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Mainfähre: Wer hat Schuld an der Havarie?

Maintal

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    Die Bergung der Fähre sorgte am Montag für Aufregung in Maintal. Archiv: Jan Max Gepperth

Maintal. Die Nachrichten um die Mühlheimer Fähre reißen nicht ab. Nachdem die MS Dörnigheim am Montag nach nicht einmal sechs Stunden Betrieb bereits verunglückte und geborgen werden musste, kommen nun neue Informationen und Vorwürfe ans Licht.

Artikel vom 09. Juli 2019 - 15:47

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Von Jan Max Gepperth

Am Montagvormittag traten bei der Fähre Probleme mit dem Führungsseil auf, was zu einem Großeinsatz der Rettungskräfte führte. Was genau geschehen ist, kann noch nicht einwandfrei geklärt werden. Manche Quellen sprechen davon, dass eines der Gierseile gerissen sei. Andere behaupten dieses sei erst im Nachhinein während der Bergung gekappt worden. 

Sandra-Kristin Klauß, Pressesprecherin des Landkreises Offenbach, möchte keinen Kommentar zu dem Ereignis abgeben. „Wir warten, bis das endgültige Ergebnis der Untersuchung vorliegt“, stellte sie klar.

Ehemaliger Fährmann erhebt Vorwürfe

Es dürfte nicht unerheblich sein, wieso es genau zu dem Unglück kam. Denn nun erhebt der Dörnigheimer Bernd Schwander schwere Vorwürfe gegen den neuen Betreiber Mahir Kolbüken. Schwander sagt, er sei von 1992 bis 2009 als Fährmann auf der MS Dörnigheim unterwegs gewesen und verfüge über einen einfachen Fährführerschein. Dieser sei nur für die Strecke zwischen Mühlheim und Dörnigheim gültig. 

Der 66-Jährige erklärt, dass er Kolbüken, den er im Januar zum ersten Mal getroffen habe, als Aushilfe im Fährbetrieb unterstützen sollte. „Einen Vertrag habe ich bis heute aber nicht unterschieben“, fügt Schwander hinzu. 

Schwander habe die Fähre befestigt und ausgeschaltet

Am Montag trafen sich Kolbüken, seine Mitarbeiter und Schwander an der Fähre, um den Betrieb aufzunehmen. „Ich habe dann das Gierseil ordnungsgemäß an der Fähre eingehängt“, erklärt er und ergänzt, dass dieses, seiner Meinung nach, in tadellosem Zustand gewesen sei. „Ich habe es danach sogar noch einmal überprüft.“ 

Bis 10 Uhr sei der Betrieb ganz normal von Statten gegangen. Dann habe er die MS Dörnigheim vorübergehend verlassen. Danach sei niemand mehr an Bord gewesen, sagt Schwander am Dienstagnachmittag im Gespräch mit der Redaktion, der über eine gültige Fahrerlaubnis verfügte: „Keiner von denen hat ein Patent. Daher durfte die Fähre in der Zeit, an der ich nicht an Bord war, nicht fahren.“ Er habe, sagt Schwander, die Fähre an Land angebunden und den Motor ausgeschaltet. Zudem habe er den Fährbetreiber Kolbüken und dessen Mitarbeiter noch einmal darauf hingewiesen, dass diese das Schiff nicht bewegen dürften. „Es hätte auch keinen Sinn gemacht. In zweieinhalb Stunden kann man das Schiff nicht so kennenlernen“, sagt Schwander, „da muss man mindestens einen Monat täglich auf der Fähre sein.“

Der Kreis sei nicht haftbar

Auf Anfrage erklärte Kreissprecherin Klauß, dass die Überprüfung der Qualifikation der Boots-Fahrer nicht in den Aufgabenbereich des Kreises falle. Da der Kreis Offenbach der Besitzer der Fähre ist, schrieb er die Stelle des Betreibers aus, als klar war, dass der Fährbetrieb wieder aufgenommen werden sollte. „Teil der Ausschreibung war es, dass der neue Betreiber sich verpflichtet, qualifiziertes Personal einzustellen“, erklärt die Pressesprecherin. Dementsprechend habe der Kreis die Qualifikation der Mitarbeiter nicht überprüft.

Indem diese Klausel Teil der Ausschreibung war, hat sich der Kreis Offenbach rechtlich abgesichert. Sollte es sich also bewahrheiten, dass Kolbücken keine qualifizierten Kräfte beschäftigt hat, so wäre nur der Betreiber haftbar. Vor allem, wenn ein Fahrfehler der Grund für das Unglück am Montag gewesen sei. Der Betreiber der Fähre war leider trotz mehrfacher Kontaktversuche für die Redaktion nicht zu erreichen. 

Seilanlage sei im Dezember 2018 geprüft worden

Die ganze Sache sähe anders aus, wenn das Seil, wie manche Quellen berichteten, wirklich gerissen wäre. Wie der Kreis bestätigt, wurde die komplette Fähranlage vor Wiederaufnahme des Fährbetriebs, geprüft und in Stand gesetzt. „Auch die Seilanlage wurde im Dezember 2018 geprüft“, bestätigt Klauß. Zudem verfüge die Fähre über ein gültiges Fahrzeugnis. Das bedeutet, dass der Fährbetrieb rein technisch bis mindestens Oktober 2019 genehmigt ist. Erst wenn einige rein kosmetischen Mängel behoben worden seien, so die mündliche Bestätigung des Gutachters, hätte sich das Zeugnis bis 2024 verlängert. Das ändert nichts an der Tatsache, dass der Betrieb zum Zeitpunkt des Unglücks offiziell freigegeben war. 

Nach 635 Tagen Stillstand war am Montag der Fährbetrieb der MS Dörnigheim wieder aufgenommen worden. Vorangegangen waren diverse Verhandlungen zwischen den Kommunen Maintal und Mühlheim sowie den Landkreisen Offenbach und Main-Kinzig-Kreis. Im Endeffekt wurde die Fähre für eine Summe von rund 90 000 Euro wieder fahrtüchtig gemacht, so dass sie am 8. Juli, mit über einem Monat Verspätung, wieder ihren Betrieb aufnehmen sollte. 

 



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