Eigentlich sollte auf dem ehemaligen Toom-Areal schon im Frühjahr 2019 gebaut werden. Foto: Holger Hackendahl

Steinheim

Altes Toom-Areal verkommt zu Schandfleck - Häuser geplant

Steinheim. Wenn auf dem ehemaligen Toom-Gelände in Steinheim die Bagger anrücken, ist das in zweierlei Hinsicht bemerkenswert:

Von Christian Spindler

Zum einen wird die seit fast drei Jahren leer stehende Supermarkt-Ruine in prominenter Lage endlich abgerissen. Und zum anderen werden dort dann Häuser in einer ungewöhnlichen und neuen Modulbauweise errichtet.

Dass die alten Toom- beziehungsweise Rewe-Gebäude zwischen Karl-Kirstein-Straße und B45 immer mehr zu einem zu einem Schandfleck verkommen sind, räumt man auch bei der Lechner Group (Frankfurt) ein, die dort ein neues Wohnquartier bauen will. Der für Frühjahr 2019 anvisierte Baustart musste indes verschoben werden. Das, so wurde bei der jüngsten Sitzung des Steinheimer Ortsbeirats deutlich, ist dem komplexen baurechtlichen Verfahren geschuldet. Zwar war dieses bereits 2015 eingeleitet worden.

Weitere Gutachten erforderlich

Nach der Offenlage waren aber weitere Gutachten erforderlich. Ein Knackpunkt: der Lärmschutz. „Das war hier ein schwieriges Thema“, sagt Architekt Lars Klimaschewski. Es wurde bewältigt. An der B45 soll nun eine sechs Meter hohe Lärmschutzwand hochgezogen werden, „bei großer Schonung des Baumbestandes“, heißt es. Zudem werden Dachterrassen oder Schlafräume in den oberen Etagen der Neubauten so angeordnet, dass sie von der viel befahrenen Bundesstraße abgewandt sind.

Zunächst aber müssen die maroden Gebäude abgerissen werden. Dort sind längst alle Scheiben zerdeppert, Wände sind beschmiert, es gab in der Vergangenheit gar einen Brand und an einer Gebäude-Seite hat sich mittlerweile ein regelrechter See gebildet.

Wenn die Stadtverordnetenversammlung wie geplant in ihrer März-Sitzung den Bebauungsplan beschließt, so Thomas Dittmann vom Stadtplanungsamt, sollen bis spätestens Mai die Abrissbagger anrollen, sagt Irina Germanus, die bei der Lechner Group für das Steinheim-Projekt zuständig ist. Die Abbrucharbeiten sollen drei Monate dauern, es folgen Lärmschutz- und Erschließungsmaßnahmen. Dabei muss unter anderem das abschüssige Gelände zum Teil durch Aufschüttungen ausgeglichen werden. Der eigentliche Hausbau im ersten Abschnitt könnte im März 2021 starten.

Reihen- und Doppelhäuser errichtet

Zunächst will man auf dem 200 000 Quadratmeter großen Gelände 31 Reihen- und 20 Doppelhäuser errichten, die sich um einem 820 Quadratmeter großen, begrünten Quartiersplatz gruppieren.

Das Besondere: Die Häuser entstehen in einem speziellen Modulbau-Verfahren, das von einem der Unternehmen der Lechner Group entwickelt wurde. Dabei werden im Werk sogenannte Raumzellen vorgefertigt – und zwar inklusive aller Leitungen, Böden, ja sogar der Sanitäreinrichtungen für die Bäder.

Die Raumzellen werden mit Großtransportern zur Baustelle transportiert und dort mittels eines Schwerlastkrans zusammengesetzt. In einem Zeitraffer-Video der Lechner Group ist zu sehen, wie beispielsweise ein mehrgeschossiges Gebäude mit zehn Wohnungen in nur drei Tagen zusammengestellt wird. Dann freilich folgen unter anderem noch Anschluss- und Verputzarbeiten.

"Im mittleren Preissegment“

Die Reihen- und Doppelhäuser (Wohnfläche 130 bis 135 Quadratmeter) sollen laut Irina Germanus „im mittleren Preissegment“ liegen. Auf Nachfrage aus dem Ortsbeirat wurde ein Preis ab 500 000 Euro genannt.

In dem Baugebiet werden außerdem im Anschluss in zwei bis zu vierstöckigen Gebäuden an der Karl-Kirstein-Straße 47 Geschosswohnungen errichtet; allerdings wegen der Grundstück- und Geländegegebenheiten nicht in Modul-, sondern in herkömmlicher Bauweise. Neben einer dortigen Tiefgarage mit rund 70 Stellplätzen gehören zu dem neuen Wohnquartier Stellplätze an den Häusern beziehungsweise in Garagen sowie zusätzlich etwa 30 ebenerdige Parkplätze.

Und: Das Wohnquartier soll über ein eigenes Blockheizkraftwerk mit Nahwärme versorgt werden. Wer es betreiben wird, steht aber noch nicht fest. Die Gesamtbauzeit auf dem alten Toom-Gelände wird mit fünf Jahren angegeben.

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