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Johannes Lotz verabschiedet sich vom Leistungssport

Rudern

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    Kein Leistungssport mehr: Johannes Lotz hat den Hanauer Rudersport in den vergangenen Jahren bei deutschen und internationalen Meisterschaften vertreten. Diese Zeit ist für den 22-Jährigen, der in Berlin lebt, vorbei. Fotos: Privat

Rudern. Schreibtisch statt Rennboot, Werkstudent statt Schlagmann: Für Johannes Lotz von der Hanauer Rudergesellschaft gibt es eine neue Kleiderordnung. Renneinteiler und Nationaltrikot bleiben im Schrank, stattdessen kommen hin und wieder Anzug, Oberhemd und Krawatte zum Einsatz.

Artikel vom 04. Dezember 2019 - 12:29

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 „Mein nächstes Kapitel beginnt. Nach neun Semestern Psychologie bringe ich meinen Bachelor ins Ziel. Parallel wird gearbeitet“, blickt der vierfache WM-Medaillengewinner und HANAUER Sportler des Jahres 2014 auf seine weitere Zeit in der Bundeshauptstadt.

Die letzten Jahre radelte der Psychologiestudent zum Rudertraining an den Berliner Olympiastützpunkt Hohenzollernkanal und zum Uni-Campus im Ortsteil Dahlem. Die Route verläuft seit Kurzem gänzlich anders, denn der Zielpunkt Bootshaus fehlt. Das Studium und ein Arbeitsplatz als Werkstudent im Berliner Regierungsviertel bestimmen neuerdings den Kurs des 22-jährigen Top-Athleten.

Praktikum habe ihn bekräftigt

Der siebenfache deutsche Meister hat die Saison 2019 mit WM-Silber im Doppelvierer abgeschlossen und gehört fortan zur Eliteklasse, die bereits vor Jahresfrist am Bundesstützpunkt Hamburg/Ratzeburg ihren Kaderkreis für Olympia formiert hat. Die Teams für Tokio spielen sich ein.

Johannes Lotz nutzt diesen Zeitpunkt für eine leistungssportliche Pause: „Ich bin dankbar für die vergangenen zehn Jahre Leistungssport, in denen ich viel erleben und viel lernen durfte. Allerdings ist für mich mit dem Abschluss der U23-Altersklasse der Zeitpunkt gekommen, um das Kapitel Leistungssport erst mal zu beenden und neue Wege zu gehen.“ Sein Praktikum in den vergangenen Monaten habe ihn in diesem Schritt bekräftigt und ihm unerwartet neue Türen geöffnet.

Projektbezogenes Arbeiten statt Trainingsplänen

Nach einer kompletten Dekade Leistungssport folgt im neuen Jahr zunächst die Bachelorarbeit in Psychologie und anschließend berufsbegleitend der Master in Psychologie mit dem Schwerpunkt Wirtschaft – oder ein Master in Wirtschaft mit dem Schwerpunkt Personal. Erste Praxisluft konnte Lotz bereits im Berufspraktikum als „Research Analyst“ der Personalberatung „Hoffmann & Partner“ im John-F.-Kennedy-Haus inmitten des Berliner Regierungsviertels schnuppern.

Statt Trainingspläne fürs Rudertraining gab es für ihn drei Monate lang projektbezogenes Arbeiten bei der Suche und Ansprache geeigneter Kandidaten für vakante Führungspositionen. 

Man wisse nie, was die Zeit bringt

Der Weg zu „Hoffmann & Partner“, die mit ihren von Gerhard Delling moderierten Wirtschaftstreffs „Dachgespräche am Kanzleramt“ hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Sport, Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft diskutieren lassen, erweist sich für den Mannschaftssportler Lotz als Glücksfall: „Die Begriffe Leistung und Ergebnis bekommen für mich aus zweitem Blickwinkel eine neue Bedeutung. Das Metier ist spannend“, erläutert Lotz. 

Mit neuem Erfahrungshorizont will der 22-jährige Hanauer auf seine sportliche Zukunft blicken können: „Man weiß nie, was die Zukunft bringt. Aber ich werde das olympische Jahr aus der Ferne beobachten und wer weiß, wie es in Ruderdeutschland nach 2020 aussehen wird. Und bis Paris 2024 vergeht noch viel Zeit.“

Lotz kann auf viele Erfolge zurückblicken

Im Rückblick sei seine sportliche Bilanz keine Einzelleistung, sondern gut funktionierende Teamarbeit gewesen. Johannes Lotz hebt „die HRG mitsamt ihren großartigen Mitgliedern und Trainern“ hervor, die Sparkassen-Sportstiftung Main-Kinzig, die ihn nahezu von Anfang an begleitet hat, die Sportstiftung Hessen, die Deutsche Sporthilfe, die Olympiastützpunkte in Frankfurt und Berlin sowie „den Bundesstützpunkt Berlin mit meinem Trainer Alexander Schmidt – und nicht zuletzt meine Familie“.

Sechs WM-Nominierungen in Folge mit vier WM-Trophäen sind Rekord in der 140-jährigen Hanauer Ruderhistorie. Schließlich ist ihm im zu Ende gehenden Wettkampfjahr 2019 noch ein besonderes Kunststück gelungen: zwei WM-Podestplätze hintereinander als Schlagmann seiner Bootsdisziplin – das gab es in Deutschland im Kaderkreis der 19- bis 22-Jährigen seit Jahrzehnten nicht mehr. Johannes Lotz hat in seiner sportlichen Karriere eine ganze Menge erreicht. sl



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