Am 19. Februar 2020 erschoss ein 43-jähriger Deutscher in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven, bevor er vermutlich seine Mutter und schließlich sich selbst tötete.
+
Am 19. Februar 2020 erschoss ein 43-jähriger Deutscher in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven, bevor er vermutlich seine Mutter und schließlich sich selbst tötete.

Rassismus

Umstrittener Film über Anschlag in Hanau geplatzt

  • VonMelanie Gottschalk
    schließen

Angehörige und Stadt kämpften gegen den Film über die Anschlagsnacht in Hanau, jetzt ist er wohl Geschichte. Denn der Regisseur Uwe Boll findet keine Geldgeber.

Hanau - Ein umstrittenes Filmprojekt über die Anschlagsnacht von Hanau* am 19. Februar 2020 ist wohl Geschichte. Denn der für schlechte Filme bekannte Regisseur Uwe Boll findet nach eigenen Angaben keine Geldgeber für den Film. „Filmförderung und alle Sender und Streamer haben mein Projekt DEUTSCHLAND IM WINTER abgelehnt. Das Projekt ist dann erstmal tot. Zu hart, zu kalt, zu brutal etc. – waren die typischen Begründungen“, schrieb Boll in einem Statement auf Facebook.

Das Statement hat der umstrittene Regisseur mittlerweile gelöscht, das Portal Moviebreak.de hat jedoch auf ihrer Seite einen Screenshot veröffentlicht. Der Film über den Anschlag in Hanau hatte bei den Angehörigen und der Stadt für heftige Kritik gesorgt*. So sagte beispielsweise Armin Hamza Kurtovic, Vater des ermordeten Hamza Kurtovic im Spiegel: „Ich werde alles dafür tun, um zu verhindern, dass sich Bolls Fantasie über rechte Täter als das wahre Schicksal von meinem Sohn bei den deutschen Zuschauern einbrennt.“

Anschlag in Hanau: Filmprojekt sorgt für heftige Kritik

Der 43 Jahre alte Tobias R. erschoss am 19. Februar 2020 in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven*, bevor er vermutlich seine Mutter und schließlich sich selbst tötete. Uwe Boll hatte nach eigener Aussage geplant, den Film aus der Perspektive des Attentäters zu zeigen, auch Details über die Besetzung waren bereits bekannt geworden. Unter anderem war Momo-Star Radost Bokel für die Rolle von Mercedes K. eingeplant, Steffen Mennekes hätte die Rolle des Attentäters übernommen.

Die Angehörigen der Opfer des Anschlags von Hanau hatten zwar eine lückenlose Aufklärung der Ereignisse gefordert, einen Film wie diesen wollten sie allerdings unbedingt verhindern. Cetin Gültekin, der Bruder des ermordeten Gökhan Gültekin, sagte im Spiegel: „In meinen Augen tötet er mit dieser Verunglimpfung meinen Bruder ein zweites Mal.“ Die Mutter von Sedat Gürbüz sagte: „Er hat uns nicht gefragt. Der darf das nicht. Der war nie hier.“ Die Angehörigen und die Stadt Hanau reagierten sowohl mit einem offenen Brief als auch mit der Drohung, Anzeige zu erstatten, auf das Projekt.

Oberbürgermeister wollte Film über Anschlag in Hanau unbedingt verhindern

Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) solidarisierte sich schon damals mit den Angehörigen im Spiegel: „Diesen unsäglichen Film will in Hanau niemand. Nicht die Angehörigen, nicht die politischen Gremien, nicht die Stadtgesellschaft“, zitierte ihn der Spiegel. „Wir werden gemeinsam alle Hebel in Bewegung setzen, um die Ausstrahlung zu verhindern.“ Das ist nun offenbar gelungen. (msb) *op-online.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema