Wer hier nicht aufpasst, muss blechen: 30 Euro verlangt das private Parkwächter-Unternehmen am Postcarré, wenn Kunden vergessen haben, ihre Parkscheibe einzulegen, oder überziehen. (Foto: Paul)

Hanau

Abzocke auf Parkplatz am Postcarré: Teurer Süßhunger

Hanau/Maintal. Albert Koch ist stinksauer. Noch keine 20 Minuten schwelgte er beim kurzen Gang zum Café Schien am Postcarré in Hanau in der Vorfreude auf den Sonntagskaffee. Dann war ihm die Freude am Kuchen vergällt: An seinem Auto prangte der Strafzettel eines privaten Parkplatz-Überwachungsunternehmens.

Von Jutta Degen-Peters

30 Euro sollte sein Ausflug kosten.Der Rentner aus Dörnigheim war völlig konsterniert. Zwar hatte er auf dem Parkplatz hinter dem Postcarré geparkt, der – wie er weiß – privat im Auftrag der anliegenden Geschäfte und Gastronomiebetriebe bewirtschaftet wird. Doch war ja Sonntag. Ein Tag, an dem sämtliche Geschäfte geschlossen hatten. So konnte er sicher sein, dass er niemandem den Parkraum streitig machte.

Außerdem hatte er seinen Behinderten-Ausweis, den er wegen einer Gehbeeinträchtigung besitzt, gut sichtbar hinter die Windschutzscheibe gelegt. So einfach wollte sich Koch also nicht geschlagen geben. Im Unterstand, in dem die Einkaufswagen regengeschützt verstaut sind, erspähte er den Parkwächter und suchte das Gespräch mit ihm.

Koch ist kein Einzelfall

Dass 30 Euro für schlappe 20 Minuten Parkzeit eine Unverschämtheit seien, überzeugte den Mann aber ebenso wenig wie das Argument, dass für Koch mit seinem Behindertenausweis doch ein Auge zugedrückt werden könne.

Im Gespräch mit unserer Zeitung konnte Koch jedoch auch der Umstand nicht trösten, dass er kein Einzelfall ist. Nicht nur in Hanau gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Parkflächen, die von privaten Firmen bewirtschaftet werden. Am Postcarré, an der Bruchköbeler Landstraße, am Hauptbahnhof – überall werden Kunden, die sich auf die privaten Flächen stellen, mit „Knöllchen“ konfrontiert, bei denen „Parkverstöße“ mit saftigen Bußgeldern in Höhe von 30 Euro geahndet werden.

Einspruch einlegen bei unklarer Rechtslage

Da die Rechtslage oft nicht ganz eindeutig ist – bisweilen sind die Hinweisschilder auf den privaten Parkplätzen zu klein – empfiehlt sich, Einspruch einzulegen und im Internet nachzuschauen, welche Ratschläge Anwälte dort erteilen, oder einen Anwalt aufzusuchen.

Das private Parkwächter-Unternehmen mit Sitz in Stuttgart, Park und Control, ist telefonisch schwer zu erreichen. Bei unzähligen Versuchen ertönte das Besetzzeichen oder eine Ansage, dass sich derzeit alle Mitarbeiter im Gespräch befänden.

Wer Rat zum Thema Abzocke im Netz sucht, wird unter anderem hier fündig:

www.kanzlei-hollweck.de/ratgeber/parkplatzkontrolle/

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