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Steinheim

Ärger wegen Lärmbelästigung auf dem Altmain schlägt Wellen

Steinheim. „Interessenkonflikt“ nennt man das, was sich derzeit auf dem Altmainarm bei Steinheim abspielt. Auf einem Bojenparcours – seit Sommer 2018 auch auf die Wasserfläche im hinteren Bereich des Altarm ausgedehnt – trainieren Kinder und Jugendliche für ihre hessen- und bundesweiten Meisterschaften im Schlauchboot-Slalom.

Von Holger Hackendahl

Dort sind sie sehr erfolgreich, holen Medaille um Medaille. Angler wollen am Altmainarm ihrem Hobby nachgehen und fühlen sich bei deren Training durch anhaltenden Motorenlärm belästigt.

Ein Angler will gesehen haben, dass mit einem Boot Schwäne aus dem Parcours getrieben wurden. Anwohner aus der nahen Illertstraße beschweren sich über den Lärm der Außenborder – und das nicht erst seit diesem Jahr.

Gleichzeitig leben unter Naturschutz stehende Biber und Eisvögel im Altmainarm. Wasservögel haben durch den im Gegensatz zu den Vorjahren vergrößerten Bojenparcours weniger Rückzugsmöglichkeiten. Und bisweilen fließt aus einem städtischen Überlauf Regen vermischt mit Abwässern über den Hellenbach in das Naturidyll.

Angler hat über 100 Unterschriften gesammelt

Nun hat es ein Angler satt. Er hat eine bisher von weit mehr als 100 Menschen unterschriebene Unterschriftenaktion initiiert. Ziel: ein Kompromiss bei der Nutzung des Altmainarms. „Meine Freunde und ich gehen dort in unserer Freizeit unserem Hobby Angeln nach. Es stieß uns wieder einmal übel auf, als nach einer halben Stunde Ruhe am Wasser das Training für eine Schlauchbootmeisterschaft in fünf Meter Entfernung ablief.

Zwei Personen sind gefahren und zehn Angler konnten einpacken, obwohl wir alle vor den Bootsfahrern vor Ort waren“, schildert Matthias Kleber, Petri-Jünger aus Steinheim und Initiator der Unterschriftenaktion. „Das Training dauerte sieben Stunden, das geht an die Nerven. Wasservögel mit Nachwuchs sah man zu dieser Zeit gar nicht mehr. Wo bleibt da der Naturschutz?“, fragt Kleber.

Hanauer Bootsclub verweist auf wichtige Jugendarbeit

Edgar Rinke, Vorsitzender des Hanauer Bootsclubs, verteidigt die Motorbootfahrer: „Wir haben für das Schlauchbootslalom eine Genehmigung vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA). Wir machen aktive Jugendarbeit.

Die Kinder und Jugendlichen qualifizieren sich über die Stadt- für die Hessen- und deutschen Meisterschaften. Und sogar für die WM in der St. Petersburg.“ Die Übungseinheiten seien nur über einen begrenzten Zeitraum, man übe nur zwei bis drei Stunden an den Wochenendtagen. „Ohne unser Fahren würde der Steinheimer Altmainarm veralgen, die Motoren bringen Sauerstoff ins Wasser. Das wissen die Angler aber auch“, sagt Rinke.

Angler und Anwohner monieren Lärmbelästigung durch Motorboote

Angesprochen auf die Lärmbeschwerden der Anwohner sagt der Bootsclub-Vorsitzende: „Wir haben einen Ponton hinter einen Brückenpfeiler auf das Wasser gezogen, damit der Lärm sich im Bereich unter der Brücke in Grenzen hält. Es gab mal Messungen der Polizei, dass der Autobahnlärm weitaus lauter ist. Wir fahren mit sauberen Viertaktmotoren (sechs PS). Am Sonntag reinigen wir das dortige Mainufer – so wie in den letzten Jahren auch.“

„Hier in den Häusern sind wir es leid. Auf dem Parcours fahren die Bootsfahrer die Hindernisse rückwärts an, geben danach gleich wieder Vollgas nach vorne und nehmen auch keine Rücksicht auf Schwäne“, schildert Uli Stenger, Anwohner aus der Illertstraße. „Ich bin als Anwohner hingegangen und habe versucht, mit Müttern ins Gespräch zu kommen, doch keiner hatte Verständnis für uns Anwohner. Das Schlauchboot-Slalomfahren ist für uns eine echte Belästigung. Zwei Anwohner sind wegen des Lärms bereits ausgezogen“, sagt Stenger.

Nabu plädiert für Beschränkung der Nutzungsdauer

Und was sagen Naturschützer dazu? „Die naturschutzrechtlichen Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes sind einzuhalten. Wenn das WSA vorgeben würde, dass nur an bestimmten Tagen und Uhrzeiten gefahren werden darf, dann muss das auch eingehalten werden. Die Erlaubnis hierfür darf auch nur für außerhalb der Brutzeiten gelten“, sagt Norbert Weber, Vorsitzender des Nabu Steinheim.

„Beschränkt werden sollte das Befahren des Altmains für Trainingszwecke auf drei Stunden an bestimmten Tagen und Stunden. Es ist nicht im Sinne des Naturschutzes, wenn Vögel vertrieben werden. Es sollte aber nicht nur einmal, sondern mehrmals im Jahr auf die Einhaltung der naturschutzrechtlichen Vorgaben hingewiesen werden“, so Weber.

Amt prüft neue Genehmigung

Das Motorschlauchbootfahren ist als Veranstaltung ganztägig vom 23. Juni bis Ende September genehmigt, es muss jedes Jahr neu beantragt werden. „Es ist erst in diesem Jahr so, dass sich Angler über die Schlauchbootfahrer beschweren. Nun wollen wir uns anschauen, ob und wie wir dies wieder genehmigen“ sagt Marisa Schneider, Sachbereichsleiterin für Schifffahrt im WSA Aschaffenburg.

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