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Fehlende Wasserzeiten: Schwimmverein schlägt Alarm

Schwimmen

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    Kampf um Wasserzeiten in den Hallenbädern: Der SC Undina Bruchköbel kann nicht alle, die in dem Klub schwimmen möchten, aufnehmen. Dafür gebe es nämlich zu wenige freie Zeiten in den heimischen Hallenbädern. Archivfoto: TAP

Schwimmen. Die Warteliste für neue Mitglieder ist lang und die Wasserzeiten im Main-Kinzig-Kreis sowie den angrenzenden Landkreisen sind ausgeschöpft: Christoph Lins schlägt zum Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender des SC Undina Bruchköbel Alarm und nimmt die Politik in die Pflicht.

Artikel vom 28. Januar 2020 - 17:48

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Von Julia Meiss

„Es müssen Bäder gebaut werden, denn es ist die gesellschaftliche Pflicht der Politik, dass die Bevölkerung schwimmen kann“, redet der 54-jährige Familienvater Tacheles.

Über zehn Jahre hat der Bruchköbeler die Geschicke des SC Undina geleitet und gibt am Donnerstag, 30. Januar, bei der Jahreshauptversammlung den Staffelstab an den jetzigen Kassierer Sebastian Töpfer weiter. „Es ist Zeit, das Amt in jüngere Hände zu geben. Außerdem bleibe ich dem Verein erhalten und werde mich auf meine eigene Karriere bei den Masters konzentrieren“, schmunzelt Lins.

Kapazitäten in vielen Bädern am Ende

Das Lachen vergeht dem gelernten Datenverarbeitungskaufmann aber bei dem Thema Wasserzeiten sofort wieder: „Wir sind am Ende angekommen, es gibt keine Chancen auf mehr Wasserzeiten.“ Das betreffe nicht nur das Hallenbad in Bruchköbel, sondern auch die Kapazitäten in Erlensee, Maintal sowie in den beiden Bädern in Hanau.

Schließlich seien es nicht nur die ortsansässigen Schwimmvereine, die Anspruch auf Wasserzeiten erheben, sondern berechtigterweise auch die DLRG sowie diverse Kurse wie Wassergymnastik, Baby-Schwimmen oder Aquacycling. Mal ganz abgesehen von „normalen“ Badegästen, die ebenfalls berechtigen Anspruch auf die Bäder hätten.

Lange Warteliste für Mitgliedschaften

Weil die Zeiten im Hallenbad Bruchköbel nicht ausreichen, hat sich der SC Undina seit einiger Zeit im Nidderauer Nidderbad eingemietet. Trotzdem kann der Schwimmverein nicht alle aufnehmen, die in den Klub eintreten möchten – auf der Warteliste stehen im Schnitt zwischen 30 und 50 Kids.

„Wir haben viele Anfragen von Nidderauer Kindern erhalten und trainieren dort zweimal pro Woche auf jeweils zwei Bahnen“, sagt Lins und macht damit ein weiteres Problem-Kapitel, mit dem sich ein Schwimmverein auseinandersetzen muss, auf: die Bahnmiete. Konkrete Zahlen wollte der Vereinsverantwortliche nicht nennen, allerdings gilt in der Region im Schnitt ein Preis von 25 Euro pro Bahn pro Stunde.

Sechs Tage Training haben ihren Preis

Trainiert werde in Bruchköbel und Nidderau insgesamt an sechs Tagen pro Woche zwischen 1,5 und 3,5 Stunden. „Die Stadt Bruchköbel kommt uns sehr entgegen, das ist ein wirklich fairer Preis. In Nidderau zahlen wir das Vierfache. Denn auch wenn wir Nidderauer Kids trainieren, sind wir kein ortsansässiger Verein und Nidderau will seine Kosten deckeln“, gibt Lins einen groben Überblick über die anfallenden Kosten.

Der SC Undina Bruchköbel finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge. 100 Euro zahlt ein Mitglied im Jahr, wovon diverse Bahnmieten plus Starts bei Wettkämpfen bezahlt werden müssen. Ein Start eines Schwimmers kostet im Schnitt etwa 4,50 Euro, wobei ein Athlet meistens mehr als einmal bei einem Wettkampf ins Wasser geht.

Um die Kosten deckeln zu können, zahlen die Schwimmer der Leistungsgruppe pro Jahr 50 Euro mehr. Dafür kommen die Leistungsschwimmer auch seit Kurzem in den Genuss, auf der 50-Meter-Bahn im Riedbad Bergen-Enkheim an sechs Tagen in der Woche trainieren zu können.

Zusammenschluss bringt Entlastung

Ein Glücksfall hat beim SC Undina nämlich zu einer teilweisen Entlastung in puncto Wasserfläche gesorgt. Seit Oktober 2019 haben sich die Leistungsschwimmer aus Bruchköbel mit denen der Wasserfreunde Fechenheim zusammengeschlossen und starten als Startgemeinschaft Schwimmen (SGS) Main-Kinzig.

„Dadurch trainiert die Leistungsgruppe im Bad in Bergen-Enkheim, wodurch in den Bädern in Bruchköbel und Nidderau wieder Wasserzeiten für alle anderen Gruppen frei geworden sind“, freut sich Gordon Abu-Shaar, Cheftrainer des SC Undina und der SGS, über die Wasserzeiten in Bergen-Enkheim. Abu-Shaars Schützlinge sind mittlerweile bis auf Bundesebene konkurrenzfähig und müssen dazu Minimum sechs Trainingseinheiten pro Woche absolvieren. Das ist nun durch die zusätzlichen Zeiten in Bergen-Enkheim möglich.

Generell zu wenig Hallenbäder

„Mit der aktuellen Situation sind wir zähneknirschend zufrieden“, fasst Sportwart Silvio Sasse die Gefühlslage zusammen und unterstreicht, dass es strukturell zu wenige Hallenbäder gebe. Dabei wollen die Undina-Verantwortlichen nicht mal ein neues Hallenbad für sich, sondern hätten gerne das aktuelle als Vereinsbad.

Das bleibt aber ein Traum, stattdessen müssen sich die Verantwortlichen des SC Undina Bruchköbel weiter mit Wartelisten herumschlagen und um jede freie Wasserzeit kämpfen.



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