"Rüpelparker"-Brennpunkt: Der ADFC stoppte mit seiner Protestaktion am Samstagvormittag und mitten im Einkaufsverkehr den Autoverkehr rund um den Kanaltorplatz. Foto. Rainer Habermann

Hanau

Aktion des ADFC gegen Falschparker legt Verkehr lahm

Hanau. Dem ADFC reicht es mit zugeparkten Radwegen und Bürgersteigen, wegen denen Radfahrer ausweichen oder absteigen müssen. Die Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Main-Kinzig haben nun mit einer ungewöhnlichen Aktion auf die Missstände auf den Hanauer Radwegen aufmerksam gemacht.

Von Rainer Habermann

Gerade der Kanaltorplatz, kurz vor dem Kreisel am Hanauer Westbahnhof und mit der Postbank (frühere Hauptpost) auf der einen, Büros und Läden auf der anderen Straßenseite, ist ein solcher Brennpunkt. Dort startete der ADFC am Samstagvormittag und mitten im Einkaufsverkehr seinen Protest, der dreimal für eine Minute den Autoverkehr rund um den Platz lahmlegte.

Aktion als Demonstration angemeldet

Völlig legal und mit Polizeischutz, da die Aktion als Demonstration angemeldet war. ADFC-Mitglieder, aber auch Stadtverordnete und ehrenamtliche Magistratsmitglieder sowie zahlreiche weitere Bürger traten in Warnwesten und mit Transparenten mitten auf die Fahrbahn, um zu zeigen: „Was ginge noch, wenn wir genauso rücksichtslos wären wie ihr?“

Die Transparente und handgemachten Protestschilder zeigten Aufschriften wie „Rüpelparker“, „Ich zuerst!“, das wohl schlagendste Motto des Egoismus und der Respektlosigkeit im Straßenverkehr, oder „Rücksicht: Was ist das?“.

Dauerparker auf Kurzzeitparkplätzen

Der Zwei-Meter-Mann Ulrich Klee, Vorsitzender der Main-Kinzig-Sektion des bundesweiten ADFC, ragte wie ein Fels über den Protestschildern. „Gerade hier am Kanaltorplatz wird der gnadenlose Egoismus vieler Autofahrer besonders deutlich“, meinte er. „Die Kurzzeitparkplätze, die hier auf beiden Straßenseiten reichlich bestehen, sind meist von Dauerparkern belegt.

Dann halten Autos, mit Warnblinkanlage oder ohne, einfach davor. Auf dem Gehweg und dem Fahrradstreifen, der jetzt sogar knallrot hervorgehoben ist. Kontrollen finden nach unserer Meinung viel zu selten statt. Und was haben diese 'Parkrüpel' schon groß zu befürchten?“ Klee lässt die Frage offen im Raum stehen.

Autofahrer oft uneinsichtig

Und tatsächlich: Während nur einer Viertelstunde am Samstagvormittag konnten wir zwei Autofahrer beobachten, die selbst die große Polizeipräsenz am Kanaltorplatz anscheinend nicht störte. Einer parkte „kurz“ auf dem Fahrradstreifen, und trotz der recht freundlichen Ermahnung eines Polizisten fuhr er nur maulend wieder weg. „Ich hab doch gar nichts gemacht, ich wollte nur schnell zum Bankautomaten“, war aus der offenen Seitenscheibe zu hören.

Bei einem anderen konnten sich die Protestorganisatoren nur fragen: „Ist dem Mann überhaupt noch zu helfen?“ Der fuhr nämlich am Stau, der sich während des – wohlgemerkt einminütigen – Blockierens der Fahrbahn durch die Demonstranten gebildet hatte, auf der linken Spur in Richtung Marktplatz vorbei an der Schlange und stoppte dann, als er sah, dass auch die Ampelkreuzung dahinter Rot zeigte, einfach entgegen der Fahrtrichtung links, mitten auf dem Bürgersteig. Hier war selbst der Polizist sprachlos.

Fahrradwege deutlich gekennzeichnet

Die Parksituation an der ehemaligen Hauptpost ist allerdings seit Jahrzehnten prekär. Auch als die Post noch Post war und Radfahrer völlig ungeschützt im Autoverkehr „mitschwimmen“ mussten, wurde hier extrem wild geparkt. Jetzt hatte die Stadt kürzlich die durch Begrenzungsstreifen eher notdürftig als sachgerecht abgeteilten Fahrradwege in deutlichem, leuchtendem Rot gefärbt und weiße Fahrradsymbole eingezeichnet.

Doch selbst das stört manchen Autofahrer offensichtlich nicht. Radfahrer werden geschnitten, behindert, zur Seite gedrängt; nicht nur durch dort parkende, sondern auch durch Pkw-Fahrer, die die Kurve an der Ampelanlage Herrnstraße offenbar mit der Nordschleife des Nürburgrings verwechseln. Und was das Parken anbelangt: Keine 50 Meter vom Kanaltorplatz entfernt warten Hunderte von Parkplätzen und zwei mehrgeschossige Parkhäuser mit Personenaufzügen: am Gloria-Palais und am Postcarré. Dessen Vorderfront bildet übrigens die Postbank.

Nur für Nicht-Hanauer gilt dieser Hinweis, Einheimische wissen das nämlich ganz genau. Aber etliche Autofahrer scheinen offenbar „zu faul“ oder zu sehr „in Eile“ zu sein, um noch ein paar Schritte zu laufen. Nebenbei: auf beiden Seiten des Kanaltorplatzes stehen Verkehrsschilder, die außerhalb der eingezeichneten Pkw-Parkplätze ein absolutes Halteverbot ausweisen.

Stadtrat spricht von Fehlplanung

Der ehrenamtliche Hanauer Stadtrat Heinz Münch hat seine eigenen Ideen zur Verkehrssituation am Kanaltorplatz. „Die Verlegung des Radwegs hinter parkende Autos war von Anfang an eine Fehlplanung“, sagt das Magistratsmitglied der CDU. „Die Radwege müssen auf beiden Seiten von den Fahrzeugen zweimal gekreuzt werden: beim Ein- wie beim Ausparken, hier zudem noch mit Blick in den Rückspiegel.

Radfahrer haben diese Gefahren früh erkannt und fahren deshalb oft nicht auf den Fahrradstreifen, sondern auf den Gehwegen. Das erzeugt wiederum Gefährdungen für die Fußgänger, wie ich selbst kürzlich schmerzlich erfahren musste.“ Bleibt zu fragen, warum es diese Situation, die offenbar für alle Beteiligten unbefriedigend ist, Rad- und Autofahrer wie Fußgänger, in Stein gemeißelt und rot angestrichen gibt?

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