Grund zur Freude: Gundula Hoffmann, Mechthild Sckell, Christine Scheuermann, Marie-Louise Sefzig-Klein und Petra Kiehl (von links) bei der Scheckübergabe. Foto: David Kirchgeßner

Hanau

5000 Euro Spende: Frauen-Service-Club unterstützt Kinderdorf

Hanau. Über eine Spende in Höhe von 5000 Euro zur Unterstützung des Gruppenangebots für Kinder und strittige Eltern „Kinder aus der Klemme“ darf sich das Albert-Schweitzer-Kinderdorf (ASK) in Hanau freuen.

Von David J. Kirchgeßner

Die Frauen des Inner Wheel Clubs Offenbach Hanau Maintal (IWC) hatten die stolze Summe durch den Verkauf von Selbstgebasteltem bei ihrem Adventsbasar im Deutschen Goldschmiedehaus eingesammelt.

Für Marie-Louise Sefzig-Klein, Präsidentin des hiesigen IWC-Distrikts, ist die Unterstützung des Programms eine Herzensangelegenheit. „Ich bin selbst als Anwältin im Familienrecht tätig und sehe, wie oft Kinder bei Trennungen leiden“, sagte sie bei der Übergabe des symbolischen Schecks am Dienstag.

"Kindern eine Stimme geben"

Streiten getrennt lebende Eltern heftig miteinander, geraten Kinder fast immer in seelische Not und aus dem Blick ihrer Eltern. Ziele des Gruppenangebotes sind daher, die Bedürfnisse der Kinder zurück in das Alltagsbewusstsein ihrer Eltern zu bringen und Streitigkeiten zu befrieden.

„Wir wollen dabei die Kommunikationsfähigkeit stärken, elterliche Konflikte deeskalieren und Kindern eine Stimme geben“, erklärt Mechthild Sckell, Leiterin der ASK-Familienberatungsstelle. Dabei soll es keinen erhobenen Zeigefinger geben. Stattdessen sollen sich die Eltern gegenseitig Hilfestellung geben. „Eltern lernen von Eltern“, so Sckell.

Die Folgen einer Hochstrittigkeit der Eltern können sich bei den betroffenen Kindern zumeist psychisch vielfältig äußern und bis in die nächste Generation ziehen. Daher ist es wichtig, die Kinder zu entlasten, sagt Sckell. „Die Kinder waren ja vorher schon Mediatoren. Im Programm sehen sie dann: Es kümmert sich jemand um die Eltern.“

Insgesamt wenden sich rund 950 Familien pro Jahr an die Beratungsstelle. Davon seien knapp die Hälfte Trennungs- oder Scheidungsfälle. Etwa fünf bis zehn Prozent der Trennungen enden der niederländischen Familientherapeutin Justine van Lawick zufolge hochstrittig. Aufgrund dieser Erfahrungen entwickelte sie das Programm „Kinder aus der Klemme“.

Vorreiterrolle deutschlandweit

Die Multifamilientherapie findet an zehn Terminen über einen Zeitraum von vier bis fünf Monaten statt. Pro Durchgang können sechs Familien teilnehmen. Eltern müssen dabei Interesse und Engagement zeigen, sich mit der strittigen Situation auseinanderzusetzen und sich mit anderen Betroffenen über Sichtweisen, Erfahrungen und Lösungen auszutauschen.

Mit der Einführung des Angebots vor zweieinhalb Jahren nahm das ASK deutschlandweit eine Vorreiterrolle ein, gemeinsam mit Einrichtungen in Bremerhaven und Leipzig. „Es ist innovativ und einzigartig, dass Elter und Kinder gemeinsam an einem solchen Programm teilnehmen“, sagt Einrichtungsleiterin Sckell. „Sonst findet oft nur eine Einzeltherapie statt.“

Doch diese Form der Multifamilientherapie erfordert besonders ausgebildetes Personal und ist daher kostenintensiv. Daher sind weitere Zuwendungen herzlich willkommen. Für den IWC Offenbach Hanau Maintal zumindest soll mit dieser Spende noch nicht Schluss sein. „Wir wollen weiter unterstützen“, sagte Präsidentin Sefzig-Klein.

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