlichen.“ Was aber wichtig ist, ist eine gewisse Grundordnung um sie herum. Die muss zum Schreiben zwingend vorhanden sein. „Ich muss, bevor ich mich an den Rechner setze, erstmal aufräumen. Putzen. Waschen. Bügeln. Erst dann kann ich loslegen.“ Die Äußere Ordnung muss hergestellt sein, damit Gebhardt auch im Innern aufgeräumt und kreativ ist.

Recherche sei das Spannendste an der Arbeit

Im Frühjahr ist der Roman fertig geworden. Dann haben zwei befreundete Hanauer Kommissare das Manuskript Probe gelesen. „Das hat schon Tradition. Schon bevor ich meine allerersten Tante Frieda-Roman geschrieben habe, habe ich die beiden gefragt. Und sie haben mir immer regelmäßig Druck gemacht, indem sie gefragt haben, wie weit ich denn nun bin.“ Ohne die beiden, da ist sich die Autorin sicher, wäre Tante Frieda nie erschienen.

Nach diesem traditionellen Probelesen setzt sich Gebhardt mit den Kommissaren zusammen, um gemeinsam daran zu feilen, wie manche Szenen, die sich um die Polizei drehen, realistischer, also näher an der echten Polizeiarbeit, beschrieben werden könnten, ohne dabei langweilig zu sein. Denn das, weiß Gebhardt, ist sie in der Realität oft.

Mehrere Lesungen in der Region

„Das Spannendste am Schreiben ist für mich die Recherche. Dabei habe ich den größten Spaß.“ Wenn sie sich von einem Gerichtsmediziner erklären lassen kann, wie eine Leiche nach sechs Wochen aussieht, wenn sie bisher nicht gehabtes Wissen vermittelt bekommt, dann ist Gebhardt glücklich.

So wie beim Kochen, eine der großen Leidenschaften von Gebhardt. Der frönt sie auch immer in ihren Krimis: Am Ende eines jeden Buches gibt es Tante Friedas Kochrezepte. Diesmal mit dabei: Dampfnudeln. „Der absolute Hit und wärmstens zu empfehlen“, schwärmt die Autorin. Leicht nachzukochen, alltagstauglich, schnörkellos. Und sie schmecken überall. Egal ob in Hanau, im Taunus oder im Allgäu.

Lesungen in der Region 21. Oktober, Langenselbold, 19:30 Uhr im Raumglück (Büchermeer), in der , Gartenstraße 2.23. Oktober, Bruchköbel, Stadt-Bibliothek, Hauptstraße 53, 19.30 Uhr25. Oktober, Steinau, Begegnungsstätte in Marborn, Schulstraße 4, 19.30 Uhr 8. November, Maintal, 19.30, Vereinshaus 1.FC 1911 Hochstadt e.V., Hanauer Straße25. März, Hanau, 18.30 Uhr, Lesung bei Thalia , im Forum

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