Seit im Jahr 2015 der Pachtvertrag mit dem damaligen Gastronom gekündigt wurde, befindet sich das historische Jagdhaus samt Nebengebäude an der Alten Fasanerie in Klein-Auheim im Dornröschenschlaf. Das soll sich jetzt ändern. Foto: Paul

KleinAuheim

Alte Fasanerie: Jagdhaus soll für 1,5 Millionen saniert werden

Klein-Auheim. Der Dornröschenschlaf ist bald vorbei: Das Jagdhaus an der Alten Fasanerie soll für 1,5 Millionen Euro saniert werden. Eine Gastronomie mit Biergarten ist derweil für 2019 geplant.

Von Kerstin Biehl

Wer sich in Hanau delikate Wildgerichte schmecken lassen wollte, war bis vor drei Jahren gut beraten, das Jagdhaus an der Alten Fasanerie in Klein-Auheim aufzusuchen. Vor allem aber war das dort beheimatete Restaurant samt Biergarten ein Anziehungspunkt für Wildparkbesucher. 2015 war es damit vorbei. Seitdem steht das Gebäude leer.

Hungrige Wildparkbesucher müssen sich seitdem mit mehreren Imbissständen im Park begnügen. Das 300 Jahre alte Jagdschloss liegt im Dornröschenschlaf. Die Zusammenarbeit mit dem Pächter der Erdgeschossgaststätte wurde im Herbst 2015 vom Landesbetrieb Hessen-Forst aufgekündigt.

Stand der DingeWir haben uns bei Hessen-Forst nach dem aktuellen Stand der Dinge erkundigt. „Ziel des Landesbetriebs war und ist es, weiterhin eine Gaststätte in dem denkmalgeschützten Gebäude für die Besucher des Wildparks anzubieten“, heißt es seitens der Landesbetriebsleitung in Kassel, wo wir vom Sachbereichsleiter für Liegenschaftsmanagement, Michael Geiger, Auskunft erhalten haben.

„Beim Auszug des Pächters mussten schwere Bauschäden festgestellt werden. Deshalb wurde zunächst ein Schadengutachten zum Zustand der Holzkonstruktion eingeholt“, informiert Geiger. Die darin vorgeschlagenen Sofortmaßnahmen zur Erhaltung der Bausubstanz seien 2016 umgesetzt worden.

KostenfrageIm Anschluss wurde ein vertiefendes baufachliches Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses Gutachten bestätigte die Bauschäden. Gleichzeitig habe sich der Landesbetrieb Hessen Forst über die Voraussetzungen eines wirtschaftlich erfolgreichen Betriebs einer Gaststätte beraten lassen. Eine Besichtigung mit Fachleuten des hessischen Denkmalschutzes im Mai 2017 habe schließlich die Erkenntnis gebracht, ein weiteres baufachliches Gutachten einzuholen.

Eine erste Schätzung der Sanierungskosten sei von einem siebenstelligen Betrag ausgegangen. Im genaueren, jüngsten Gutachten werden Kosten für Haupt- und Nebengebäude in Höhe von zirka vier Millionen Euro genannt.

Geiger: „Eine Investition in dieser Höhe ist wirtschaftlich nicht zu vertreten. Deshalb müssen die Baumaßnahmen auf die Erhaltung der historischen Bausubstanz des Haupt- und des Nebengebäudes beschränkt werden.“

Suche nach PächternDarüber hinaus soll, wie bisher auch, im Erdgeschoss eine Gaststätte eingerichtet werden. Ferner soll auf dem Außengelände, ebenfalls wie bisher auch, ein Biergarten betrieben werden. Die Kosten für die Umsetzung werden auf 1,5 Millionen Euro geschätzt. Da der Landesbetrieb Hessen-Forst die Gaststätte nicht selbst betreiben wird, seien geeignete Pächter zu suchen, sagt Geiger.

Das Obergeschoss will der Landesbetrieb Hessen-Forst für betriebliche Zwecke des Forstamts und des Wildparks nutzen.

Mit den Baumaßnahmen soll noch in diesem Jahr begonnen werden. „Ziel ist es, im Sommer 2019 wieder eine Gaststätte anbieten zu können“, umreißt Geiger die Planungen. Das Restaurant soll in erster Linie den Bedarf der Besucher des Wildparks decken. Deshalb werde ein Betrieb angestrebt, der als „gutbürgerlich“ bezeichnet werden könne. „Letztendlich hängt aber das gastronomische Konzept von den Pächtern ab“, so Geiger.

Die Geschichte des Jagdhauses

Es war im Jahr 1710 als der Mainzer Erzbischof Lothar Franz von Schönborn in der „Unteren Fasanerie“ das Jagdhaus mit ‧einer 38 Hektar umfassenden Fasanerie errichten ließ. Damals war das Gelände noch mit Holzpfählen umgeben, ‧später wurde die heutige Fasaneriemauer ‧gebaut. 1746 wurde die Fasanerie im heutigen, oberen Bereich angelegt. Die Eingangstür des pittoresken Jagdhauses wird von einem Hirschkopf geschmückt, über der ‧Richtung Osten blickenden Tür hängt bis heute das Wappen von Lothar Franz von Schönborn. Im zweistöckigen Walmdachgebäude hatte einst der ‧Fasaneriemeister sein Zuhause. 

Der Wildpark

Der Wildpark Alte Fasanerie liegt im Stadtteil Klein-Auheim. Auf dem 107 Hektar großen Areal leben rund 350 Tiere aus gut 40 mittel- und nordeuropäischen Tierarten. Der Park zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen in der Region. Jährlich kommen über 200 000 Besucher. Eigentümer des Wildparks ist seit 1945 das Land Hessen, den Betrieb des 1967 eröffneten Wildparks hat die Hessische Landesforstverwaltung übernommen, heute wird er vom Forstamt Hanau-Wolfgang betrieben. Die Umwandlung in einen Wildpark erfolgte 1967. 

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