René Bennert (links) und Dieter Schwetzler vom Kampfmittelräumdienst sind erfahrene Bombenentschärfer. Das Bild von der Bombe stammt von Schwetzler selbst. Foto: Kirchgeßner

Hanau

500-Kilo-Bombe vom Pioneer-Gelände geknackt

Hanau. Die amerikanische 500 Kilo-Weltkriegsbombe mit Bodenzünder wurde am Freitagmittag vom Kampfmittelräumdienst Hessen erfolgreich entschärft. Kurz vor 14 Uhr meldete das Team rund um Dieter Schwetzler nach knapp 50 Minuten voller Anspannung endlich Entwarnung.

Über den Bombenfund und die Evakuierung berichten Yvonne Backhaus-Arnold, Axel Häsler, Elfi Hofmann, Monica Bielesch, David Kirchgeßner, Reinhard Paul, Werner Kurz und Torsten Kleinerüschkamp

Bevor sie an ihr gefährliches Werk gingen, hatten sich die fünf Männer um Schwetzler, den Leiter des Kampfmittelräumdienstes beim Regierungspräsidium Darmstadt, noch mit Rindswürstchen im Brötchen gestärkt. Den ganzen Morgen hatten sie alles für die Entschärfung auf dem Gelände der ehemaligen Pionier-Kaserne vorbereitet. Dann mussten sie bis mittags warten.

Bis die Evakuierung rund um den Bombenfund-Ort abgeschlossen war und bis die Wasserstrahlschneide-Maschine in Hanau eintraf. In ganz Hessen gibt es nur eine solche Maschine und die war bei der Bombenentschärfung vorgestern in Limburg im Einsatz. Über Nacht musste diese Maschine gereinigt und anschließend nach Hanau gebracht werden.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky dankte nach ihrer erfolgreichen Arbeit den Entschärfern rund um Dieter Schwetzler und seinem Stellvertreter René Bennert für ihren Einsatz. Wenige Minuten später nachdem die Kampfmittelräumer Entwarnung gegeben hatten, wurden Straßen- und Schienenverkehr wieder frei gegeben.

Bombenfunde keine Überraschung

Bei einer kurzfristig vor der Entschärfung anberaumten Pressekonferenz direkt am Fundort, erklärte der OB, dass solche Bombenfunde nicht überraschend seien. Aber Hanau könne sich auf professionelle Einsatzkräfte verlassen. Die Lage werde dadurch erleichtert, dass sich die Bevölkerung fast ausnahmslos besonnen verhalten habe. Jede Bombe, die entschärft werde, sei „ein Stück Zivilisierung“.

Insgesamt waren bei dem Einsatz 120 Kräfte der Polizei im Einsatz, 105 der Hanauer Feuerwehren und 62 vom Betreuungs- und Sanitätszug des Main-Kinzig-Kreises. Von knapp 5600 Einwohnern im Umkreis von 1000 Metern mussten 500 ihre Wohnungen verlassen, als Polizeibeamte aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet und Hanauer Feuerwehrleute durch Wolfgang liefen, um sie zu evakuieren. In die Lindenauhalle als Sammelunterkunft ließen sich im Zuge der Evakuierung etwa 200 Menschen mit Bussen der Hanauer Straßenbahn bringen; die meisten von ihnen kamen aus der städtischen Flüchtlingsunterkunft auf dem Sportsfield-Gelände.

Viele Helfer

In der Halle half neben einem 20-köpfigen Team des Deutschen Roten Kreuzes auch die Firma Herbert Kämmerer undamp; Söhne aus dem Stadtteil Großauheim bei der Betreuung der wartenden Menschen mit. Deren Belegschaft hatte sich spontan entschlossen gratis Kaffee auszuschenken und die dafür nötigen Maschinen zur Verfügung zu stellen.

In Limburg hatte sich die Entschärfung am Tag zuvor ähnlich einfach gestaltet: Denn die ursprünglich angekündigte Sprengung des Zünders war überflüssig gewesen – er war kaputt. In Hanau wurde der Zünder zuerst entsichert und dann per Fernbedienung mit Hilfe einer Kamera herausgeschnitten. Entschärfer Schwetzler meinte, je länger die Bomben im Boden liegen, desto gefährlicher würden sie werden. In Hanau ist aber alles gut gegangen.

Das könnte Sie auch interessieren