Hanau

Ärger um Wasserschaden: Museumscafé-Betreiber kündigt fristlos

Hanau. Nach einem Wasserschaden im August und Hinhalte-Taktik der Stadt hat Emanuel Schimmelpfennig die Nase voll. Der Betreiber hat den Mietvertrag für das Museumscafé mit der Stadt Hanau gekündigt. Wie es mit dem Café weitergeht, ist unklar.

Von Yvonne Backhaus-Arnold

Wer einen Besuch im Schloss Philippsruhe mit einem süßen Törtchen und einer Tasse Kaffee beschließen möchte, hat seit August schlechte Karten. „Das Museumscafé ist bis auf weiteres geschlossen.“ So steht es auf einem Zettel an der historischen Pforte. Mehr Informationen gibt es nicht. Nur den Kontakt zum Café Huttenhof in Steinheim.

Seit 2015 betrieb Schimmelpfennig das Café

Hier ist Emanuel Schimmelpfennig der Chef. Der Konditormeister, der neben dem Märchencafé am Hanauer Marktplatz und dem Café im Foyer des Comoedienhauses seit Februar 2015 auch das Museumscafé im ersten Stock von Schloss Philippsruhe betrieben hat, hat die Nase gestrichen voll.

Am Dienstag hat Schimmelpfennig seinen Mietvertrag fristlos gekündigt. Die Kündigung ging per Mail an Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Zudem wurde das Dokument per Brief an das Immobilien- und Baumanagement (IBM) der Stadt Hanau, Schimmelpfennigs direkten Ansprechpartner, geschickt.

Café war nicht unbedingt lukrativ

Das Café im Schloss hat Historie. 30 Jahre lang hat die Stadt Hanau es selbst betrieben, es war immer ein schwieriges, man könnte auch sagen, nicht unbedingt lukratives Geschäft. Als der städtische Kulturetat 2014 gekürzt wurde, fiel es dem Rotstift zum Opfer.

Im Januar 2015 dann die frohe Kunde: Das Museumscafé macht wieder auf. Zur Eröffnung Anfang Februar lud der Steinheimer Schimmelpfennig mehr als 150 Gäste zu Sekt und Konfekt ein. Die feierten den jungen Unternehmer, der fortan nicht nur Törtchen und Kuchen servierte, sondern auch kleinere Snacks und Mittagsquiches oder Panini. Café und Museum, so seinerzeit die Idee, sollten sich gegenseitig beflügeln.

Baulich blieb alles beim Alten, allerdings gab es eine neue Küche, die von einem Sponsor eingebaut wurde. Geöffnet war von Dienstag bis Freitag von 13 bis 17.30 Uhr und am Wochenende von 12 bis 17.30 Uhr. Schimmelpfennig war Mieter des Cafés, der Vertrag immer auf ein Jahr geschlossen.

Mitarbeiterin ließ Wasserhahn laufen

Im August gab es einen Wasserschaden in der Vorbereitungsküche. „Eine Mitarbeiterin“, erklärt der Konditormeister auf Nachfrage unserer Zeitung, „hatte versehentlich den falschen Wasserhahn aufgedreht.“ Das Wasser floss 20 bis 30 Minuten aus einem kleinen Schlauch heraus. Die Mitarbeiterin meldete den Schaden, das Café wurde geschlossen.

Nach dem ersten Schrecken und einer Öffnung des Fußbodens war schnell klar, dass – anders als befürchtet – nichts zerstört worden war. Die Stadt vermeldet Ende September, dass das Museumscafé „aufgrund von Renovierungsarbeiten leider bis Ende Oktober geschlossen ist“. Schimmelpfennig wartete auf die offizielle Meldung, wieder öffnen zu dürfen. Doch die kam nicht.

Stadt hält Betreiber hin und verbietet Wiedereröffnung

Stattdessen gab es mehrere Vor-Ort-Termine mit städtischen Mitarbeitern. Nicht die Spülmaschine und die Folgen des Wasserschadens wurden hier thematisiert, sondern Fragen rund um den Brandschutz, die Statik des Balkons oder die TÜV-Überprüfung eingesetzter Geräte – Schimmelpfennig kam sich veralbert vor. Er lieferte, was er liefern konnte. Öffnen durfte er trotzdem nicht wieder.

Jetzt reicht es Emanuel Schimmelpfennig. Nachdem eine erste von ihm gesetzte Frist am 22. November ohne eine Rückmeldung verstrichen war, reichte er am Dienstag die fristlose Kündigung ein. „Ich weiß“, sagt der Steinheimer, „dass meine Mitarbeiterin einen Fehler gemacht hat, aber die Art und Weise der Kommunikation und das hingehalten Werden, ist nicht korrekt.“ Schimmelpfennig betont gleichermaßen, dass er bisher eigentlich immer gute Erfahrungen mit der Stadt gemacht hat.

Schimmelpfennig fordert Rückerstattung der Miete

Ein Mitarbeiter hat bereits gekündigt, genauso wie die Aushilfen. Schimmelpfennig fordert zudem die Rückerstattung von vier Monatsmieten. In der E-Mail, die Schimmelpfennig an den OB geschrieben hat und die unserer Zeitung (wie der übrige Schriftverkehr) vorgelegt wurden, heißt es:

„Wenn es in Betracht gezogen wurde, den Betrieb des Museumscafés anderweitig zu vergeben, hätte man jederzeit mit mir sprechen können. Stattdessen haben mir Ihre Mitarbeiter so viele Steine in den Weg gelegt sowie eine höchst unangenehme Art und Weise der Kommunikation und des Umganges mit mir betrieben, bis ich mich gezwungen sehe selbst aufzugeben.“

Weiter heißt es wörtlich in dem Schreiben: „Sie können mir glauben, dass das Café keine Millionen abwirft, aber es hat mir immer viel Freude bereitet. Auch die verschiedenen Veranstaltungen oder die Touren mit der Märchenbahn (die leider jetzt nicht mehr stattfinden können), haben das Café immer mehr belebt.“

Geplante Events werden abgesagt

Alle Veranstaltungen und Events, die für den bevorstehenden Dezember terminiert waren, muss Schimmelpfennig stornieren. Die Rückmeldung der Stadt, die auf ihrer Homepage aktuell vermeldet „Das Museumscafé ist aufgrund technischer Schwierigkeiten bis auf Weiteres geschlossen“, fiel kurz aus. In der E-Mail heißt es: „Sehr geehrter Herr Schimmelpfennig, wir bestätigen Ihnen hiermit den Eingang der Kündigung per Mail.“

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