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Großfeuer im Hafengebiet: Kripo geht von Selbstentzündung aus

Hanau

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    Die Feuerwehr war am Freitagabend mit rund 180 Rettungskräften im Einsatz. Foto: Feuerwehr Hanau

Hanau. Nach dem Brand am Freitagabend auf einem Verwertungsbetrieb in der Canthalstraße gehen die Brandursachenermittler der Kriminalpolizei von einer Selbstentzündung aus. 

Artikel vom 25. Juni 2019 - 15:04

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Von Jasmin Jakob

Graue Sichtschutzwände schirmen das Gelände des Recyclinghofs in der Canthalstraße ab, auf dem am Freitagabend ein Feuer ausgebrochen war. Vom Großbrand im Hafengebiet ist von außen nichts mehr zu sehen. Doch noch immer riecht es im Umkreis von etwa hundert Metern verbrannt. „Das wird auch noch einige Tage andauern“, bestätigt der technische Leiter der Feuerwehr, Stefan Schönberg, bei einem Vor-Ort-Termin mit unserer Zeitung. Der Wind trägt die Rußpartikel noch ein Stück mit sich. 

Ermittlungen eingestellt, Betrieb wieder aufgenommen

Die Brandermittler der Kriminalpolizei gehen laut Mitteilung von Selbstentzündung als Ursache aus. Es gebe keine Hinweise auf Brandstiftung oder einen technischen Defekt. Die Ermittlungen konnten bereits am Montag eingestellt werden, sodass der Betrieb am Brandort wieder aufgenommen werden konnte. 

Schönberg hatte am Tag des Brandes als Einsatzleiter die Koordination der verschiedenen Hilfskräfte und die Kommunikation mit den Behörden übernommen. Gegen 18.40 Uhr sei die Feuerwehr alamiert worden, da zwei bis drei Autos gebrannt haben sollen. „Da haben wir einen Löschzug losgeschickt, währenddessen sind aber immer mehr Notrufe eingegangen, weil es zu einer sehr starken Rauchentwicklung gekommen ist“, sagt er. Kurz darauf wurden alle Feuerwehrstandorte in Hanau zum Großeinsatz alamiert. „Die Polizei musste dann auch schnell die Steinheimer Brücke und den angrenzenden Radweg absperren, da sich dort viele Schaulustige versammelt hatten“, erklärt er und verdeutlicht, in welche Gefahr sie sich begeben hatten. „Die hätten direkt im Rauch gestanden und die konzentrierten Brandgase eingeatmet.“ 

Rettungskräfte zwölf Stunden im Einsatz

Zu diesem Zeitpunkt lagen noch keine Messergebnisse vor, anhand derer man eine toxische Schadstoffbelastung hätte ausschließen können. Daher waren auch alle Anwohner im Stadtgebiet dazu angehalten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Aus Sicherheitsgründen entschieden die Veranstalter des Altstadtfests in Steinheim, zum Ärger der Besucher das Fest vorzeitig zu beenden. Erst als die Ergebnisse der Schadstoffmessungen vorlagen, konnte die Feuerwehr Entwarnung geben: „Alle Messwerte lagen unter dem Grenzwert.“ 

Auf dem Recyclinghof brannte ein Schrotthaufen, mit 20 Metern Breite und zehn Metern Tiefe, der sechs Meter hoch aufgetürmt war.  180 bis 200 Einsatzkräfte waren laut Schönberg an der Brandbekämpfung beteiligt. Die Helfer, die zu 90 bis 95 Prozent aus ehrenamtlichen Helfern bestanden, kämpften bis in die Morgenstunden – circa zwölf Stunden lang – gegen das Feuer. 

Wegen Hitze: Feuerwehrleute müssen Pausen einlegen

Zunächst wurde eine Löschwasserstelle am Main aufgebaut, die das Flusswasser in die Schläuche pumpte. Die Einsatzkräfte mussten sich wegen der großen Rauchentwicklung mit Atemschutzmasken dem Feuer nähern. Zeitweise waren über mehrere Stunden 40 Feuerwehrleute mit Atemschutzmasken direkt am Löschvorgang beteiligt. Die mussten laut Schönberg immer wieder ausgewechselt werden: „Es war total heiß, nach kürzester Zeit waren die Leute platt und mussten eine Pause einlegen.“

Auch mussten die Einsatzkräfte schnell feststellen, dass sich das Wasser als Löschmittel für den Metallbrand nicht gut eignete, da es bei den hohen Temperaturen verdampft wäre und sich in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten hätte. Das hätte das Feuer nur noch vergrößert, erklärt der Einsatzleiter. Daher musste die Feuerwehr auf Löschschaum umsteigen, der massiv eingesetzt wurde. Hier zeigte sich dann rasch ein Löscherfolg. Allerdings musste unter Mithilfe der DLRG eine Ölsperre auf dem Main eingerichtet werden, da der Schaum über die Aufkantung des Geländes in den Main gelaufen war. So konnte eine Ausbreitung des Schaums verhindert werden. 

Keine großen Verletzungen trotz gefährlicher Lage

Da der Schaumeinsatz eine hohe Verletzungsgefahr für die Löschkräfte berge, sprach Schönberg den Einsatzkräften seine Hochachtung aus: „Alle waren so umsichtig, dass glücklicherweise keine schweren Verletzungen entstanden sind“, sagte er anerkennend. Unter dem riesigen Schaumteppich seien nämlich die Schläuche, sowie Unebenheiten im Boden nicht mehr zu sehen – Knochenbrüche und Sehnenrisse seien dann wahrscheinlich.

Auch zieht er sprichwörtlich seinen Hut vor den ehrenamtlichen Einsatzkräften, die neben ihrer Berufstätigkeit die ganze Nacht mit der Brandbekämpfung beschäftigt waren. „Das war eine sehr erfolgreiche Gesamtleistung, alle Rädchen haben miteinander gut funktioniert“, resümiert er. Unterstützung bekamen die Hanauer Feuerwehren unter anderem durch die Verpflegung und Sanitäter vom Deutschen Roten Kreuz, die Beleuchtung des Einsatzortes durch das Technische Hilfswerk, durch die Feuerwehren aus Nidderau, Maintal, Wächtersbach und Offenbach. Das Aufräumen der Feuerwehrgerätschaften dauerte das ganze Wochenende an, am Dienstagvormittage wurden noch die Ölstängel aus dem Main entfernt.



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