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Vor 30 Jahren kämpften AES-Schüler für einen Anbau

Maintal

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    Ehemaliger Schulleiter der Albert-Einstein-Schule und Landrat a. D.: Karl Eyerkaufer. Foto: Archiv

Maintal. Beim Blick zurück über wie im Flug vergangene Jahrzehnte, landet der Fokus der Redaktion auf dem 6. November 1989. Mieterhöhungen in Maintal und ein neuer Mietspiegel beschäftigten die Menschen damals.

Artikel vom 06. November 2019 - 12:12

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Von Christian Balke

 Außerdem hatte es ein Disput zwischen dem damaligen Landrat Karl Eyerkaufer und der Schülervertretung des Einstein-Gymnasiums auf die Titelseite geschafft: Leere Hände und ein volles Haus – so die wenig optimistische Lage der heute florierenden Schule in jenen bewegten Zeiten.

Auch die Ausgabe des Tagesanzeigers für Maintal wird damals gestreift vom Wind der Weltgeschichte, der in jenem schicksalhaftem Herbst über das Land pfiff und sich am 9. November zu einem Sturm verdichtete.

Bis in die 80er ein Oberstufengymnasium

Auf Seite zwei der Zeitung wird über die Demonstration von einer Million DDR-Bürgern in Berlin berichtet. Es wird berichtet, wie der letzte Staatsratsvorsitzende der kommunistischen Diktatur, Egon Krenz, weiter darauf bestand, dass die Mauer stehen bleibe – ohne eine Ahnung, dass das Symbol der deutschen Teilung binnen 48 Stunden dem Freiheitsdrang der eingesperrten DDR-Bürger weichen würde.

Um Mauern ging es damals auch am Albert-Einstein-Gymnasium in Maintal, wobei sich die Schülerinnen und Schüler der heute florierenden Lehranstalt aus anderen Gründen „eingesperrt“ fühlten. Die Schule, die bis Mitte der 1980er Jahre ein reines „Oberstufengymnasium“ war, lediglich mit den Klassen 11, 12 und 13, wurde zum Schuljahr 1988 wieder ein normales Gymnasium mit den Klassen fünf bis 13: „Das war nötig“, sagt heute der Schul-Chronist und ehemalige Einstein-Studienrat Klaus Buttlar, „der Tiefpunkt war erst 1996 mit einem Abitur-Jahrgang erreicht, dem nur 24 Schüler angehörten.“

Eyerkaufer musste verkünden, dass der Neubau unwahrscheinlich sei

Mit der Öffnung für alle Gymnasialklassen hatte damals ein schnelles Wachstum eingesetzt: „Da muss man Schulleiter Günter Boos danken, der dieses Amt bis 2001 innehatte, dass er die Schule in all den Jahren erfolgreich umgebaut hat.“

Vor dem Umbau gab es freilich Hürden: Schulleitung und Schüler des Einstein-Gymnasiums stritten 1989 für einen Gebäudeanbau. Pikant aus damaliger Sicht: Ausgerechnet ein Mann, der noch bis 1987 Schulleiter gewesen war, hatte den Eltern und Schülern damals, Anfang November 1989, schriftlich mitteilen müssen, dass ein Ausbau wegen leerer Landeskassen unwahrscheinlich sei.

„Waren wir nicht auch mal 17?“

Karl Eyerkaufer, der sich dann als SPD-Landrat mit „seinen“ ehemaligen Schülern und Eltern auseinandersetzen musste: „Die Argumentation der Landesregierung war, dass wir in den beiden Maintaler Gesamtschulen genug freie Räume haben“, erinnert sich Eyerkaufer im Gespräch mit der Redaktion sehr genau. Außerdem habe die angrenzende Grundschule „Villa Kunterbunt“ Raumkapazitäten gehabt: „Dann war es so, dass sich an der Grundschule eine Bürgerinitiative gründete“, sagt Eyerkaufer, „die dann den Gymnasiaten geraten hat, auch zu protestieren.“

Grundsätzlich sei er stolz gewesen und sei es auch heute noch, dass seine ehemaligen Schüler sich mit großem Eifer für den Ausbau ihrer Schule eingesetzt hätten: „Dazu wollte ich sie schließlich erziehen, zu mündigen Demokraten, die den Mund aufmachen. Ist geglückt.“ Freilich sei der ein oder andere auch übers Ziel hinausgeschossen: „Hand aufs Herz“, sagt Eyerkaufer, „waren wir nicht auch mal 17?“

 „Das war eine richtungsweisende Idee“

Obwohl sich Schule und Landrat damals scheinbar unversöhnlich begegnet seien, plaudert Eyerkaufer 30 Jahre später aus dem Nähkästchen, sei hinter den Kulissen immer ein gemeinsames Interesse vorhanden gewesen: „Der Landesregierung haben wir irgendwann bewiesen, dass es in den Gesamtschulen gar keine freien Räume gibt.“ In Bischofsheim in der Kästnerschule sei eine Privatschule untergekommen: „In Dörnigheim Sozialverbände und ein Kindergarten.“

Gemeinsam mit Priska Hinz – damals Stadträtin in Maintal –, Bürgermeister Walter Unger und seinem früheren Konrektor, dem neuen Schulleiter Günter Boos, sagt Eyerkaufer, habe man die Idee entwickelt, dass die Stadt Maintal selbst den Ausbau der Schule vorfinanzieren könne: „Das war eine richtungsweisende Idee“, sagt Eyerkaufer, „die maßgeblich zu Erfolgsgeschichte der Schule beigetragen hat, die ja bis heute fortgeschrieben wird.“

Eyerkaufer findet das Engagement der Schüler im Nachhinein gut

Außerdem sei es gut und richtig gewesen, die geäußerten Bedenken der Einstein-Schülerinnen und Schüler ernstzunehmen: „Im Nachhinein muss ich sagen, dass es damals sehr gut war, dass die jungen Leute so auf die Barrikaden gegangen sind“, sagt Eyerkaufer, „und auch heute wäre es häufig gut, wenn Politik und Verwaltung mehr auf den Bürgerwillen hören würden.“



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