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Darts-Hochburg Großauheim: Drei Vereine auf engstem Raum

Darts

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    Rivalen in der Darts-Hochburg Großauheim: Die drei Vorsitzenden Daniel Rapp (Gassebub), Albert Schmidt (DSV Hanau) und Uwe Schädel (St. Patrick) kommen gut miteinander aus. „Wir können alle an einem Tisch sitzen. An der Dartscheibe kann man sich ja für alles revanchieren.“ Foto: Robert Giese

Darts. Während die Darts-Fans an Neujahr gebannt nach London geschaut haben, wo sich Peter Wright den Weltmeistertitel sicherte, gibt es auch in der Region zahlreiche Spieler, die den Stars der Szene nacheifern. Viele davon spielen in Großauheim.

Artikel vom 01. Januar 2020 - 13:13

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Von Robert Giese

Mit dem Nidderauer Nico Kurz hat es ein Spieler aus der Region bis in die dritte Runde der WM geschafft, und Großauheim ist geradezu eine Darts-Hochburg, schließlich haben hier nur einen Steinwurf voneinander entfernt gleich drei Vereine ihre Heimat.

Drei Spielstätten innerhalb eines Kilometers

Um den drei Großauheimer Dartvereinen einen Besuch abzustatten, muss man nicht zwingend gut zu Fuß sein: Vom „Adler“, wo der DSV St. Patrick zu Hause ist, über das „Silverado“, die Heimat des DSV Hanau, bis zum D.C. Gassebub, der in der gleichnamigen Kneipe spielt, beträgt die Strecke weniger als einen Kilometer. „Das dürfte einmalig sein“, sind sich die Vertreter der drei Dartvereine sicher. Diese hatten im Laufe der fast 40-jährigen Dartsgeschichte in Hanau mal engere Bande, aber auch den ein oder anderen Konflikt.

Pionier war der Vorgängerverein des heutigen DSV Hanau, der 1981 im damaligen Irish Pub des heutigen City Centers seine Zelte aufgeschlagen hatte. Vier Jahre später folgte St. Patrick, von denen sich vor knapp 15 Jahren schließlich der D.C. Gassebub abspaltete. Zeitweise spielten sogar zwei Vereine in der gleichen Spielstätte, doch das erwies sich auf Dauer nicht als beste Lösung.

Rivalität nur noch sportlich

Heute hat jeder der drei Vereine eine eigene Spielstätte, Rivalität pflegen sie trotz der räumlichen Nähe nur noch im sportlichen Rahmen. „Das beschränkt sich“, heißt es vom D.C Gassebub, „auf spitze Bemerkungen und verbale Seitenhiebe“, woraufhin die Vertreter der anderen Vereine zustimmen. „Wir können“, betonen alle unisono, „alle an einem Tisch sitzen. An der Dartscheibe kann man sich ja für alles revanchieren.“

Gerade in dieser Saison haben die drei Großauheimer Dartsvereine dazu reichlich Gelegenheit, schließlich treten sie alle in der Bezirksliga 1 an. Nach der Hinrunde ist der DSV Hanau obenauf, thront ungeschlagen an der Tabellenspitze und konnte – was fast noch wichtiger ist – beide Derbys für sich entscheiden. St. Patrick als Dritter und der D.C. Gassebub auf dem fünften Rang stehen ebenfalls gut da, um den Aufstieg wird aber wohl nur der DSV Hanau mitspielen, der dann in der kommenden Saison in der Oberliga antreten würde, der zweithöchsten hessischen Spielklasse.

DSV einst beinahe in der Bundesliga

Dort hat jeder der drei Vereine bereits schon mindestens einmal gespielt, St Patrick und der DSV gingen sogar bereits eine Liga höher an den Start – und der DSV hätte sich einmal beinahe für die Aufstiegsrunde zur Bundesliga qualifiziert. „Das entscheidende Spiel in Wetzlar“, erinnert sich deren Vorsitzender Albert Schmidt, „haben wir aber klar verloren.“ Der Aufstieg in die Oberliga soll allerdings klappen, auch wenn die Lokalrivalen für die Rückspiele bereits Revanche angekündigt haben.

In der Oberliga müsste der DSV dabei nicht nur auf die lieb gewonnenen Derbys verzichten, sondern teils auch Fahrten nach Mittelhessen stemmen – ein nicht unerheblicher Aufwand, zumal die Ligaspiele unter der Woche stattfinden. „Da kann es sein, dass man erst um halb zwei wieder zu Hause ist“, berichten die Dartsspieler, was nicht jeder Spieler mit seinem Beruf in Einklang bringen könne. Ganz wichtig sei es daher, eine breite Spielerbasis zu haben, also auf deutlich mehr Spieler zurückgreifen zu können als auf die acht, die bei einem Ligaspiel antreten.

Training auch Zuhause

Von den Ligaspielen abgesehen lasse sich der zeitliche Aufwand für Darts aber gut individuell dosieren: Neben Trainingsabenden in den jeweiligen Spielstätten haben die meisten Spieler zu Hause eine Scheibe.

Wem Ligaspiele und Turniere nicht ausreichen, der kann an der Rhein-Main-Player-League teilnehmen, einer Liga für Einzelspieler. „Das ist vor allem etwas für ambitionierte Spieler, denn wer viel spielt“, so die Großauheimer Dartsspieler, „der verbessert sich selbstverständlich auch.“

Deutschland erlebt Darts-Boom

Im internationalen Vergleich verbessert haben sich zuletzt auch die deutschen Spieler, von denen bei der diesjährigen WM mit Nico Kurz und Max Hopp zwei die dritte Runde erreichten. „England und Holland sind die Top-Nationen, aber deutsche Spieler sind in den vergangenen Jahren immer besser geworden“, haben die heimischen Dartsspieler beobachtet. Der Darts-Boom kommt auch in Großauheim an, gerade nach der WM kämen immer mal wieder Interessenten in die Spielstätten, „und ab und an bleibt einer dabei".

Für die Dartvereine ist das wichtig, denn klassische Jugendarbeit wie in anderen Sportvereinen fällt weg, schließlich sind die Spielorte Kneipen. Dartsspieler rekrutieren sich daher vor allem aus Menschen, die früher einen anderen Sport betrieben haben und ein neues, unkompliziertes Hobby suchen – schließlich kann man Darts bis ins hohe Alter spielen und der finanzielle Aufwand hält sich in Grenzen. Außerdem sei es ein fairer Sport mit permanenten Erfolgserlebnissen, und zwar ganz unabhängig vom spielerischen Niveau.

Darts-Elite wirft auch in Hanau

Gerade in der Region, die innerhalb Hessens eine der Darts-Hochburgen ist, wird den Darts-Fans viel geboten: St. Patrick lockt jedes Jahr rund 400 Spieler nach Hanau – darunter praktisch die gesamte deutsche Darts-Elite – um den DDV-Pokal, den DDV-Verbandspokal und die Aufstiegsplätze in die Darts-Bundesliga auszuspielen, der D.C. Gassebub veranstaltete beim Bürgerfest ein E-Darts-Turnier, das großen Zuspruch fand.

Wer sich nach der WM selbst einmal im Steeldarts versuchen will, ist bei den Großauheimer Dartvereinen willkommen. Das gelte auch für Frauen: Deren Quote liege zwar aktuell bei unter zehn Prozent, aber so wie Fallon Sherrock bei der WM stark aufgespielt habe, würden sich auch die Großauheimer Spielerinnen immer wieder gegen ihre meist männlichen Kontrahenten beweisen. Einen Tipp für Interessenten haben die Großauheimer dabei: „Der Arm muss locker sein, der Kopf aber auch. Darts ist ein Mentalsport!“



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