Christianne Weber-Stöber gibt bei einem Rundgang Erläuterungen zu den ausgestellten Schmuckstücken. Foto: Habermann

Hanau

Ausstellung "Anziehend" zeigt Entwicklung der Brosche

Hanau. Eine Ausstellung von rund 170 Exponaten unter dem Motto: „Anziehend – Von der Fibel zur Brosche“ dürfen Besucher des Hanauer Goldschmiedehauses ab Sonntag, 19. Juni, bestaunen. Anhand der ausgestellten Stücke lässt sich die Entwicklung von der einfachen Nadel bis zur skulpturalen Brosche durch die Jahrhunderte ablesen.

Von Rainer HabermannDie rund 170 Ausstellungsstücke stammen aus dem Schmuckmuseum Pforzheim, dem Museum für Vor- und Frühgeschichte Hanau-Steinheim sowie aus eigenen und privaten Sammlungen. Was wir heute als selbstverständlich erachten, unsere Kleidungsstücke durch Knöpfe oder Reißverschlüsse zu verschließen, war über Jahrhunderte hinweg die Aufgabe von Nadel und Fibel.Die Fibel entsprach in ihrer Anwendung unserer heutigen Sicherheitsnadel und hielt die antiken Gewänder zusammen, die noch nicht vernäht waren. Erst mit der Erfindung und Etablierung des Knopfes im Hohen Mittelalter verlor die Fibel Stück für Stück ihre Popularität. Aus der ehemals zweckorientierten Fibel entwickelte sich die auf reine Dekoration abzielende Brosche.Einteilung in thematische GruppenWährend die historischen Arbeiten überwiegend aus edlen Materialien wie Silber, Gold und Edelsteinen gefertigt sind, kommen in der Nachkriegszeit verstärkt unedle Materialien wie beispielsweise Kunststoff, Holz oder Glas zum Tragen. Die Schmuckstücke werden nicht nur rein chronologisch vorgestellt, sondern in Gruppen zusammengefasst, thematisch gebündelt und über alle Zeitstufen hinweg miteinander kombiniert.Neben dem Material kann eine bestimmte Technik, ein besonderes Gestaltungsmerkmal oder der Verwendungszweck im Zentrum der Betrachtung stehen. Christianne Weber-Stöber, Leiterin des Deutschen Goldschmiedehauses, meint hierzu: „Unser Ziel ist es, durch die Zusammenstellung der Objekte zu thematischen Gruppen, die einzelnen Stücke über ihre zeitlichen und regionalen Grenzen hinaus miteinander in einen Dialog treten zu lassen. Diese Art der Durchmischung bietet dem Betrachter die Möglichkeit, auf eine kleine Entdeckungsreise zu gehen, Gemeinsamkeiten zu erkennen und eigene Assoziationen zu erzeugen.“Ausstellungsstücke reichen bis ins Frühmittelalter zurückIn insgesamt zehn Themengruppen findet die Unterteilung statt, daneben in zwei Materialgruppen: Email (was nicht etwa eine moderne Bezeichnung für elektronischen Briefverkehr meint) und Granulation. Beachtlich ist der Zeitraum der ausgestellten Stücke. Das älteste Objekt ist eine bronzene Radnadel aus dem 15. Jahrhundert vor Christus, die durch ihre ornamentale Schlichtheit besticht. Die ausgestellten Fibeln reichen bis ins Frühmittelalter zurück. Stücke des Spätmittelalters und der Renaissance sind bis auf wenige Beispiele nur spärlich überliefert.Die Broschen des 17. bis zum 19. Jahrhundert werden durch die ganze Üppigkeit von Material, Technik und Gestaltung dominiert. Beispielsweise die prunkvollen Brokatkleider des Barock wurden zusätzlich mit prächtigen Miederbroschen geschmückt. Besonders im Zeremoniell der Königs- und Fürstenhöfe war Schmuck eine feste Größe im Sinne der Repräsentation. Insbesondere aus den strengen Vorschriften der Hoftrauer, die unter anderem Vorgaben für das Tragen von Schmuck machte, etablierte sich der Memorialschmuck. Dieser zog große Kreise und drang bis in die bürgerliche Gesellschaft vor. Schwarzer Schmuck erfreute sich deshalb größter Beliebtheit. Dunkle Steine wie Onyx und Jett, aber auch dunkles Email und Glas, wurden beliebte Werkstoffe.Koexistenz zwischen traditionellem und neuem SchmuckNeben dem schwarzen Schmuck entwickelte sich eine besonders intime Gedenkform ̶ Schmuck aus dem Haar des Verstorbenen. Eine Brosche aus England, die etwa 1840 entstand, zeigt den Brauch, bei dem das Haar kunstvoll verflochten und unter Glas in das Schmuckstück eingebettet wurde. Ein spielerischer Umgang mit Material und etablierten Techniken zeichnet sich im Schmuck der Nachkriegsjahre ab. Claus Bury, dem gerade eine eigene Ausstellung im Historischen Museum des Schlosses Philippsruhe gewidmet worden war, gestaltet 1969 eine Brosche aus farbigem Acrylglas, die Anleihen an die Pop-Art jener Zeit aufweist.Wie gut traditioneller und neuer Schmuck nebeneinander existieren kann verdeutlicht eine Arbeit von Reinhold Bothner. Etwa zeitgleich, in den 1970er Jahren, entsteht ein Ansteckschmuck reduzierter Formensprache. Bothner greift die Jahrtausende alte Technik des Granulierens auf und interpretiert sie durch den zurückhaltenden und gezielten Einsatz neu. Eine in Gold gefasste Lapislazulischeibe ist umgeben von einem schlichten Mäanderband aus granulierten Goldkugeln.Die Ausstellung „Anziehend“ wird ab Sonntag, 19. Juni, bis Sonntag, 30. Oktober zu den Öffnungszeiten des Museums gezeigt. Dieses ist (außer montags) täglich von 11 Uhr bis 13 Uhr geöffnet. Führungen finden statt am Sonntag, 26. Juni, um 15 Uhr, sowie an weiteren Sonntagen.

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