Anerkennung für Umweltengagement: Tarek Al-Wazir legt Elmar Diez den Verdienstorden um. Foto: Biehl

Hanau

Anti-Atom-Pionier: Elmar Diez bekommt Hessischen Verdienstorder

Hanau. Er ist ein Kämpfer gegen Atomkraft, ein Verfechter des Ökostroms und ein Sieger gegen Atombetriebe wie Alkem, Nukem, RBU und Co. Für seine Verdienste hat der Hanauer Umweltaktivist Elmar Diez gestern den Hessischen Verdienstorden bekommen.

Von Kerstin Biehl

„Elmar Diez ist ein Pionier des Umweltschutzes und vor allem der Anti-Atomkraft-Bewegung“, stellte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Freitagmittag bei der Überreichung der Auszeichnung fest.Trotz schwerer Erkrankung war Diez in Begleitung seiner Familie und zahlreicher politischer Weggefährten zu der Feierstunde in die „Patrontasch“ an der Bruchköbeler Landstraße gekommen, um die Auszeichnung entgegenzunehmen.

Die Verleihung begründete Al-Wazir mit Diez' unermüdlichem Engagement und die Liste der Aufzählungen seiner Verdienste schien nicht enden zu wollen: jahrzehntelanges selbstloses ehrenamtliches Engagement für den Umweltschutz, für ein gutes Leben, für die Abschaltung der Atomanlagen. Der Kampf gegen das Atomkraftwerk Biblis, zu dessen Abschaltung Diez maßgeblich beigetragen habe.

Der gebürtige Nürnberger hatte zu einem Zeitpunkt begonnen, sich mit den Risiken der Atomenergie zu beschäftigen, als die Mehrheit der Menschen noch überzeugt war, dass Atomkraft kein Risiko ist. Hartnäckige Aufklärungsarbeit, ständige Aktivität, dauernder Protest, sowohl parlamentarisch wie außerparlamentarisch, bestimmten jahrzehntelangdas Leben  des Umweltschützers.

„Dank Menschen wie ihm ist die Atomenergie in unserem Land bald Geschichte“, würdigte Al-Wazir. „Und das Schöne ist, dieses beharrliche, selbstlose Engagement wird auch von vielen Menschen mit einer anderen politischen Meinung anerkannt.“

Al-Wazir: Diez ging es immer um die Sache

Dort, wo man heute in Sachen Atomkraft stehe, sei bei Weitem nicht selbstverständlich. Für diese Errungenschaft sei Diez manchen Leuten „gehörig auf die Nerven gegangen“. Doch das habe er gemusst, um etwas zu erreichen.Dabei habe er sich auch von Widerständen nicht abbringen lassen, kannte dann weder Freund noch Feind. „Aber genau das ist der Punkt, warum heute auch die damaligen Atomkraft-Befürworter eine Ehrung für Diez als angemessen betrachten. Denn es ging ihm immer um die Sache“, so Al-Wazir.

Diez zeichne sich als „streitbare Persönlichkeit, mit Charakterstärke und Rückgrat, aber auch durch gewinnende Freundlichkeit aus. Zu allen umweltpolitischen Debatten habe er stets eine Meinung gehabt. „Durch sein Wirken auf allen Ebenen hat er wesentlich dazu beigetragen, dass der Umweltschutz seinen heutigen Stellenwert in der Gesellschaft genießt.“

Bouffier: Auszeichnung wäre früher nicht möglich gewesen

Volker Bouffier (CDU), der als Ministerpräsident von Hessen über die Auszeichnung befunden hatte, sollAl-Wazir gegenüber Folgendes geäußert haben: „Früher hätte ein hessischer Minister einen Elmar Diez für seinen Kampf gegen Atomkraft nicht ausgezeichnet“, zitierte Al-Wazir den Hessen-Chef und ließ die Anwesenden auch an seiner eigenen Antwort darauf teilhaben: „Es hat sich aber noch etwas geändert: Früher hätte ein Elmar Diez eine solche Auszeichnung auch gar nicht angenommen.“ Das folgende Schmunzeln der anwesenden Wegbegleiter zeugte von der Wahrheit dieser Aussage.

Al-Wazir: „Sie können mit Stolz auf Ihr Lebenswerk blicken. Anfangs belächelt und oftmals angefeindet, haben Sie trotzdem unablässig an Ihren Ideen und Idealen festgehalten und weiter Überzeugungsarbeit geleistet. Der Ausstieg aus der Atomenergie 2011 ist eine Genugtuung und Bestätigung Ihrer Arbeit. Für Ihr unermüdliches, nachhaltiges Wirken gebührt Ihnen daher die Anerkennung des Landes Hessen in Form des Hessischen Verdienstordens.“

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