Die Langstraße soll künftig Fußgängerzone werden. Die ursprünglich geplante Einrichtung eines sogenannten Actibumps gegen Raser nimmt der Steuerzahler-Bund in seinem Schwarzbuch aufs Korn. Archivfoto: Christian Dauber

Hanau

Actibump-Aus: Hanau widerspricht dem Bund der Steuerzahler

Hanau. Den Verzicht der Stadt Hanau auf das sogenannte Actibump-System, mit dem in der Langstraße Auto-Poser und -Raser abgebremst werden sollten, schreibt sich der Bund der Steuerzahler Hessen (BdSt) auf die Fahnen. Die Stadt Hanau sieht das anders.

Von Andreas Ziegert und Christian DauberWie Autorin Eva Kugler auf www.schwarzbuch.de veröffentlichte, stellte das selbsternannte „Finanzgewissen der Bundesrepublik Deutschland“ sowohl Sinnhaftigkeit als auch Finanzierung des Systems in Frage und übersandte einen entsprechenden Fragenkatalog an die Stadtverwaltung. Von dort wurde im September eine Pressemitteilung veröffentlicht, laut der in der Langgasse anstatt des Tempodrosselungs-Systems nuneine Fußgängerzone eingerichtet werden soll.

Die Stadt Hanau erklärte gestern auf Nachfrage unserer Zeitung, die Kritik des BdSt sei nicht der Anlass gewesen, die Planungen zu ändern. „Diese Fußgängerzone wird demgemäß aus verkehrlichen Gründen und Gründen der Innenstadtentwicklung eingerichtet und definitiv nicht wegen der kritischen Anfrage des Bundes der Steuerzahler“, teilt Pressesprecher Joachim Haas-Feldmann mit.

Selbst eine Blitzeranlage für 100 000 Euro hätte wieder Geld eingebracht.

Das Actibump-System wurde von einer schwedischen Firma entwickelt, bei Geschwindigkeitsüberschreitungen, erfasst von einem Radargerät, senkt sich eine Stahlplatte mehrere Zentimeter ab und soll für ein unsanftes Poltern im Fahrzeug sorgen. Der Magistrat der Stadt Hanau hatte im Mai dieses Jahres für einen Praxistext in der Langstraße bereits 50 000 Euro bewilligt.

Nachdem die Pläne bekannt geworden waren, schaltete sich der Bund der Steuerzahler ein. „Die Kritik bezog sich nicht nur auf die Kosten, sondern auch auf die Sinnhaftigkeit. Eine Bodenschwelle hätte die Stadt nur 7000 Euro gekostet. Selbst eine Blitzeranlage für 100 000 Euro hätte über Bußgeldbescheide wieder Geld eingebracht. Bei beiden wäre das Kosten- Nutzen-Verhältnis wohl höher gewesen als beim neuen System. Angesichts zahlreicher baufälliger Straßen braucht es keine teuren künstlichen Schlaglöcher. Zumal äußerst fraglich ist, ob Raser allein durch das System tatsächlich zu einem angepassten Fahren erzogen werden können“, erklärt Kugler.

Noch keine Antwort auf die Rechtmäßigkeit

Ein Ortstermin in Hanau habe die Bedenken des Bundes der Steuerzahler bestätigt. Die betroffene Straße kreuze mehrere Fußgängerzonen, wobei die Querungen jedes Mal durch Erhebungen mit Kopfsteinpflaster erschwert werden könnten. Rasen sei dort fast unmöglich, dennoch entstehe Konfliktpotenzial mit Fußgängern. Den BdSt-Mitarbeitern sei sofort klar gewesen, dass eine Fußgängerzone die deutlich bessere Alternative wäre.

Im September teilte dann die Stadt Hanau in einer ‧Pressemitteilung mit, dass seitens des Regierungspräsidiums Darmstadt über die Rechtmäßigkeit des Actibump-Systems noch keine Antwort eingegangen sei und sich in der Zwischenzeit Fachleute darauf geeinigt hätten, die Langstraße zunächst testweise in eine Fußgängerzone umzuwandeln, um so dort die Aufenthalts- und Wohnqualität zu erhöhen.

Öffentliche Veranstaltung im Congress Park

Allerdings soll auch geprüft werden, ob sich das System an anderer Stelle in Hanau einsetzen lasse, was auch die Finanzhüter zur Kenntnis genommen haben. „Der Bund der Steuerzahler wird die Sache weiter kritisch beobachten, denn ganz vom Tisch ist der Traum vom künstlichen Schlagloch in Hanau offenbar noch nicht“, heißt es in dem Text von Eva Kogler.

Die Stadt Hanau bestreitet, dass der BdSt ihr gegenüber eine Fußgängerzone als Lösung angeführt habe. „Der Bund der Steuerzahler hat bei mehreren Anfragen zwar Schwellen und Radarkontrollen als Alternativen zu Actibump ins Spiel gebracht, aber nie eine Fußgängerzone“, betont Pressesprecher Joachim Haas-Feldmann.In einer öffentlichen Versammlung am Donnerstag, 31. Oktober, um 19 Uhr im Congress Park Hanau besteht Gelegenheit zu Gedanken- und Meinungsaustausch der unmittelbar betroffenen Anlieger in der Langstraße mit der städtischen Straßenverkehrsbehörde und dem Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS).

Das aktuelle Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler kann im Internet unter www.schwarzbuch.de kostenlos bestellt werden.

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