Suchten auf dem Marktplatz das Gespräch mit den Bürgern: Tabinda Ghaffar und ihre Mitstreiterinnen von der Frauenorganisation „Lajna Imaillah“ der Ahmadiyya Muslim Jamaat-Gemeinde. Foto: Reinhard Paul

Hanau

Ahmadiyyah-Gemeinde klärt über den Islam und das Kopftuch auf

Hanau – Tabinda Ghaffar ist Deutsche und Muslima. Seit ihrem dritten Lebensjahr lebt die 32-Jährige, die in Pakistan geboren ist, in Schlüchtern. Am Samstag stand sie mit vier weiteren Frauen auf dem Hanauer Marktplatz und suchte das Gespräch mit Passanten.

Von Jutta Degen-Peters

„Wir wollen vor allem mit dem Vorurteil aufräumen, dass wir das Kopftuch tragen müssen“, sagt die angehende Juristin. „Ich trage es aus Überzeugung und nur aus Liebe zu meinem Gott“, erklärt sie denen, die sie danach fragen.

Ghaffar und ihre Mitstreiterinnen haben sich an diesem verregneten Samstag zwischen die frisch eröffnete Eisbahn und das Historische Rathaus auf dem Marktplatz gestellt, weil sie es wichtig finden, sich als Gesprächspartnerinnen anzubieten. Viele Menschen wüssten gerne mehr über den Islam, trauten sich aber nicht nachzufragen.

Aus diesem Grund haben sich die Frauen der seit 2018 bestehenden Kampagne „Ich bin eine Muslima – Haben Sie Fragen?“ der Frauenorganisation „Lajna Imaillah“ der Ahmadiyya Muslim Jamaat-Gemeinde Deutschland angeschlossen. Sie wollen aufklären und mit Vorurteilen und Klischees aufräumen. Vor allem aber wollen die Frauen einen Beitrag leisten zum gesellschaftlichen Frieden in Deutschland, sagen sie.

„Ich bin stolz, dass ich hier leben darf“

„Hanau ist der 30. Standort, an dem wir mit unserer Kampagne vertreten sind“, erklärt Zubaria Ahmad aus Frankfurt, die als Beauftragte der Gemeinde die Aktion koordiniert, gegenüber unserer Zeitung. Viele Deutsche seien überzeugt, muslimische Frauen trügen das Kopftuch aus politischer Überzeugung oder weil sie gezwungen würden.

„Den Menschen fehlen häufig Informationen, sie wollen uns nichts Böses“, ist sie sicher. „Wir studieren und arbeiten hier, und wir leisten einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft“, erklärt Ahmad. Die meisten von ihnen besäßen die deutsche Staatsbürgerschaft, und sie alle seien loyale Bürgerinnen. „Ich bin stolz, dass ich hier leben darf“, sagt Ahmad, die in Kassel Wirtschaftswissenschaften studiert hat. Auch das wird an diesem verregneten Samstag mancher mit Erstaunen gehört haben, wie es schien.

Interesse und Verständnis für Kampagne ausbaufähig

Tabinda Ghaffar jedenfalls zeigte sich mit dem Erfolg der Veranstaltung trotz verhaltenen Interesses zufrieden. „Wir hätten uns natürlich mehr Gesprächspartner gewünscht“, sagt sie. Aber bei dem kalten und ungemütlichen Wetter dürfe man nicht mehr erwarten. In den vier Stunden, in denen die Frauen am Stand vertreten waren, hätten immerhin fast 50 Menschen bei ihnen vorbeigeschaut.

Wieso trägt man Kopfttuch? Was ist der Islam überhaupt? Wieso verbietet der Islam Frauen das Autofahren? – die Palette der Fragen sei sehr bunt gemischt gewesen. Ghaffar räumt ein, dass sich das Interesse und das Verständnis für die Kampagne bei anderen islamischen Gemeinden in Grenzen halte.

Von vielen muslimischen Gemeinden wird Ahmadiyyah nicht anerkannt. Die in Pakistan beheimatete muslimische Gemeinde werde von vielen anderen muslimischen Männern diskriminiert, erklärt Ahmad. Aber muslimische Frauen anderer Glaubensgemeinschaft reagierten oft aufgeschlossen.

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