August Schärttner in einer Lithographie von Georg Cornicelius. Repro: PM

Hanau

August Schärttner war "Hanauer Bub" und Turner der ersten Stunde

Hanau. Er war ein "Hanauer Bub" und Turner der ersten Stunde: August Schärttner wäre am Dienstag, 31. Januar, 200 Jahre alt geworden. Über den berühmten Hanauer ist nicht allzu viel bekannt.

Von Alexandra Hellbrück

Am kommenden Dienstag, 31. Januar, jährt sich der Geburtstag des gebürtigen Hanauers August Schärttner zum 200. Mal. Dieses Datum wollten sowohl der Magistrat als auch die Turngemeinde 1837 Hanau (TGH) nicht unerwähnt verstreichen lassen und luden zu einer Pressekonferenz.

Denn Schärttner war ja nicht nur ein waschechter „Hanauer Bub“ und berühmter Sohn seiner Stadt, sondern neben TGH-Gründer Christian Lautenschläger auch eines der ersten Mitglieder sowie ein späterer Vorsitzender der jungen Turngemeinde. Neben der August-Schärttner-Halle und einer nach ihm benannten Straße im Lamboy gibt es allerdings nicht viel, was heute noch an Schärttner erinnert, und genau das macht den Turnern und Historikern Kummer.Kaum Infos über Kindheit und JugendDenn sehr viel an Informationen über den „Demokrat und Turner der ersten Stunde“, wie die TGH Schärttner auf einem Plakat zur 175-Jahr-Feier einmal betitelte, gibt es nicht. Viel von dem, was die beiden Archivare der Turngemeinde, Dietrich Arlt und Knut Witt, anlässlich des runden Geburtstages zusammengetragen und nun bei einem Pressegespräch vorgestellt haben, sei, wie sie betonten, lediglich Wiederholungen früherer Berichte.Über die Kindheit und Jugend des gelernten Küfers Schärttner sei nicht viel bekannt, auch nicht über die Zeit seiner Wanderjahre. Erst der Eintritt in die TGH im Jahr 1837 und sein damit verbundenes turnerisches sowie politisches Engagement ließen ihn auf dem Schirm der Geschichtsschreibung erscheinen.Mitunterzeichner des Hanauer UltimatumsDenn Schärttner, so Arlt, war in der Revolution von 1848/49 einer der Mitunterzeichner und Überbringer des Hanauer Ultimatums an den Landesherren, Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Hessen-Kassel, und somit eine der führenden Persönlichkeiten der jungen Demokratiebewegung. Außerdem habe er sowohl den ersten als auch den zweiten Turnertag 1848 maßgeblich mitgestaltet.Als Schärttner im Juni 1849 allerdings die Hanauer Turnerwehr zur Verteidigung der Reichsverfassung anführte und nach der Niederlage des Gefechts das Land verlassen musste, floh der junge Major über die Schweiz und Frankreich nach England. In Abwesenheit wurde er im Oktober 1857 wegen Hochverrats verurteilt. Also blieb Schärttner in London, wo er letztendlich eine Gastwirtschaft betrieb und am 22. Februar 1859 mit nur 42 Jahren starb.Hoppe wünscht sich ausführlichere VitaAuch über seine Londoner Zeit gebe es nur spärliche Informationen, wie Martin Hoppe vom Fachbereich Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen zu seinem Bedauern hinzufügte.Er wünsche sich, dass sich bald jemand der Lebensgeschichte Schärttners annehme und eine ausführlichere Vita zu Papier brächte. Vielleicht – so Hoppe augenzwinkernd – sei ja sogar der 200. Geburtstag des berühmten Hanauers ein Auslöser für neues Interesse an seinem Leben.

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