Netze auswerfen und Fragen beantworten: Praxis und Theorie standen bei der Fischermeisterprüfung auf der Tagesordnung. Foto: Holger Hackendahl

Hanau

Angehende Fischer-Meister haben Prüfung in Steinheim bestanden

Steinheim. Das Auswerfen des Wurfgarns war der visuelle Höhepunkt der jüngsten Fischermeisterprüfung auf dem Main. Seit dem Wochenende hat die 1425 gegründete Steinheimer Fischerzunft zwei Fischermeister mehr in ihren Reihen.

Von Holger HackendahlBei ihrer Meisterprüfung auf dem Zunftgelände am Nachenhafen unterhalb des Uniper-Kraftwerks Staudinger bestanden die Fischergesellen Jakob David Adam (17 Jahre) und Florian Adam (18) sowohl die theoretische als auch die praktischen Prüfungen der traditionsreichen Fischerzunft mit Bravuor.

„Ihr habt die Prüfung mit der Note 'sehr gut' bestanden. Wir sind stolz auf euch“, hieß es vom dreiköpfigen Prüfungsausschuss. Der bestand aus dem Zunftvorsitzenden Hermann Adam, Michael Adam und Olaf Adam. „Beide haben die Prüfung mit sehr guten Leistungen bestanden. Der Fortbestand unserer traditionsreichen Fischerzunft ist gesichert“, freut sich Michael Adam, stellvertretender Vorsitzender der fast 600 Jahre alten Steinheimer Fischerzunft.

Mehrere Prüfungsteile

Mit den zwei neuen Fischermeistern, den ihre Ernennung und ihren Meisterbrief bei der Jahrestagsversammlung am 2. Advent überreicht werden, hat die Steinheimer Fischerzunft nun 45 Meister in ihren Reihen.

„Die Prüfung ist Voraussetzung, das erblich verbriefte Recht auf die Fischerei ausüben zu können. Auch gibt es einen mündlichen Prüfungsteil, in dem die Prüflinge zu Rechtsverordnungen und rechtlichen Grundlagen der Fischerei befragt werden“, erläutert Michael Adam. Visueller Höhepunkt für die Fischerzunftfamilien war jedoch die praktische Prüfung mit dem Auswerfen des Wurfgarns durch Jakob und Florian Adam. „Zur praktischen Prüfung gehört das Werfen eines 15 bis 20 Quadratmeter großen Wurfgarns von einem Fischernachen auf dem Main aus“, erläutern die Mitglieder des Prüfungsausschuss.

Schlachten auch auf dem Prüfplan

Am Wurfgarn-Netz, das wassergetränkt bis zu 40 Kilogramm wiegen kann, sind an der Unterseite 230 Bleigewichte à 30 Gramm angebracht, mitunter sogar bis zu 300. Vom Fischernachen aus erfordert der Wurf von den Prüflingen Konzentration, Kraft, Geschicklichkeit und einen festen Stand auf dem wackeligen Nachen. Kaum ist das Wurfgarn im Wasser, sinkt es auf den Grund und somit über die Fische. „Zum Fischen gehört aber auch das Netzeinholen – damit möglichst viele Fische im Netzsack verbleiben.“

Nach dreimaligem Auswerfen des Wurfgarns am Staudinger-Kühlwasserauslauf war der Prüfungsausschuss vom Können der Prüflinge überzeugt. Abschließend stand das waidgerechte Schlachten eines Aals und das küchenfertige Vorbereiten an, erläutert der Fischerzunft-Vorsitzende Hermann Adam, der wie Olaf Adam und Michael Adam zum dreiköpfigen Prüfungsausschuss gehört.

Neu-Meister treten ein Erbe an

Eröffnet wurde der Prüfungstag mit der theoretischen Prüfung, in dem die Jugendlichen zehn Fragen zur Fischerzunft-Historie, zur Satzung, den Fang- und Fischarten im Main sowie zu Natur- und Tierschutz beantworten müssen. Der Schwerpunkt der Meisterprüfung lag jedoch auf der Praxis. Im ersten praktischen Prüfungsteil müssen die Löcher eines Wurfgarn geflickt werden.

Hierzu benutzen Florian – Enkel von Zunftmeister Hermann Adam – sowie Jakob David, Sohn von Vize-Zunftmeister Michael Adam, eine hölzerne Stricknadel mit „Schiffchen“, auf dem das Nylongarn aufgewickelt ist. Nach jeweils zehn Minuten sind die Löcher gestopft, die Maschen des Wurfgarn sind wieder komplett – der Prüfungsausschuss bescheinigt eine „Top-Leistung“.

Freude über die bestandene Prüfung

Groß gefeiert werden soll das in sechs Jahren anstehende 600-jährige Bestehen der Steinheimer Fischerzunft. Mit den Planungen hat man bereits begonnen. „Wir wollen hierfür extra wieder einen Holznachen bauen lassen“, erläutert Olaf Adam. Über das Aufrechterhalten der Zunfttradition freut sich auch Engelbert Adam, Großvater von Neu-Meister Jakob Adam, der bis 1992 die im Volksmund bekannte Steinheimer Metzgerei „Fischpann“ betrieb.

„Der Name kam daher, weil in der Metzgerei meines Vaters nach dem Ersten Weltkrieg frisch gefangene Mainfische wie Rotaugen in einer Pfanne gebraten wurden“, erinnert sich der rüstige Senior, der sich mit den beiden neuen Fischermeistern Jakob David Adam und Florian Adam über das Bestehen der Prüfung freute.

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