Sie werben mit einem prominenten Gastredner für ihr Anliegen: Margret Härtel, Oberbürgermeisterin a.D. (Zweite von links) kündigt gemeinsam mit Wolfgang Zöller, Geschäftsführer der Kathinka-Platzhoff-Stiftung, sowie Christina Hehn-Reis (rechts) und Monika Heinz vom Malteser-Hilfsdienst eine Veranstaltung mit Ex-Bundesminister Franz Müntefering an. Mit der Diskussion über das Thema Demenz rückt das Team die Ausbildung zum Demenzlotsen in den Fokus. Foto: Ulrike Pongratz

Hanau

Altern mit Demenz: Podiumsdiskussion am 18. November

Hanau. „Man muss laut trommeln“, sagt Margret Härtel im Pressegespräch, „wenn man Aufmerksamkeit erreichen will.“ Gemeinsam mit Christina Hehn-Reis, Wolfgang Zöller von der Kathinka-Platzhoff-Stiftung und Monika Heinz vom Malteser Hilfsdienst hat die Oberbürgermeisterin a.D. die große Pauke hervorgeholt.

Von Ulrike Pongratz

Um die Gesellschaft für das Thema Demenz zu sensibilisieren, laden die Projektverantwortlichen am Montag, 18. November, zur Podiumsdiskussion ins Brockenhaus ein.

Margret Härtel, die seit Anfang des Jahres als Patin das Projekt der Malteser-Demenzlotsen unterstützt, ist es gelungen, Franz Müntefering als Ehrengast nach Hanau zu holen. Der Vorsitzende der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisation) und Bundesminister a.D. wird nicht nur einen Impulsvortrag halten, sondern auch auf dem Podium mit Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky, mit Dr. Claudia Weiland, Neurologin am Klinikum Hanau und Margret Härtel unter anderem darüber diskutieren, wie Städte „demenzfreundlicher“ werden, damit erkrankte Menschen möglichst lange am öffentlichen Leben teilhaben können. Journalist und Fernsehmoderator Philipp Engel wird die Veranstaltung moderieren. Um 19 Uhr wird Dr. Jürgen Heraeus, Vorstandsvorsitzender der Kathinka-Platzhoff-Stiftung, die Gäste begrüßen.

Demenz ist ein schwieriges Thema

Das Thema Demenz ist ein schwieriges Thema, das eine alternde Gesellschaft in Zukunft noch stärker beschäftigen wird, als dies aktuell der Fall ist. Noch ist das Thema nicht angekommen, noch wird zu wenig darüber gesprochen. Und die meisten Menschen wissen wenig über Demenzerkrankungen. Auch dies ist eine Ursache dafür, dass viele Menschen oft hilflos einem Verhalten gegenüberstehen, das von der Norm abweicht.

Sie können es nicht einordnen und wissen nicht, wie sie richtig reagieren können. Zurzeit geht man davon aus, dass 1,7 Millionen Personen deutschlandweit und rund 117 000 in Hessen von unterschiedlichen Formen der Demenz betroffen sind. „Die Erkrankung kann das Verhalten oder das Gedächtnis betreffen“, erläutert Monika Heinz, Referentin Demenzdienste und Pflegeberatung. „Sie können sich das so vorstellen, dass im Bücherregal des Lebens zuerst das letzte Buch verloren geht.“

Heinz schildert Beispiele aus dem Alltag, Menschen beim Einkauf, die an der Kasse plötzlich nicht mehr bezahlen oder ihre Sachen falsch packen. Sie erzählt von einer älteren Dame, die bei Rot über die Straße ging, offensichtlich hilflos. Zunehmend haben Mitarbeiter in Geschäften und Behörden, in Firmenfilialen mit Kundenverkehr oder bei der Stadtpolizei es mit Menschen zu tun, deren ungewöhnliches Verhalten womöglich auf einer Erkrankung basiert.

Damit Berufstätige, die viel mit Kunden zu tun haben, hierfür einen Blick entwickeln und angemessen reagieren können, will das Projekt „Malteser Demenzlotsen“ Mitarbeiter schulen. Margret Härtel, die nach der eintägigen Fortbildung selbst eine Demenzlotsin ist, zeigt sich von dem praxisnahen und sehr anschaulichen Angebot überzeugt. Seit fünf Jahren bildet der Malteser Hilfsdienst an elf Standorten in Hessen Demenzlotsen aus, bis zum Ende des Jahres werden es 300 sein, davon allein in der Brüder-Grimm-Stadt 90 Lotsen. 

Schulung zum Demenzlotsen

Behörden und Unternehmen, die ihre Mitarbeiter als Demenzlotsen schulen, können mit einem Etikett werben. Kursteilnehmer lernten beispielsweise, genau auf Symptome zu achten. Sie übten Kommunikationstechniken, etwa Menschen ruhig und mit Zuwendung anzusprechen, um diese aus der aktuellen Stresssituation herauszuholen und zu beruhigen. „Denn Stress ist Gift“, so Heinz.

„Wir bleiben mit den Demenzlotsen weiterhin im Gespräch, veranstalten Netzwerktreffen und bilden weiterhin fort“, so Monika Heinz weiter. Malteser und Kathinka-Platzhoff-Stiftung, die in Hanau als Partner kooperieren, sehen die Demenzlotsen als wichtige Multiplikatoren, um auf das Thema Demenz nachhaltig aufmerksam zu machen. Das Projekt könne nur ein Baustein von vielen sein, macht Wolfgang Zöller deutlich. 

Die umtriebige Margret Härtel kann sich in diesem partnerschaftlichen Bereich durchaus das nächste Projekt vorstellen. Jetzt aber trommelt sie für die öffentliche Veranstaltung am 18. November. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung erforderlich.

Altern in Würde – auch mit Demenz: Montag, 18. November, 19 Uhr, im Brockenhaus Hanau, Lamboystraße 52, Hanau. Anmeldung an info@kp-stiftung.de oder telefonisch über die Nummer 0 61 81 /9 19 39 40. 

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