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Unglück auf dem Main: MS Dörnigheim steht still

Maintal

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    Die abgetriebene Fähre wird von den Einsatzkräften gesichert. Foto: Jan Max Gepperth

Maintal. 635 Tage fieberten Maintaler und Mühlheimer der Wiederaufnahme des Fährbetriebs entgegen. Doch keiner hätte damit gerechnet, dass sie bereits am ersten Tag zu einem Großeinsatz der Rettungskräfte führen würde.

Artikel vom 08. Juli 2019 - 12:06

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Von Jan Max Gepperth

Was genau passiert sei, könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau sagen, erklärte die Pressesprecherin des Kreises Offenbach, Sandra Klaus. Fakt sei nur, dass die Fähre nun erst einmal wieder still stehe.

Um kurz nach 11 Uhr sei die Fähre aus noch unbekannten Gründen abgetrieben und musste geborgen werden. Laut Aussage einer Anwohnerin sei die Fähre kurz nach dem Ablegen in Richtung Mühlheim leicht nach links abgedriftet. Anschließend habe der Motor aufgeheult und das Schiff sich um die eigene Achse gedreht. 
Den ersten Notruf erhielt die Maintaler Feuerwehr um 11.16 Uhr. Mit insgesamt vier Fahrzeugen und 14 Einsatzkräften waren die Maintaler im Einsatz. Gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz, der Wasserschutzpolizei Frankfurt und dem Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) habe man dann die Fähre versucht zu bergen. Entgegen anfänglicher Behauptungen, dass das Befestigungsseil gerissen sei, wurde dieses erst im Nachhinein im Zuge der Bergung von der Feuerwehr gekappt.

Kolbüken ist schockiert

Natürlich waren zahlreiche Augenzeugen vor Ort, die aus sicherer Entfernung und mit Handys bewaffnet dem ganzen Geschehen ihre Aufmerksamkeit schenkten. „Vermutlich war die Steuerung noch nicht richtig eingestellt. Oder das Team noch nicht richtig eingespielt“, äußerte sich ein Schaulustiger zu dem Ereignis.

Neben dem neuen Betreiber, Mahir Kolbüken, und seinen Mitarbeitern waren während des Unglücks zwei PKW mit ihren Fahrern auf der MS Dörnigheim auf dem Weg nach Mühlheim. Kohlbüken selbst war anfangs sprachlos, ehe er sich bereit fühlte, Auskunft zu geben. „Ich fühle mich schlecht“, gesteht der neue Fährbetreiber. Nach mehreren Monaten, in denen er Herzblut in das Projekt gesteckt habe, sei es frustrierend, dass nun gerade am ersten Tag so etwas geschehen sei. „Ich kann mir das einfach nicht erklären.“

Noch keine Prognose für Wiederinbetriebnahme

Momentan kann er auch noch keine Prognose abgegeben werden, wann die Fähre erneut ihren Betrieb aufnehmen. „Das WSA und die Wasserschutzpolizei haben nun die Ermittlungen aufgenommen“, stellt Klaus klar. Während die Wasserschutzpolizei überprüfen würde, ob gegen irgendwelche Auflagen verstoßen worden sei, untersuche das WSA die mögliche Ursache für das Ereignis. Erst, wenn die Ursache geklärt und behoben sei, könne man darüber sprechen, wann die Fähre wieder ihren Betrieb aufnehme, sagte Klaus. Auch der Offenbacher Landrat, Oliver Quilling, zeigte sich enttäuscht davon, dass die Fähre wieder steht. Er selbst habe es sich auch nicht nehmen lassen, umgehend selbst an den Main zu kommen und die Lage selbst zu beurteilen. „Es ist einfach Pech und ich bedauere es sehr“, äußerte sich Quilling. „Aber ich bin froh, dass niemand verletzt wurde und möchte den Einsatzkräften meinen herzlichen Dank aussprechen, dass sie sich so engagiert eingebracht haben.“ 

Erst am Samstag war die Wiederaufnahme des Fährbetriebs im Zuge einer Pressekonferenz groß angekündigt worden. Dass die Fähre wieder fahre, war von den Politikern als Symbol für herausragende interkommunale Zusammenarbeit gewertet worden.

Ermittlungsergebnisse werden ausschlaggebend sein

Insgesamt 90 000 Euro wurden von den Behörden in die Fähre investiert, um diese wieder fahrtauglich zu machen. Der Betrieb hatte ursprünglich am 1. Juni wieder starten sollen, war jedoch aufgrund von Mängeln am Rumpf wieder verschoben worden. Nachdem diese beseitigt wurden, war der MS Dörnigheim ein vorläufiges Fahrzeugnis bis Oktober 2019 ausgestellt worden. Diese hätte sich, wenn einige kosmetische Mängel wie beispielsweise verblasste Markierungen behoben worden wären, automatisch bis zum Juni 2024 verlängert. 

Ob der Betriebskostenzuschuss, den Maintal und Mühlheim im Falle eines Defizits in Aussicht gestellt hatten, hier greift, ist noch ungewiss. „Das wird vermutlich auf die Ursache des Unglücks ankommen“, sagte Klaus.

Nun bleibt abzuwarten, was die Ermittlungen ergeben und wann beziehungsweise ob die Fähre noch einmal ordnungsgemäß in Dienst gestellt werden kann. 

 

 

 



Kommentare

Am 08.07.2019 um 17:56 Uhr schrieb Tim Müller: #1
Für mich "spiegelt " sich alles was heute auf
Unserer Welt los ist besonders in maintal wieder .da wird dem Jahrzehnte langen Betreiber wegen Lappalien und fadenscheinigen Gründen gekündigt.darauf hin müssen wir Steuerzahler fast 2 Jahre auf die in betriebnahme warten ,Garantiezahlungen an den neuen Betreiber
Bezahlt und jetzt läuft es trotzdem nicht
Man hätte lieber auf die Fachkenntnisse einer fährfamilie vertrauen sollen statt auf irgendwelche Ausschüsse und super Bachelor