Die fächerartige Anordnung der Einfamilienhaus-Grundstücke gilt als ein Charakteristikum des Pioneer-Parks - macht aber offenbar auch Probleme bei der Grundstücksausnutzung. Luftbild: Axel Häsler

Hanau

Ärger auf Pioneer: Bauherren klagen über viel kleinere Baufläche

Wolfgang. Bei potenziellen privaten Bauherren auf dem Gelände des Pioneer-Parks rumort es gewaltig. Je nach Lesart ihrer Beschwerden fühlen sie sich von ihrem Grundstücksmakler getäuscht oder zumindest nicht ausreichend informiert. Der Streitpunkt: die maximal zulässige Bebauungsfläche auf den einzelnen Grundstücken.

Von Reinhold Schlitt

Die Vermarktung der in Rede stehenden Grundstücke erfolgt durch die LEG Hessen-Hanau GmbH. Im längst gültigen Bebauungsplan für das neue Wohngebiet sind Teile der betreffenden Grundstücke als private Grünflächen ausgewiesen. Wollen die Bauherren nun die Größe der Fläche ihres künftigen Hauses berechnen, müssen sie die Grünfläche von der gesamten Grundstücksfläche erst einmal abziehen. Dadurch verringert sich dann die tatsächlich zulässige Bebauungsfläche auf dem Gesamtgrundstück. In der Folge würden die Einfamilienhäuser dadurch erheblich kleiner ausfallen, als von ihren Bauherren gedacht.

Häuser viel kleiner als geplant

Ein HA-Leser, der nach eigenen Angaben davon betroffen ist, schreibt: „Viele Käufer müssen ihr Haus viel kleiner machen, als sie eigentlich geplant haben.“ In einer anderen Zuschrift heißt es: „Unser Grundstück ist 556 Quadratmeter groß und hat eine private Grünfläche von 180 Quadratmetern. (...) Wird die Grünfläche abgezogen, lässt sich nur ein ganz kleines Haus bauen.“ Ein weiterer, nach eigenen Angaben Betroffener rechnet vor, dass sein künftiges Haus nach dem jetzigen Bebauungsplan auf einem Baufenster (mögliche Bebauungsfläche) von gerade einmal 8,25 mal 15 Metern errichtet werden könnte.

Für die Planung der einzelnen Bauten gibt es im Baurecht ein kompliziertes Berechnungssystem, in dem auch festgelegt ist, in welchem Umfang ein Gebäude beziehungsweise seine einzelnen Geschosse, Terrassen, überragenden Balkone oder mit ihm verbundene Anlagen und so weiter in die Berechnung der zulässigen Fläche für die Grundstücksbebauung einfließen.

Grundstücke sind bereits finanziert

Die Materie scheint selbst für Fachleute so kompliziert zu sein, dass die Stadt Frankfurt für ihre Beschäftigten im Bauamt wegen „der Komplexität der Regelung und der verschiedenen Fassungen der Baunutzungsverordnung“ eigens eine Handreichung herausgegeben hat. In Architektenkreisen freilich heißt es, dass dort die entsprechenden Regelungen bekannt seien. Bei einigen Bauherren im Pioneer-Park aber offenbar nicht.

Soweit diese sich dem HANAUER ANZEIGER anvertraut haben, heißt es unisono, dass man die jetzt in Rede stehenden Probleme nicht voraussehen konnte. Einer schreibt: „Diverse Käufer stehen jetzt vor einem Grundstück, das unpassend ist, haben aber das Grundstück oder bereits sogar das Haus finanziert.“

Was wussten die Käufer - und was nicht?

Bleibt die Frage, was die Käufer vor einem Vertragsabschluss hätten wissen können oder sollen – und ob beim Kauf alle relevanten Informationen für einen Kaufvertrag bekannt waren. Stadtentwickler Martin Bieberle, er ist bei der Stadt Hanau zuständiger Fachbereichsleiter und zugleich Geschäftsführer der mit der Stadt Hanau gegründeten LEG Hessen-Hanau GmbH, bestätigt, dass es diese Kritik gibt.

Den Vorwurf einer unzureichenden Information der Käufer will er aber nicht stehen lassen: „Im Bebauungsplan sind bei den in Rede stehenden Grundstücken für Einfamilienhäuser die privaten Grünflächen ausgewiesen. Damit ist auch klar, dass diese weder in die Berechnung der Grundflächenzahl (ein Planungskriterium im Baurecht, Anm. d. Red.) einfließen noch für eine Bebauung genutzt werden können. Das sieht das Baurecht nun einmal so vor. Offenbar haben aber einzelne Grundstückskäufer diese Regelung nicht bedacht und fühlen sich darüber nicht ausreichend informiert.“

Stadt Hanau legt Wert auf Fächer-Struktur

Nach Bekanntwerden der Beschwerden habe der Vertriebspartner am 6. November alle Käufer und alle diejenigen, die ein Grundstück reserviert haben, über den Sachverhalt in Kenntnis gesetzt. Auf Nachfrage sagte Bieberle, man habe ausführliche Kaufberatungen vorgenommen, allerdings dürften diese „schon aus haftungsrechtlichen Gründen nicht mit einer baurechtlichen Beratung verwechselt werden“.

Tatsache sei aber auch, dass die Stadt Hanau von Anfang an großen Wert auf eine charakteristische städtebauliche Anlage gelegt habe. Bieberle: „Eines der prägenden Elemente des Pioneer-Parks ist nun einmal der unverwechselbare Fächer, der auch nach der Konversion der früher militärisch genutzten Fläche erhalten bleiben soll.“ Dafür habe man ebenso viel Zustimmung bekommen wie von zahlreichen Käufern, die sich auf ihrem Grundstück einen großen Grünanteil gewünscht hätten.

Aufgrund dieser Fächerstruktur würden sich unterschiedlich große Einfamilienhaus-Grundstücke ergeben, auf denen eine lockere Bebauung vorgesehen sei. Um ein möglichst einheitliches Straßenbild zu gewährleisten, solle die Bebauung jedoch möglichst einheitlich dimensioniert werden. Deshalb habe die Stadt Hanau sich auch für eine damit verbundene Zuordnung der privaten Grünflächen entschieden.

Planer und Architekten wussten laut Bieberle Bescheid

Bieberle konstatiert, dass es damit auch besonders bei größeren Grundstücken zu einer „verhältnismäßig geringeren Ausnutzung“ kommen kann. Alles das sei aber auch schon im frühen Entwurf des Pioneer-Parks enthalten und vor allem für Planer und Architekten ersichtlich gewesen. Die Verantwortlichen wollen aber eine einvernehmliche Lösung mit den Grundstückskäufern anstreben. Bieberle: „In enger Abstimmung mit der Stadt und den verantwortlichen Planern wird bereits an einer möglichen Lösung im Sinne der Käufer gearbeitet.“ Wie dies konkret aussehen könne, müsse in jedem einzelnen Fall beurteilt werden.

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