ADFC-Sprecher Ulrich Klee erläutert den Sinn und Zweck des provisorisch angelegten Radschutzstreifens.

Hanau

Aktion des ADFC: Auf zwei Rädern sicherer durch Kesselstadt

Hanau. Ein ungewöhnliches Szenario bot sich für Auto- und Radfahrer am Samstag vormittag stadteinwärts auf der Philippsruher Allee.

Von Thomas Seifert

Für eineinhalb Stunden hatte die ADFC-Ortsgruppe einen von der Stadtpolizei abgesicherten geschützten Radstreifen im Bereich zwischen Kinzigbrücke und Ampelanlage an der Kreuzung mit der Konrad-Adenauer-Straße angelegt.

Aktion "Mehr Platz fürs Rad" des ADFC

„Wir wollen mit der Aktion "Mehr Platz fürs Rad" darauf aufmerksam machen, welche Möglichkeiten es gibt, den Radverkehr sicherer zu machen und die Radler nicht zu zwingen, verbotenerweise auf Gehwege auszuweichen“, betonte der Sprecher des Allgemeinen Deutschen Radfahrclubs (ADFC), Ulrich Klee, vor Ort. Dieser Abschnitt böte sich als Demonstrationsfeld besonders an, denn die Fahrbahn habe eine Überbreite.

Zudem sei der stadteinwärts führende kombinierte Fuß-/Radweg sehr schmal, mehrere schlecht einsehbare Einfahrten seien zusätzliche Gefahrenquellen. Auf dem Radstreifen stehende Straßenlaternen und der Engpass an der alten Brücke machten diese Strecke zusätzliche für Radfahrer unattraktiv.

Engpass an der alten Brücke

„Auf den Engpass an der alten Brücke sind wir mehrfach angesprochen worden. Er ist offensichtlich – zusammen mit dem breiteren Radstreifen auf dem stadtauswärts angelegten kombinierten Fuß-/Radweg – auch einer der Gründe, weshalb viele Fahrradfahrer von Kesselstadt und der Weststadt kommend diese falschen Weg in die Innenstadt wählen“, berichtete Ulrich Klee.

Abgesichert von einem Streifenwagen der Stadtpolizei mit eingeschaltetem Blaulicht, legten einige ADFC-Mitglieder von 11 Uhr an einen geschützten Radstreifen an, der mit einem auf der Fahrbahn verlegten Band, mehreren weiß-roten Pollern und auf einem Teilstück mit einer blauen Matte deutlich gekennzeichnet war.

ADFC legte geschützten Radstreifen an

Der geschützte Radstreifen endete auf der Hälfte der Abbiegespur in Richtung Konrad-Adenauer-Straße, sodass es auch zu keinem nennenswerten Rückstau auf der Philippsruher Allee kam.

Außerdem hatten die ADFC-Mitglieder Flaggenaufsteller an der Strecke platziert, um Fußgänger, Radler und Autofahrer über die Aktion zu informieren. Der geschützte Radstreifen hatte eine Breite von rund drei Metern, für beide Fahrspuren seien jeweils gut sieben Meter übrig geblieben, betonten die ADFC-Aktiven.

Einige Autofahrer meckerten

Die Aktion kam bei einigen wenigen Motoristen nicht besonders gut an, beispielhaft der Kommentar eines Autofahrers: „Es gibt doch schon genug Radwege, was soll das hier?“ Ein vorbeikommender Radfahrer berichtete, dass er schon oft von Autofahrern, die auf Radstreifen geparkt hatten, als „Oberlehrer“ verunglimpft worden sei, nachdem er diese auf ihren Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung angesprochen hatte.

„Da muss man sich schon das eine oder andere anhören. Da sollten die Ordnungsbehörden viel rigoroser durchgreifen. Die geplanten 70 Euro Strafe sind meiner Meinung nach noch zu gering, um abschreckende Wirkung zu haben“, betonte der Mann im Gespräch mit den ADFC-Mitgliedern.

Radfahren in Hanau nicht sehr attraktiv

Freundlich wurden die vorbeikommenden Radlern von Ulrich Klee und seinen Mitstreitern auf den geschützten Radstreifen umgeleitet und einige bremsten erst einmal ab, hielten an und ließen sich die Aktion erklären.

Beim Erfahrungsaustausch kam immer wieder zur Sprache, das Radfahren in Hanau nicht besonders attraktiv sei, weil vielerorts ausreichend breite und gut ausgebaute Radwege fehlen würden oder die auf Fahrbahnen markierten Radstreifen von Autofahrern ignoriert würden.

Das deckt sich auch mit den Ergebnissen des Fahrradklimatests des ADFC aus dem Jahr 2018, bei dem Hanau nur mit der Schulnote 4,1 abgeschnitten hat und lediglich auf Rang 69 (von 109) in der Kategorie Städte mit 50 000 bis 100 000 Einwohnern gelandet war.

„Auch aus diesem Grund wollten wir zeigen, was machbar ist, wenn die Stadtverantwortlichen sich des Themas Radinfrastruktur engagiert annehmen“, so Ulrich Klee.

Aktion kam bei Radfahrern gut an

Der ADFC-Sprecher war insgesamt mit der rund eineinhalbstündigen Aktion zufrieden: „Die Demonstrationsstrecke ist bei den Radfahrern sehr gut angekommen. Wir haben einige Gespräche zu dem Thema geführt. Zahlreiche Radler sind am Samstag in den Genuss gekommen, einen kurzen geschützten Radstreifen ausprobieren zu können.

Allerdings gab es auch zwei ältere Damen, die den Schutzstreifen nicht benutzen wollten, weil ihnen die Nähe zu den Autos suspekt war“, fasste Klee die Aktion zusammen. Besuch bekamen die ADFC-Mitglieder von einem Studenten, der sich in seiner Magisterarbeit mit geschützten Radstreifen wissenschaftlich beschäftigt und Fotos für seine Arbeit machte.

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