Der größte Bembel der Welt mit einem Fassungsvermögen von 690 Litern und das größte Gerippte der Welt für immerhin 84 Liter „Stöffche“, sollen im Apfelwein-Museum zu sehen sein. Der Eintritt ins Museum wird kostenlos sein. Die Verbindung zwischen dem Genuss Laden von Kelterer Jörg Stier und dem Museum sollen lange Öffnungszeiten für das Museum ermöglichen und die Personalkosten für den Betreiber, den Verein ACH, gering halten. Archivfoto: Seifert

Hanau

Abstimmung über das erste Hanauer Apfelwein-Museum - HR dabei

Hanau. Es soll den Bürgern den Zugang zur Welt des Gerippten ermöglichen, den Ruf Hanaus als Apfelwein-Region verbreiten und gleichzeitig das Viertel am Heumarkt weiter aufwerten: das Apfelwein-Museum, das die Stadtverordnetenversammlung in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig auf den Weg brachten (wir berichteten).

Von Jutta Degen-Peters

Nicht nur Keltermeister Jörg Stier aus Bischofsheim, gleichzeitig Vorsitzender des Vereins Apfelwein Centrum Hessen, der mit seinem Verein das kleine Museum neben Stiers Genuss-Laden am Heumarkt betreiben wird, nahm an der Sitzung teil. Auch ein Filmteam des Hessischen Rundfunks filmte das bahnbrechende Ereignis.

Mit dem einstimmigen Beschluss, wonach die Stadt für den Umbau von an Stiers Laden angrenzenden Räumlichkeiten 15 000 Euro als Zuschuss und weitere 15 000 Euro als Ausfallbürgschaft gewährt (wir berichteten), überholt Hanau die Stadt Frankfurt, wie Oberbürgermeister Claus Kaminsky nicht ohne Freude verkündete. Während man dort schon lange über die Einrichtung eines solchen Museums diskutiere, mache die Brüder-Grimm- und, Steinheim sei dank, auch die Äppelwoi-Stadt Hanau nun Nägel mit Köpfen, betonte der OB.

Es soll bald losgehenDer Verein, so führte Stier gestern auf telefonische Nachfrage gegenüber unserer Zeitung aus, könne nun seine Planung vorantreiben. Die Trockenbauarbeiten würden demnächst vergeben. Dann könne der Umbau der rund 40 Quadratmeter großen Räume bald losgehen. Am liebsten wäre es ihm, das Museum, das aus einem Vorraum von rund zehn Quadratmetern und einem weiteren, 30 Quadratmeter großen Raum bestehen soll, noch vor Jahresende zu beziehen. Längere Zeit waren die Räumlichkeiten, in denen einst eine Wäscherei untergebracht war, ungenutzt. Sie werden dann vom Verein angemietet.

Die Zuschüsse von Stadt und Main-Kinzig-Kreis (Letzterer hat bereits 45 000 Euro auf das Vereinskonto überwiesen) sind nach den Worten des Keltermeisters für den Umbau vorgesehen. Für den Betrieb des kleinen Museums reichten sie nicht. Damit das Museum sich längerfristig trage, sei neben der Suche nach weiteren Sponsoren auch daran gedacht, die Räume für Veranstaltungen, etwa Lesungen, zu vermieten.

Sponsoren gesuchtZur Finanzierung der Betriebskosten suche der Verein noch weitere Sponsoren, erklärte Stier. Die Personalfrage werde er schultern, sagte der Keltermeister. Für ihn sei das Ganze erst einmal mit hohem Aufwand verbunden, versicherte er. Ob sich der Mehraufwand für ihn lohne, könne er nicht sagen. Zwar biete die Kombination zwischen Laden und Museum Vorteile, da das Museum dadurch lange geöffnet sein könne. Doch müsse er mit Sicherheit mit einer Doppelbesetzung arbeiten. Das wolle er auf sich nehmen. Schließlich sei das Werben für die Kultur des Apfelwein-Kelterns und das Stöffche für ihn ein Lebensthema.

Das außergewöhnliche Engagement Stiers und seines Vereins strich bei der Stadtverordnetensitzung auch der OB heraus. Wer die Stadt voranbringen, sich dergestalt ehrenamtlich engagiere und als Anpacker kreative Ideen entwickele, habe die Unterstützung der Stadt verdient. Hanau verspreche sich davon auch eine Aufwertung des Heumarktes.

Kamerateam des HR anwsendDass sich im Anschluss neben Dr. Volker Lill (FDP) mit Claudia Borowski (SPD) und Joachim Stamm (CDU) zwei „Eingeplackte“ für die Förderung des Museums aussprachen, war bezeichnend. Borowski bezeichnete das Museum als Geschenk für die Stadt, die das Heimatgefühl stärken werde. Die Pflege von Streuobstwiesen, auf denen die Apfelbäume gediehen, habe einen hohen Stellenwert für die Artenvielfalt. Stamm zeigte sich überzeugt, dass das Museum mit den Exponaten „größter Bembel Hessens“ und „größtes Geripptes Hessens“ für überregionale Aufmerksamkeit sorgen werde.

Überproportional groß war die Aufmerksamkeit schon allein dadurch, dass das Kamerateam des Hessischen Rundfunks im CPH anwesend war: Es hielt die Abstimmung in Hanau für die Ewigkeit auch im Bild fest.

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