Die Tundrawölfe im Wildpark freuen sich über die willkommene Abkühlung mit nahrhaften Eisbomben. Foto: Hackendahl

KleinAuheim

Auch die Tiere in der Alten Fasanerie leiden unter der Hitze

Klein-Auheim. Ein Schlammbad in der matschigen Suhle oder ein kühlendes Lüftchen in den Baumwipfeln – mit solchen Strategien begegnen Tiere der derzeit herrschenden großen Sommerhitze. Und jetzt können sich einige Vierbeiner in der Alten Fasanerie auch über leckere Eisbomben freuen.

Von Holger Hackendahl

Die Tiere im Wildpark müssen mit der großen Hitze irgendwie zurechtkommen. Viele Vierbeiner und Zweiflügler machen es ähnlich und ziehen sich in den Schatten zurück. Andere wiederum haben ganz eigene Strategien entwickelt, um mit der Hitze klarzukommen.

Einige der Marderhunde lieben es, bis zum Hals im Wasser ihres Teichs zu stehen, andere schwimmen sogar zur Abkühlung hindurch. Und wie kommen die anderen Tiere mit Temperaturen über 30 Grad zurecht ? Wildbiologin Dr. Marion Ebel: „Die Wildschweine legen sich in die Suhle und kommen mit dicker Schlammkruste, die auch gegen Plagegeister wie Insekten hilft, heraus.“ Kaninchen trotzen in Erdröhren der großen Hitze. „Die Waschbären sitzen entspannt auf 20 Meter Höhe in den Bäumen, da weht ein kühlendes Lüftchen und sorgt für Abkühlung. Das Sikawild geht abends in den Teich und das Rotwild gehört zu den 'Frühbadern', sie kühlen sich frühmorgens noch vor Öffnung des Wildparks in ihrem Teich ab“, hat die Biologin beobachtet.

Beim Sikawild wurde am Mittwochabend der Teich mit Hilfe eines Hydranten mit frischem Wasser aus der Ringwasserleitung aufgefüllt. Das Sikawild genoss derzeit die Futtergaben am Zaun, um sich anschließend in frischem Nass abzukühlen. Alle anderen Tiere, die keinen Teich haben, suchen sich bei diesen hohen Temperaturen ein schattiges Plätzchen und bewegen sich so wenig wie möglich.“ Am wenigsten macht die Hitze wohl den Ziegen und den Mufflons aus, die aus südlicheren Gefilden kommen.

Auch auf die Futterversorgung hat die Hitze Auswirkungen. Dr. Ebel: „Die Tierpfleger füttern frühmorgens oder spätabends. Ein Tierpfleger kommt bereits morgens um 6 Uhr. Er füttert dann gleich die Elche und Wisente, danach Auerochsen und Highland-Rinder. All diese Tierarten werden morgens ganz früh gefüttert.“ Und die Tundrawölfe, die wegen ihres sehr dichten Fells – im Sommer 3000 Haare pro Quadratzentimeter, im Winter das Doppelte – wohl am meisten leiden? Die sieben Jahre alten Polarwölfe Monja, Inuq und Aslan, die Dr. Ebel als Welpen antiautoritär erzogen hat, liegen träge im Schatten des Teichs, in dem sie gerne auch baden gehen. Und auch die europäischen Wölfe Siegfried, Tristan, Richard und Gunther halten sich bei den hohen Temperaturen in ihren Erdhöhlen auf.

„Ich lege mich beim Besuch des 14-jährigen Polarwolfrüden Scott mit ihm in seine aus einem Betonrohr gebaute Höhle im Wolfshügel“, gesteht die Biologin Dr. Marion Ebel, die wegen der geringen Höhlenhöhe zu ihm reinrobbt. „Scott, der alte Bub, hat nicht nur einen Teich, sondern auch eine Höhle, ein idealer Ort, der Hitze zu trotzen. Es ist der wohl kühlste Ort im Wildpark“, meint die Biologin. „Morgens bekommt er seine Tabletten und hat dort auch seine Wasserschüssel. Ich lege mich zu ihm in die Höhle, streichele und massiere ihn.“ Scott wird dort auch gefüttert – damit er die Höhle so selten wie möglich verlassen muss.

Die Tundrawölfe in der Alten Fasanerie können sich seit dieser Woche auch über leckere Eisbomben freuen. Wildpark-Biologin Dr. Marion Ebel hat einen Teil der täglichen Essensration – unter anderem Fleisch und Eintagesküken – in Wasser eingelegt und über Nacht im Kühlhaus in wohl schmeckende Eisbomben verwandeln lassen. Nun kann sie ihren Hitze‧gestressten Lieblingen Inuq, Aslan und Monja die Eisbomben zur Abkühlung anbieten. Dem allein lebenden, 14-jährigen Scott liefert sie die kühlende Essensration direkt in seine Höhle, wo er sich bei der großen Sommerhitze hin geflüchtet hat.

Die Reaktion der Tiere zeigt, dass Eisbomben auch Wölfe glücklich machen und neben dem erhofften Kühlungseffekt für Abwechslung auf dem täglichen Essensplan sorgt“, freut sich Dr. Ebel. „Polarwölfe gehören neben den Elchen wohl zu den Tieren im Wildpark, die am meisten unter der Hitze des Rekordsommers 2018 leiden“ berichtet die Wildparkbiologin, die sich freuen würde, wenn ein Eiswürfelhersteller mehrere Fässer gefüllt mit Eiswürfeln sponsern und vorbeibringen könnte. „Das wäre prima und würde einigen Tieren – etwa den Wölfen – bei dieser großen Hitze eine echte Freude machen. Ich würde dann Wannen gefüllt mit Eiswürfeln in ihre Gehege stellen.“

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