Schon vor dem offiziellen Beginn am Freitag ist die Markt-Pyramide ein beliebtes Fotomotiv. Foto: Reinhard Paul

Hanau

Aufbau des Hanauer Weihnachtsmarktes läuft auf Hochtouren

Hanau. Bevor die Hanauer ihren Weihnachtsmarkt genießen können, müssen die Budenbetreiber und Schausteller reichlich Schweiß vergießen. Denn neben einer ausgetüftelten Logistik gehören auch Muskelkraft und eine gute Planung dazu, bis alles an seinem Platz ist, was weihnachtlich gestimmte Besucher vier Wochen lang erfreut.

Von Reinhard Paul

Thomas Eberhardt, dem die Hanauer den Glockenturm verdanken, gehört zu den Weihnachtsmarkt-Urgesteinen. Seit 52 Jahren ist er dort präsent. „Ich bin dabei, seit ich krabbeln kann. Es ging gar nicht anders. Meine Eltern und Großeltern haben damals schon das historische Kinderkarussell gehabt und eine Bude mit Christbaumkugeln, da musste ich einfach mit.“

Trotzdem freut er sich jedes Jahr aufs Neue, wenn es endlich wieder losgeht. Stress hin, Stress her. Seiner Routine und der seiner Mitarbeiter verdankt er die Ruhe auch in hektischen Momenten. „Klar, es gibt immer wieder neue Unwägbarkeiten. Aber zum Eröffnungstermin sind wir immer fertig geworden.“ Gerade steht Eberhardt auf seinem Glockenturm und befestigt die Spanngurte. Schließlich soll das wertvolle Stück nicht beschädigt werden.

Beschicker haben oft 16-Stunden-Tag

Wenige Schritte weiter hat sein Vater Siegfried das Karussell aufgebaut. Noch steht es unter einer Schutzhaube, wird noch mal auf Hochglanz gewienert und wird dann auch am Freitag im Lichterglanz erstrahlen. Siegfried Eberhardt freut sich ebenfalls darauf, dass es endlich losgeht.

Mit seinen 73 Jahren ist er immer noch jeden Tag dabei. „Wir sind hier von morgens um neun bis abends um neun beschäftigt. Zuvor sind noch Aufbauarbeiten zu erledigen. Anschließend gibt es auch noch einiges zu tun. Unser Tag ist schon lang.“ Sohn Thomas bestätigt das. „Ein 16-Stundentag ist bei uns zur Weihnachtsmarktzeit normal.“

Immer wieder neue Leckereien

Ganz ähnlich ergeht es Hanno und Sabine Molitor, die ebenfalls zu den alten Hasen auf dem Hanauer Weihnachtsmarkt gehören. Sohn Marvin bewegt sich seit vielen Jahren in den elterlichen Fußstapfen und überrascht immer wieder mit Neuerungen. Dieses Mal kredenzt er seinen Gästen eine „Bubble Waffel“, ein typisches Streetfood-Gericht, das in den 50er Jahren in Hongkong seinen Ursprung fand. „Goldgelb in der Farbe mit einer knusprigen Außenhülle und einem weichen Kern.“

Wenn Marvin von seinen Spezialitäten erzählt, ist er mit Inbrunst bei der Sache. Die Ein-Meter-Crêpes kamen vergangenes Jahr gut an. Dasselbe erhofft er sich für seine Bubble Waffeln, die dann auch noch mit allerlei süßen Leckereien gefüllt werden können.

Brüder-Grimm-Spieß soll Verkaufsschlager werden

Bei den Molitors, die auch die Glühweinpyramide und Kartoffelmühle betreiben, gibt es dieses Jahr erstmals XXXL-Fleischspieße mit vielen verschiedenen Sorten Fleisch und einen Brüder-Grimm-Spieß. „Ich glaube, das wird in diesem Jahr unser Renner“, hofft Sabine Molitor. Erfreulich für das Portemonnaie der Kunden: Die Preise sind stabil geblieben. Der Becher Glühwein soll an allen Ständen nicht mehr als drei Euro kosten.

Derweil posiert eine junge Frau an der Glühweinpyramide, während ihr Begleiter ein Foto von ihr macht. Längst ist der Hanauer Weihnachtsmarkt zu einer Attraktion auch für Touristen aus allen erdenklichen Ländern geworden. Schon bei den Aufbauarbeiten stehen etliche Zuschauer dabei, fotografieren, filmen, gucken. Und immer wird wieder die Frage gestellt: „Wann geht es denn nun los?“

Seit 1983 dabei

Heinrich Konrad Hollenbach, von allen nur Heiko genannt, ist seit 1983 mit seinem Stand auf dem Hanauer Weihnachtsmarkt vertreten. Er kennt alle Standorte und alle Witterungsbedingungen, hat schon gute und schlechte Zeiten miterlebt. Den Markt am Rande des Freiheitsplatzes oder am Goldschmiedehaus, wo ihm eine kurze Ära beschieden war, hat er in schlechter Erinnerung.

Doch hier ist er zufrieden: „Hier haben wir einen wirklich tollen Markt hinbekommen, die Atmosphäre ist einfach toll, kuschelig. Es ist nicht weitläufig, und wir haben insgesamt gesehen eine sehr hohe Qualität und viel Innovation.

Moderne Farben bei der Deko im Trend

Hollenbachs Sortiment ist groß: Vom Weihnachtsmann auf dem Traktor über Schneekugeln, die zwischen zehn und 100 Euro zu haben sind, bis hin zu Klassikern wie Krippenfiguren, Lichterketten oder Christbaumkugeln „Gefragt sind Weihnachtsartikel in modernen Farben aber auch Original-Weihnachtsdeko und Figuren aus dem Erzgebirge.“

Der Anbieter steht immer noch gerne auf dem Markt. „Wir sind hier eine große Familie, und unsere Kunden kommen jedes Jahr aufs Neue zu uns. Und wenn es immer nur eine Kleinigkeit ist, die sie bei uns kaufen.“

Aufbauarbeiten seit Wochen geplant

Damit die Aufbauarbeiten reibungslos funktionieren, hat Marktmeister Victor Crichton sich schon seit Wochen mit dem Weihnachtsmarkt beschäftigt. In diesem Jahr waren die Herausforderungen etwas größer als üblich, denn durch die Umbaumaßnahmen am Rathaus und die Baustelle davor musste der Platz neu eingeteilt werden.

Zudem kamen vier neue Anbieter dazu. Jeden Zentimeter galt es im Vorfeld gedanklich abzustecken. Jetzt überwacht er, wie seine Pläne in die Realität umgesetzt werden. Ständig klingelt das Telefon. Der eine fragt nach Strom, der andere nach dem Wasseranschluss. Crichton hat die Ruhe weg. Er macht diesen Job seit nunmehr 15 Jahren und weiß wie der Hase läuft. „Jeder Markt ist anders. Schema F gibt es nicht. Aber das macht es ja gerade so spannend.

Die ganze Familie ist im Einsatz

Bei den Weingärtners wird gerade das Riesenrad aufgebaut. Die Söhne Klaus und Dominik übernehmen das. „Es reicht, wenn Vater Bernhard den ganzen Tag in seinem Kassenhäuschen sitzt, damit ist uns genug geholfen.“ Während Dominik in schwindelerregender Höhe mit seinem Gehilfen den Motor für das Riesenrad befestigt, steuert Klaus den Kran. „Hier weiß Jeder, was er zu tun hat. Wir machen das ja nicht zum ersten Mal.“

Die beiden selbst haben natürlich auch Buden auf dem Markt: Belgische Fritten und leckere Soßen, Gebrannte Mandeln, eine Glühweinhütte, in der man sich gemütlich am Kamin niederlassen kann, und einen Imbissstand. Auch sie beteuern, dass die Preise stabil geblieben sind. Den großen Weihnachtsbaum und die beleuchteten Fenster des Rathaus-Adventskalenders werden die Besucher vermissen: Sie fallen wegen der Sanierung des Historischen Rathauses aus.

Fünf Grad und klarer Himmel gewünscht

Bei allem Optimismus schicken die Schausteller dennoch einen Stoßseufzer gen Himmel: „Wir wünschen uns gutes Wetter.“ Also Schnee und klirrende Kälte? „Nein“, widerspricht Thomas Eberhardt: „Fünf Grad und klarer Himmel. Dann kommen die Leute. Wenn es schneit, wird es zu matschig. Und wenn es zu warm ist, schmeckt der Glühwein nicht wirklich.“

Die offizielle Eröffnung des Hanauer Weihnachtsmarktes durch Oberbürgermeister Claus Kaminsky findet Freitag um 17.30 Uhr statt.

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