Zusammen mit Jens Marso die Festlichkeiten organisiert: Dieter und Ursula Dürr im Kiosk der Rudi-Völler-Sportanlage. Die beiden betreiben ihn seit 2006.Foto: Lennard Nickel

Hanau

TSV 1860 Hanau - 125 Jahre Fußballabteilung

Hanau. Im Rahmen einer akademischen Feier zelebrierte die Fußballabteilung des TSV 1860 Hanau am vergangenen Freitag sein 125-jähriges Bestehen. Hinter einer solchen vor Tradition strotzenden Zahl stehen im Hier und Jetzt bei den 60ern vor allem drei überaus engagierte Fußballverrückte.

Von Lennart Nickel

Ursula Dürr, die zusammen mit Ehemann Dieter Dürr, dem 1. Vorsitzenden, den Kiosk an der Rudi-Völler-Sportanlage betreibt. Gemeinsam mit dem sportlichen Leiter und Jugendchef Jens Marso stehen sie aktuell wie keine anderen für die Fußballabteilung des TSV 1860 Hanaus.

Zeitlos dagegen ist der Ruhm, den der mit Abstand berühmteste 60er angehäuft hat. Die Rede ist natürlich von dem einzigartigen Rudi Völler, der mit acht Jahren beim TSV seine glanzvolle Karriere begann. Das Fußballtalent aus dem Stadtteil Lamboy-Tümpelgarten empfahl sich durch phänomenale Leistungen für die Jugend der Offenbacher Kickers, für die er ab 1976 spielte. Eine große Profi-Karriere folgte, deren Ausgang mit Weltmeistertitel als Spieler 1990 und Vize-Weltmeister als Trainer 2002 nicht nur in Hanau bekannt ist.

Rudi Völler hat hier Eindruck hinterlassen

Der TSV 1860 Hanau würde hier noch einen weiteren Meilenstein in Rudis Lebenslauf ergänzen: den 30. August 2002, als die Sportanlage am Philipp-August-Schleißner Weg 2a unter großem Applaus hunderter Fans in „Rudi-Völler-Sportanlage“ umgetauft wurde und der Namenspatron die Ehrenbürgerschaft der Stadt Hanau erhielt.

Im Jahr 2019 galt es nun, mit dem Jubiläum 125 Jahre Vereinsgeschichte zu würdigen. Die Feier, organisiert von den aktuell wichtigsten 60ern, Jens Marso und den Dürrs, konnte jedoch nicht von Rudi Völler verfolgt werden. Der Sohn der Stadt war bei der Feier leider nicht anwesend, erfuhr der Autor von Seiten des Vereins.

Wenige Helfer bei 1860

Somit verpasste er auch, aber nicht nur, die Laudatio von Ex-Vorstand Dieter Neidhardt, in der er den Wandel der Abteilung seit 1894 skizzierte und der auch auf der Feier deutlich wurde. Dabei benötigten die jungen Fußballer nur einen kleinen Schubs von Ursula Dürr und schlussendlich feierten die multikulturell-geprägte Mannschaft und die „alten Hasen“ des Vereins gemeinsam und ausgelassen zum traditionellen Sound von „1846 Hanau“ und „Sumser Ahoi“ das große Jubiläum.

Das mag vielleicht außergewöhnlich klingen, aber es handelt sich hier auch um die Mannschaft, die neu zusammengewürfelt in weniger als einer Rückrunde einen Zwölf-Punkte-Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz in der Kreisliga A aufholen konnte und somit mit Ach und Krach den Abstieg in die Bedeutungslosigkeit verhinderte. „Außergewöhnlich“ ist also Teil der Vereins-DNA bei den 60ern. Das betrifft nicht nur das Sportliche, sondern auch die strukturellen Umstände. Wo hinter einer Fußballmannschaft andernorts ein harter Kern von 15 bis 20 Verantwortlichen und Helfern steht, sind es bei 1860 leider nur so wenige, dass die besagten Drei hier einzeln vorgestellt werden können.

„Unser Herzblut hängt an dem Verein“

Oberbürgermeister Claus Kaminsky erfuhr die Leidenschaft, mit der das Ehepaar die Fußballabteilung führt, als ihm unmissverständlich klar gemacht wurde, dass er trotz schon angebrochenen Urlaubs doch bitte der Jubiläumsfeier beiwohnen solle. So würdigte er in seinem Grußwort selbstverständlich die Leistungen der Abteilung, doch wichtig war ihm, auf den Einsatz der Überredungskünstler hinzuweisen. „Das Ehepaar Dürr ist bis zur Selbstaufgabe im Verein involviert,“ analysierte er treffend.

„Unser Herzblut hängt an dem Verein“, betont Ursula Dürr. Das lässt sich nicht von der Hand weisen, schließlich verpassen die beiden 78-Jährigen (!) spätestens seit der Übernahme des Kiosks im Jahr 2006 sozusagen keine einzige Spielminute. Trainings, Spiele, Feiern – und das sowohl wenn die F-, die zwei E- und die D-Jugenden, als auch wenn die zwei Herren-Mannschaften aktiv sind – ohne die Dürrs geht nichts. Doch Lorbeeren einheimsen möchten sie nicht.

Langfristiges Ziel: Kreisoberliga

„Jens Marso hängt sich viel rein, wenn ich ihn nicht ge-habt hätte, hätte ich zum Beispiel das Jubiläum nicht stemmen können,“ sagt Dieter Dürr und fügt hinzu, dass die sportliche Rettung vor dem Abstieg von Vereinsseite her allein dem Sportlichen Leiter zu verdanken sei.

In die sportliche Zukunft gewandt sieht Jubiläums-Gast Thorsten Becker, Vize-Präsident des Hessischen Fußballverbandes, „Luft nach oben“. Dieter Dürr ist vorsichtig: „Die glorreichen Zeiten sind ellenlang her. Jetzt zu sagen wir seien Aufstiegsaspirant in der Kreisliga A – das will ich nicht.“ Langfristig sei dasZiel, irgendwann wieder in der Kreisoberliga zu spielen, aber der Schuh des fehlenden ehrenamtlichen Personals drückt aktuell stärker als dieser Wunsch.

„Und vergesst dabei nicht den Jens!“

„Es hängt hier an drei Leuten, so stellt man sich das in einem Verein nicht vor,“ so der Vorsitzende. Ehefrau Ursula Dürr pflichtet bei: „Ehrenamt ist das A und O, nicht nur bei uns fehlt es daran.“ Das Mindeste, was hier ge‧tan werden muss, und dies regt auch Oberbürgermeister Kaminsky in Richtung der Mannschaft an: „Klopfen Sie den Dürrs nach dem Training oder dem Spiel mal auf die Schulter, sagen Sie einfach mal 'Danke'!“ „Und vergesst dabei nicht den Jens!“, hätten die beiden sicherlich sofort hinterherrufen wollen.

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