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Kompromiss bei Thermo Fisher: 80 Stellen werden abgebaut

Langenselbold

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    Einer der größten Arbeitgeber der Gründaustadt: Thermo Fisher Scientific im Gewerbegebiet Am Nesselbusch. Foto: Rainer Habermann

Langenselbold. Im seit 21 Monaten laufenden Konflikt zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat der Selbolder Niederlassung des US-Technologieunternehmens Thermo Fisher scheint sich ein Kompromiss anzubahnen.

Artikel vom 15. Januar 2020 - 09:40

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Von Lars-Erik Gerth

Im Frühjahr 2018 teilte die Geschäftsführung des US-amerikanischen Technologieunternehmens Thermo Fisher mit, dass von den rund 700 Arbeitsplätzen am Standort in Langenselbold 100 abgebaut werden sollen.

Servicebereiche werden nach Schottland und Ungarn verlagert

Der Hintergrund ist, dass das weltweit tätigte Unternehmen die bisher in der 14 000-Einwohner-Stadt ansässigen Servicebereiche Finance und Customer Care an die Thermo-Standorte nach Paisley (Schottland) beziehungsweise Budapest (Ungarn) verlagern möchte.

Immer wieder betonte Elmar Rübsam, der Geschäftsführer des Selbolder Standorts, dass die Produktion davon nicht betroffen sei. Eine Garantieerklärung für den Erhalt der Dependance in Langenselbold wollte jedoch auch kein Vertreter der Thermo-Geschäftsführung abgeben. 

Betriebsrat und IG Metall machten bereits im Frühjahr 2018 gegen den geplanten Stellenabbau mit Demonstrationen und später Warnstreiks mobil. Parallel dazu gab es aber auch zahlreiche Gespräche zwischen Betriebsrat und Selbolder Thermo-Geschäftsleitung.

Sozialplan vereinbart

Nach 21 Monaten teilte nun am Dienstag Robert Weißenbrunner, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Hanau-Fulda, mit, dass Betriebsrat und Geschäftsführung einen Interessenausgleich sowie einen Sozialplan vereinbart haben.

„Der erzielte Kompromiss sieht zusammengefasst vor, dass von den ursprünglich geplanten 100 Arbeitsplätzen nunmehr noch 80 bis September 2020 am Standort Langenselbold abgebaut werden“, so der Gewerkschafter. Aufgrund bereits erfolgter Eigenkündigungen und dem Auslaufen von befristeten Arbeitsverträgen seien aktuell noch etwa 55 Beschäftigte von betriebsbedingten Kündigungen betroffen. 

Abfindungen für entlassene Mitarbeiter

Laut Weißenbrunner seien für die vom Arbeitsplatzabbau in Selbold betroffenen Thermo-Mitarbeiter „vom Betriebsrat umfangreiche Abfindungszahlungen durchgesetzt“ worden. Zur Sicherstellung der Umsetzung der Verlagerung der Arbeitsplätze seien darüber hinaus verschiedene Prämien vereinbart worden, „durch die sich die vereinbarte Sozialplanabfindung nochmal deutlich erhöhen kann“. 

Walter Heidenfelder, der Betriebsratsvorsitzende von Thermo Fisher in Selbold, erklärte dazu: „Mit dem erzielten Verhandlungsergebnis konnten wir den vom Unternehmen am Standort geplanten Stellenabbau deutlich reduzieren. Wir halten den Arbeitsplatzabbau weiterhin für unnötig und sehen durch die Verlagerung der Arbeitsplätze immer noch erhebliche Risiken für die Prozesssicherheit am Standort.“

IG zufrieden mit Ergebnis

Dennoch zeigte er sich auch zufrieden mit dem Ergebnis der Verhandlungen: „Wir haben im Rahmen der uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten für die betroffenen Beschäftigten überdurchschnittlich hohe Abfindungsregelungen erreichen können.“ Jedoch bedauere es der Betriebsrat, dass „keinerlei Garantien zur Standortsicherung durch den Konzern abgegeben wurden“.

Die IG Metall Hanau-Fulda hatte im Rahmen des Konflikts Sozialtarifforderungen aufgestellt, um „damit einen Beitrag zur Lösung der Auseinandersetzung zu leisten“. Der Arbeitgeber habe die Verhandlungen hierzu bis zum Schluss verweigert, kritisieren Heidenfelder und Weißenbrunner.

Konflikt könnte weitergehen

Noch ist der Konflikt aber nicht endgültig vom Tisch, wie IG-Metall-Chef Weißenbrunner andeutet: „Ob wir als IG Metall unsere Forderungen weiterverfolgen, haben die Gewerkschaftsmitglieder am Standort zu entscheiden. Hierzu wird im Laufe dieser Woche eine breite Diskussion unter den Mitgliedern am Standort geführt. Am kommenden Wochenende wird die betriebliche Tarifkommission das erzielte Verhandlungsergebnis bewerten und eine Empfehlung zur weiteren Vorgehensweise aussprechen, die dann gegenüber den IG Metall-Mitgliedern zur Abstimmung gestellt wird.“​



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