Wo Straßen und Bahntrasse sich kreuzen: Der Bau der Nordmainischen S-Bahn wird im Stadtbereich Hanau einige Baumaßnahmen erfordern. Grafik: PM

Hanau

Ausbau der Nordmainischen S-Bahn: Die Schranken fallen

Hanau. Bei einer gemeinsamen Bürger-Informationsveranstaltung haben am Donnerstagabend im Forum der Otto-Hahn-Schule (OHS) die DB Netze AG und der Hanau Infrastruktur Service (HIS) über die Entwicklungen beim Bau der Nordmainischen S-Bahn informiert.

Von Rainer Habermann

Das Hauptaugenmerk der Präsentation lag dabei auf dem Bahnübergang an der Frankfurter Landstraße, die direkt die Rosenau mit der Zufahrt zur A66 nach Frankfurt verbindet. Oder, je nachdem wie man das sieht, für endlos erscheinende Minuten pro Stunde durch den Schienenverkehr unterbrochen wird.

Der Übergang soll komplett entfallen, wie auch zwei weitere in Hanau: am Salisweg und in Wilhelmsbad (Burgallee). Sie sollen durch Straßenunterführungen ersetzt werden. Wobei die Problematik auf der Straße eine wesentlich höhere Aufmerksamkeit beim vielköpfigen Publikum zu erheischen schien als die Entwicklung auf der Schiene. Dass nämlich der straßengleiche, beschrankte Bahnübergang entfallen und durch eine Unterführung ersetzt werden soll, und zwar sehr bald, entzückte nicht jeden, im Gegenteil. Viele Redebeiträge und Fragen der anwesenden Anlieger und weiterer interessierter Bürger drehten sich etwa um die Ampelkreuzung an Frankfurter Landstraße und Kastanienallee, unmittelbar hinter dem Bahnübergang stadtauswärts, wo auf der einen Seite das Stadion von Hanau 93 liegt, auf der anderen die OHS.

Zu schnelles Fahren

Hier werde trotz Tempo-30-Schildern viel zu schnell gefahren. Und bei der Vielzahl von Kindern, die an dieser Kreuzung, an den ebenfalls dort vorhandenen Busbuchten ein- und ausstiegen, sei es „ein Wunder“, so eine Mutter, dass noch kein schwerer Verkehrsunfall stattgefunden habe. Weitere Befürchtungen wurden geäußert, so beispielsweise, dass die Frankfurter Landstraße zu einer „Rennstrecke“ werden könnte. Und zu den rund 3000 Fahrzeugen täglich, die bei einer Verkehrszählung dort festgestellt wurden, noch wesentlich mehr hinzukommen könnten, sei die Straße erst „barrierefrei ausgebaut“ und die „perfekte Schnellstraße nach Frankfurt“, so ein Bürger.

Peter Preis vom städtischen Eigenbetrieb HIS, Sebastian Brieger, Projektkoordinator Schienenverkehr der HIS, und Markus Henrich, der Leiter des Eigenbetriebs, beruhigten die Gemüter ein wenig.

Geschwindigkeitskontrollen sollten vermehrt stattfinden, und zwar mobile, betonte Henrich. Unterstützt wurde er vom Stadtrat und Verkehrsdezernenten der Brüder-Grimm-Stadt, Thomas Morlock, der zusammen mit der DB Netze zur Veranstaltung eingeladen hatte und moderierte. Sie brachten das Thema auch wieder in einen größeren Zusammenhang: nämlich den der S-Bahn-Verbindung vom Hanauer Hauptbahnhof zur Konstabler Wache im Herzen Frankfurts im 15-Minuten-Takt. Und den damit zusammenhängenden, tiefgreifenden Veränderungen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) der unmittelbaren Zukunft.

"Es wird ernst"

„Ja, es wird ernst“, sagte Morlock. „Die S-Bahn wird endlich auf die Strecke gebracht: von Hanau zu einem Knotenpunkt der Republik.“ Womit der Stadtrat die schnellere Anbindung an die Rhein-Main-Metropole meinte, der auch eine schnelle Fahrrad-Verbindung Hanau–Frankfurt in Form eines Radschnellwegs parallel folgen oder gar vorausgehen soll. Aber das ist ein anderes Thema. „Hier, beim Bau der Straßenunterführung Frankfurter Landstraße, wird erkennbar, dass es wirklich losgeht“, meinte Morlock.

„Natürlich wird das mit Strapazen für die Anwohner verbunden sein, was Baulärm und Umleitungsverkehr anbelangt. Ich bin selbst betroffen, ich wohne im Musikerviertel“, ergänzte der Stadtrat. Ähnliche Belastungen kommen aber auch auf andere Bürger entlang der Trasse der künftigen Nord‧mainischen S-Bahn zu, die identisch ist mit der bisherigen Schienenführung Hanau–Frankfurt über Maintal. Sie wird ausgebaut, und zwar um zwei zusätzliche Gleise auf insgesamt 19 Kilometer Länge: eines für jede Richtung.

Dass damit auch eine Zunahme des Güterverkehrs befürchtet (und wohl eintreten) wird, ebenfalls geäußert von Teilnehmern an der Infoveranstaltung – das bestätigten die Tunnelbauingenieurin und Projektleiterin für die Nordmainische bei der DB Netze, Belgin Baser. Und die leitende Ingenieurin für das Projekt Bahnübergang (BÜ) Frank‧furter Landstraße, Olinda Papst. Worauf sie Wert legen: Alle baulichen werden begleitet von Schallschutzmaßnahmen. In Form von Schallschutzwänden entlang nahezu der kompletten Strecke, teils bis zu sechs Meter hoch. „Wobei wir die Gestaltung der Schallschutzwände an die städtebaulichen Gegebenheiten anpassen wollen“, betont Baser.

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