Gibt es in Hanau genug bezahlbaren Wohnraum? Darüber gibt es verschiedene Ansichten. Archivfoto: Häsler

Hanau

So angespannt ist der Wohnungsmarkt in Hanau

Hanau. Steigende Mieten machen vielen Menschen im Rhein-Main-Gebiet zu schaffen. Das zeigte vor einiger Zeit auch die Beteiligung an den Demos in Frankfurt, bei denen Tausende dem Aufruf des Aktionsbündnisses "Mietenwahnsinn Hessen" gefolgt waren.

Von Christian Dauber

Dem Bündnis gehört auch der „Runde Tisch für menschenwürdiges und bezahlbares Wohnen Hanau“ an. Die Mietaktivisten beklagen, auch in Hanau gebe es zu wenig sozialen Wohnraum. Die Stadt selbst sieht sich hingegen gut aufgestellt.

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Was kritisieren die Mietaktivisten?„Durch Spekulation und nicht immer sachgerechte Sanierungen nehmen Verdrängung und soziale Ausgrenzung immer mehr zu“, beanstandet die Gruppierung in einer Mitteilung. In Hanau gebe es gegenwärtig weniger als2000 Sozialwohnungen; 14 500 Haushalte hätten aber einen Anspruch auf solch eine Wohnung, bilanzieren die Mietaktivisten. Für immer mehr Menschen werde das Wohnen in Hanau zu einem Luxusgut.

In den Jahren des Stadtumbaus seien in Hanau etwa 4500 neue Wohnungen gebaut worden. „Keine einzige davon war eine Wohnung mit Sozialbindung. Der Hanauer Magistrat und die Stadtverordneten wollen keine armen Menschen in Hanau haben. Dies sagen sie immer wieder offen und sorgen durch den Bau von Eigentumswohnungen und Reihenhäusern dafür, dass Menschen mit wenig Geld sich anderswo nach Wohnraum umsehen müssen“, so der Runde Tisch weiter. Auch die Hanauer Baugesellschaft beteilige sich nach Kräften an der „Verdrängungsoffensive“, indem sie ihre Mieten Zug um Zug erhöhe und damit das gesamte Mietniveau in Hanau nach oben schraube. Jüngstes Beispiel seien die Sanierung und Nachverdichtung in der Otto-Wels-Straße.

Dort solle die Kaltmiete künftig 9,80 Euro betragen. Die Baugesellschaft halte diesen Mietpreis für günstig – für die Mietaktivisten ein „Schlag ins Gesicht“.

Was sagt die Baugesellschaft zur Kritik?„Die falsche Darstellung der Mietpreise ist unseriös und reine Panikmache auf dem Rücken der Mieter, die man dadurch nur unnötig verunsichert,“ sagt Baugesellschafts-Geschäftsführer Jens Gottwald. Es handele sich „einmal mehr um aus dem Zusammenhang gerissene Darstellungen und falsche Behauptungen“. Richtig sei, dass die Bestandsmieter der Otto-Wels-Straße derzeit im Durchschnitt 5,50 Euro pro Quadratmeter zahlten. Nach der Sanierung werde die Miete der Bestandsmieter auf 7,60 Euro pro Quadratmeter erhöht.

Die neu errichteten Wohnungen im Dachgeschoss der Bestandswohnungen würden für 8,50 Euro pro Quadratmeter vermietet. Bei der Bewertung dieser Mieterhöhung müsse aber berücksichtigt werden, „dass mit der Sanierung nicht nur eine Steigerung der Wohnqualität, sondern auch eine energetische Ertüchtigung einhergeht, die zu seiner spürbaren Verringerung der Betriebskosten führt“. In der Gesamtbetrachtung würden die Mieter nicht höher belastet. 9,80 Euro pro Quadratmeter sei der Mietpreis für die barrierefreien Neubauwohnungen, die in der Otto-Wels-Straße entstehen. Dies sei mit Blick auf vergleichbare Neubaupreise „in der Tat ein günstiger Preis“, so Gottwald.

Was fordern die Mietaktivisten?Der Runde Tisch fordert, die Versorgung mit menschenwürdigem Wohnraum dürfe nicht dem Markt überlassen werden, denn dort gelte das Prinzip der Profitmaximierung. Deshalb müsse als Alternative zur renditeorientierten Wohnungswirtschaft eine neue Wohnungsgemeinnützigkeit eingeführt werden. „Der soziale Wohnungsbau muss deutlich ausgebaut und in Hanau endlich wieder begonnen werden“, schreiben die Mietaktivisten. Die Sozialbindung von Wohnungen solle nicht mehr auslaufen. Zudem dürften Baugrundstücke in öffentlicher Hand nicht mehr privatisiert werden. Bundesweit sei ein Mietstopp vonnöten, fordert der Runde Tisch.

Was sagt der Mieterbund dazu?Für den Vorsitzenden des Hanauer Mieterbundes, Hans-Egon Heinz sind Menschen mit geringem Einkommen oder in prekären Lebenslagen „auf dem Wohnungsmarkt chancenlos.“ Es fehlten in Hessen zirka 500 000 Wohnungen. Bereits jetzt suchen zirka 50 000 Menschen Sozialwohnungen, während 2017 hessenweit nur 582 Wohnungen genehmigt worden seien. Die Investoren hätten nur „Rendite, Rendite, Rendite“ im Kopf. Das Profitinteresse dieser „Miethaie“ dürfe nicht die Politik bestimmen. Aus diesen Grunde, so Heinz laut Mitteilung, sei ein radikaler Kurswechsel in der Wohnungspolitik überfällig.

Wie beurteilt die Stadt Hanau die Situation?Magistratspressesprecherin Güzin Langner erklärt auf HA-Nachfrage dazu allgemein: „Fakt ist, dass es derzeit im gesamten Rhein-Main-Gebiet einen enormen Nachfragedruck in allen Segmenten Wohnen gibt, davon ist Hanau nicht ausgenommen. Das einzige logische Gegenmittel kann nur die Schaffung von Wohnraum sein. Das tun wir im Rahmen unserer Möglichkeiten, wo immer sich die Gelegenheit dazu bietet, auch unter der Prämisse, dass jede neu in Hanau entstehende Wohnung Bewegung in den Wohnungsmarkt bringt.“

Hanau sei es mit einer Vielzahl an Projekten trotz enormem Bevölkerungszuwachses gelungen, hessenweit sowohl bei den Mietsteigerungen als auch bei der Miethöhe unter dem Durchschnitt der vergleichbaren hessischen Städte zu bleiben, teilt Langner mit. Auf dem in Entwicklung befindlichen Pioneer-Areal in Wolfgang ermögliche man durch die Preisgestaltung auf Triangle Housing „gerade Menschen mit durchschnittlichem Einkommen den Zugang zu Wohneigentum im Rahmen einer finanziellen Belastung, die teilweise unter den marktüblichen Mietpreisen liegt“.

Wie viele Sozialwohnungen gibt es in Hanau? Und genügen diese, um den Bedarf zu decken?Laut Stadt gibt es Stand Dezember 2017 rund 2115 öffentlich geförderte Wohnungen. Zum Ende des Jahres werden insgesamt 182 Wohneinheiten aus der Bindung der öffentlichen Förderung auslaufen. 2019 werde es noch 1933 Wohneinheiten geben. In der Jahresstatistik zum 1. November seien 1229 wohnungssuchende Haushalte zu erwarten. Rund 130 Sozialwohnungen werden laut Stadt jährlich vermittelt, mit stark abnehmender Tendenz. Es bleibe festzustellen, dass „für eine wirksame Wohnungsbauförderung mit Mietniveaus, die noch vom KCA bei Hartz IV-Bezug anerkannt würden, bei Neubauwohnungen pro Durchschnittswohnung zirka 25 000 Euro für eine zehnjährige Mietpreisbindung zugezahlt werden müssten“. Das sei kommunal nicht zu schultern. „Hier sind Bund und Land aufgerufen, zeitgemäße Förderprogramme aufzulegen“, teilt Stadtsprecherin Langner mit.

Wie hoch sind die Mieten für Sozialwohnungen?Laut Stadt bewegen sich die Mieten aller gebundenen öffentlich geförderten Wohnungen in Hanau im Durchschnitt zwischen 5,50 und 6,90 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Der durchschnittliche Kalt-Mietpreis bei öffentlich geförderten Wohnungen in Händen der Baugesellschaft Hanau liege bei 4,88 Euro pro Quadratmeter.

Der günstigste Mietpreis der Baugesellschaft Hanau liege bei 3,11 Euro pro Quadratmeter und der teuerste derzeit bei 6,35 pro Quadratmeter. Die Stadt Hanau sieht sich damit gut aufgestellt. „Vergleicht man Hanau zum Beispiel mit Frankfurt, wo die Angebotsmieten zirka 40 Prozent über dem Hanauer Niveau liegen, wird schnell deutlich, dass selbst ungeförderte neue Wohnungen in Hanau preiswerter sind, als neu gebaute Sozialwohnungen in Frankfurt. Und das, obwohl es aus der Innenstadt Frankfurts in den Westen Hanaus genauso weit ist, wie in den westlichsten Frankfurter Stadtteil“, erklärt Langner. Daraus resultiere „ein nicht unerheblicher Druck Frankfurter 'Abwanderer' in den Hanauer Wohnungsmarkt. Solange dies der Fall sei, werde der Hanauer Wohnungsmarkt angespannt bleiben.

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