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Marilena und die Minis: Fechten beim TFC Hanau

Fechten

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    Ungleiches Duell: Die kleine Josephine vom TFC Hanau geht mit reichlich mehr Erfahrung in das Duell mit Marilena Krauß. Fotos: Scheiber/Göbel

Fechten. Für unsere Serie "Marilena und die Minis" besucht Marilena Krauß die kleinsten Sportler in den Vereinen der Region. Beim Turn- und Fechtclub Hanau durfte sie sich im Fechten probieren.

Artikel vom 30. Januar 2020 - 06:18

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Von Marilena Krauß

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich im präzisen Umgang mit einem Florett, so heißt eine Waffengattung beim Fechten, übe. Umso größer ist meine Vorfreude auf das Training beim Turn- und Fechtclub Hanau, weil ich glaube zu wissen, was auf mich zukommt. Diese Einschätzung ist weit gefehlt, denn was mich beim Anfängertraining von Cheftrainer Mirko Brüggemann erwartet ist außergewöhnlich.

Voll gefordert schon beim Warmmachen

Sein Stationstraining zu Beginn vereint nicht nur Warmmachen und Geschicklichkeit, sondern fördert das implizite Lernen seiner Schützlinge: „Die Kinder beschäftigen sich so auf ihre Weise mit einer Problemstellung und bekommen wenig Anweisungen oder Lösungsansätze von mir“.

Die Aufgabenstellungen schulen stets fechtspezifische Fähigkeiten und geben den Kindern die Möglichkeit, sich diese spielerisch und mittels Umsetzung eigener Ideen anzueignen.

Im Duell mit dem Tennisball

Jede Station weckt das verspielte Kind in mir, zwei dieser Übungen fuchsen mich besonders: Im Fechtschritt bewege ich mich auf einen Tennisball zu, der an einer Schnur befestigt ist und in der Luft hängt. Mit einem Angriff versuche ich den Tennisball mit der Spitze des Floretts zu berühren, also einen Treffer zu setzen

Ein Tennisball, der auf einer Pylone liegt, muss mit Hilfe eines „Spezial-Floretts“ wie beim Eierlauf aufgenommen und transportiert werden. Foto: Scheiber/Göbel

Im Anschluss bewege ich mich in die Ausgangsposition und starte erneut. Je satter ich den Ball treffe, desto mehr gerät er in Schwingung und fordert mich im kommenden Durchgang mehr. Davon mal abgesehen, habe ich nicht allzu oft getroffen. 

Kein Zuckerschlecken für Anfänger

Auf einer Pylone liegt ein Tennisball, der mit Hilfe eines „Spezial-Floretts“ – an dessen verkürzter Spitze ein Esslöffel befestigt ist – wie beim Eierlauf aufgenommen und transportiert werden muss.

Unzufrieden mit meiner gezeigten Leistung ermutigt mich Josephine einfach weiter zu üben, da die Aufgaben nicht so leicht seien für jemanden, der zum ersten Mal dabei ist. Josi leitet mich ruhig und strukturiert durch das Stationstraining und gibt Acht, dass ich immer weiß, was zu tun ist. Sie legt Wert darauf, mich aufs freie Gefecht vorzubereiten, indem sie mir die Grundregeln im Fechten erklärt und bereits ein paar kleine Tipps gibt. 

Ausrüstung besteht aus acht Teilen

Um im Gefecht geschützt zu sein und mit der elektrischen Trefferanzeige verbunden zu werden, benötige ich eine professionelle Ausrüstung, bestehend aus: Hose, Brustschutz, Unterziehweste, Jacke, Maske, Handschuh, Florett – ach ja und eine E-Weste, die später die Treffer meines Gegners anzeigt. Ich stehe in der Halle und die kleinen Profis suchen mir aus dem Vereins-Kleiderschrank die Ausrüstung in der passenden Größe.

Nach und nach transformiere ich mich in eine Fechterin, fühle mich mit jedem weiteren Ausrüstungsteil ein bisschen bereiter für das freie Gefecht. Den krönenden Abschluss meiner Transformation bildet das Anziehen der E-Weste. Die zufälliger Weise passende Aufschrift „KRAUS GER“ bestätigt mich in dem Gefühl, dass manche Sachen im Leben genau so passieren sollen. Dabei dachte ich eigentlich, meine Zeiten im Nationaltrikot seien vorbei. 

Körperspannung Reaktionsfähigkeit gefordert

Wir starten also mit dem freien Gefecht, Josi und ich beginnen. Wir begrüßen das Kampfgericht und uns gegenseitig, setzen die Maske auf und los geht's. Sie agiert kontrolliert und bestimmt, pariert meine Angriffe gekonnt ab und reagiert mit zielgenauen Riposten (Konterangriff).

Die Kids machen es vor: Hier gilt es, den Tennisball mit der Spitze des Floretts zu berühren. Foto: Scheiber/Göbel

Noch kaum erholt vom Anforderungsprofil flinker Fußarbeit und Körperspannung in Kombination mit einer schnellen Reaktionsfähigkeit, werde ich zum nächsten Kampf herausgefordert.

Punkte gibt's nicht geschenkt - oder doch?

Im Duell gegen den Lausbub Jonathan werde ich mit vielen Offensivaktionen konfrontiert, deren Paraden mir schwer fallen. Um auch meine innerliche Transformation zur Fechterin voranzutreiben, nehme ich mir Josis Tipps zu Herzen und versuche mich in einer Riposte.

Kampfrichter: „Fechter links hat gültig getroffen und bekommt den Punkt“. Das bin ich. Das grüne Lämpchen an der Trefferanzeige leuchtet auf und ich freue mich ob meines Erfolgs, da höre ich Jonathan durch die Maske rufen: „Ich wollte dir doch auch mal eine Chance lassen, hahaha!“

Lachkrampf auf der Planche

Glücklich über das Selbstbewusstsein und die unerschrockene Art meines Gegenübers kann ich mich nicht zusammenreißen und wir verbringen einige Momente lachend auf der Fechtbahn, die auch Planche genannt wird. Diese Augenblicke stehen sinnbildlich für eine warmherzige und spaßbetonte Atmosphäre, die über das gesamte Training von allen beteiligten Sportlern und Trainern aufrecht erhalten wird.

Die taktische Raffinesse stellt neben den bereits erwähnten Anforderungen an Körperspannung und Konzentrationsfähigkeit eine maßgebliche Komponente im Fechten dar. Ein Wechsel aus dem Durchsetzen eigener geplanter Bewegungsabläufe und der Reaktion auf Aktionen des Gegners erfordern eine hohe Anpassungsfähigkeit mit präziser feinmotorischer Umsetzung.



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