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Zurzeit als Untermieter im Jugendbildungs- und Kulturzentrum zu erreichen: der Ärztliche Bereitschaftsdienst in Hanau.

Patientenrückgang um 50 Prozent

Drastischer Rückgang: Angst vor Coronavirus hält Patienten von dringenden Arztbesuchen ab

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Die Inanspruchnahme des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD) in Hanau ist mit dem Ausbruch der Coronavirus-Krise drastisch gesunken. Das teilte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Ein KV-Sprecher beziffert den Patientenrückgang „um rund 50 Prozent – auch über die Osterfeiertage“. Auch die meisten anderen ÄBD-Praxen in Hessen verzeichnen seit Ausbruch der Coronavirus-Epidemie einen erheblichen Rückgang der Patientenkontakte.

Patienten haben Angst vor Ansteckung

Der für den Hanauer ÄBD zuständige KV-Obmann Facharzt Dr. med. Detlef Oldenburg führt den Abwärtstrend auf die Angst vor einer Ansteckung zurück, die er jedoch mit Blick auf die strengen Hygienemaß‧nahmen in der Bereitschaftsdienstpraxis und in allen anderen Praxen der niedergelassenen Haus- und Fachärzte für unbegründet hält.

Der KV-Obmann bedauert, „dass die Verunsicherung in der Bevölkerung groß ist und auch auf eine teilweise unzureichende Berichterstattung in verschiedenen Medien zurückzuführen“ sei. Dies könne dazu führen, dass Erkrankungen zu spät diagnostiziert und behandelt würden.

In der Hanauer ÄBD-Zentrale, sie ist aus organisatorischen Gründen zurzeit im Jugendbildungs- und Kulturzentrum Hans Böckler am Sandeldamm zu finden, seien alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor einer Infizierung ergriffen worden, sowohl für das Personal als auch im Wartebereich, der genügend Abstand zwischen den einzelnen Patienten biete.

Hanauer Arztpraxen mit ausreichenden Vorsichtsmaßnahmen

Dr. Oldenburg, der als Facharzt für Hals-Nase-Ohren-Erkrankungen in Hanau niedergelassen ist, berichtet dies auch für die Sicherheit in den Hanauer Arztpraxen. Dort würde neben der kontinuierlichen Desinfizierung aller Publikums- und Untersuchungsbereiche sowie der Eigensicherung des Personals streng darauf geachtet, dass sich nicht zu viele Patienten in den Wartezimmern aufhielten und ein ausreichender Abstand zwischen den einzelnen Personen gewahrt würde.

Sprechstunden würden mit Blick auf mögliche Risikopatienten entzerrt. Der HNO-Facharzt rät: „Wer sich dennoch wegen einer möglichen Ansteckung sorgt, sollte vorher in der Praxis anrufen. Erkrankungen müssen auch in der jetzigen schwierigen Phase zeitnah behandelt werden.“

Finanzielle Einbußen: Mitarbeiter in Kurzarbeit

Der drastische Patientenrückgang in den ambulanten Arztpraxen hat bereits jetzt deutliche wirtschaftliche Auswirkungen. Der HNO-Facharzt berichtet, dass für Praxismitarbeiter zunehmend Kurzarbeit beantragt worden sei und die finanzielle Situation einzelner Arztpraxen bei einem Andauern der Situation sich dramatisch zuspitzen werde: „Das Risiko ist hoch, dass Arztpraxen nach der Epidemie nicht mehr zur Verfügung stehen und den Ärztemangel verschärfen.“

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