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Thai-Boxen: Abdul-Malak war in fünf Tagen fit für EM-Titel

Kampfsport

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    Zweiter EM-Gürtel: Ibrahim Abdul-Malak (links) und sein Trainer Anyelo Ruth von der No Limit Fight Academy in Erlensee sind stolz über den nächsten Titel. Foto: Robert Giese

Kampfsport. Ibrahim Abdul-Malak von der No Limit Fight Academy in Erlensee ist Europameister des ISKA-Verbandes. Er bezwang im K1 – einer Variante des Thaiboxens – den bis dahin amtierenden Titelträger. Dabei war bereits die Vorbereitung auf den alles entscheidenden Kampf eine gewaltige Herausforderung.

Artikel vom 04. Juni 2019 - 10:49

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Von Robert Giese

„Normalerweise kann man sich mindestens vier bis fünf Wochen auf solche Kämpfe vorbereiten“, erklärt Anyelo Ruth, Abdul-Malaks Trainer, „aber diesmal hatten wir nur fünf Tage Zeit.“ Der eigentliche Herausforderer des amtierenden Europameisters Ajmeer Bahrami war wegen Krankheit ausgefallen, kurzfristig musste ein Ersatzmann her – und trotz der ungünstigen Rahmenbedingungen wollte sich Abdul-Malak die Chance nicht entgehen lassen, sich auch beim ISKA-Verband den EM-Titel zu holen. Ein Europameistergürtel befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Besitz des 21-Jährigen, denn im Vorjahr holte er sich den Titel des AFSO-Verbandes.

Um seine Trophäensammlung zu erweitern, mutete sich der Kampfsportler mit libanesischen Wurzeln viel zu: „Ich kam gerade aus dem Urlaub zurück und war etwas dicker“, blickt der frischgebackene Champion zurück und lacht. „Aber ich habe dann jeden Tag mehrere Stunden lang trainiert.“

Späteres Training wegen Ramadan

Für Abdul-Malak, der gerade eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker absolviert, eine gewaltige körperliche Herausforderung, denn wegen des Ramadan fastete er tagsüber. „Wir haben das Training dann sehr spät abgehalten, also nach 22 Uhr“, erklärt Ruth, der intensiv mit seinem Schützling arbeitete.

Für Gürtel und das Trainerteam war es ein Rennen gegen die Zeit – und gegen die Waage, denn der Erlenseer durfte am Kampftag maximal 70 Kilogramm wiegen. „Es sah lange so aus, als würde ich zu viel wiegen“, erinnert sich Abdul-Malak, der aber gerade noch rechtzeitig ausreichend Gewicht verlor, um zum Kampf antreten zu können.

Gegner war selbst ein mehrfacher Champion

„Er hat ein großes Kämpferherz“, sieht Ruth in der Zielstrebigkeit seines Schützlings den Grund für den Erfolg, und dieser gibt das Kompliment gerne zurück: „Anyelo und Orhan, mein anderer Trainer, haben alles aus mir herausgeholt, sodass ich zum Kampf top-fit war.“

Das war auch nötig, schließlich war sein Gegner selbst mehrfacher Champion und hatte viel Zeit, um sich auf den Kampf vorzubereiten. Im entscheidenden Duell kaufte ihm aber Abdul-Malak, der vor sieben Jahren mit dem Thaiboxen angefangen hat, den Schneid ab, traf den Kämpfer vom TBC Singen schon in der zweiten Runde hart am Kiefer und knockte Bahrami damit sichtlich an, am Ende siegte der 21-Jährige nach Punkten. „Wir waren gut auf den Gegner eingestellt, haben ihn vorher per Video studiert und Ibrahim hat ihn mit präzisen Schlägen unter Druck gesetzt“, so Ruth in der Nachbetrachtung. „Außerdem setzt er unsere Vorgaben gut um, da herrscht eine große Harmonie zwischen ihm und dem Trainerteam.“ Abdul-Malak selbst sieht den Titel als „Belohnung für all das harte Training. Es ist schön, wenn man dann seine Ziele erreicht.“

Ziel: Vollprofi

Ziele hat der 21-Jährige derweil noch viele – sowohl kurz- als auch langfristig: „Demnächst wollen wir mehr im Ausland kämpfen, um die Weltmeisterschaft kämpfen und die EM-Titel verteidigen“, wirft Abdul-Malak einen Blick in die nähere Zukunft.

Momentan ist der Kampfsportler noch Halbprofi, will gegen Jahresende aber Vollprofi werden. Ein großes Ziel für ihn ist es, bei Glory zu kämpfen – das ist ein Kickbox-Veranstalter, vergleichbar mit der UFC beim Mixed Martial Arts. „Es wäre ein Traum, wenn Anyelo und Orhan da mal in der Ringecke stehen könnten“, meint Abdul-Malak, „allerdings ist es schwer, dort hineinzukommen, da braucht es eine perfekte Leistung. Ich denke aber, dass wir auf einem guten Weg sind.“

Bei seinem zweiten langfristigen Ziel steht Abdul-Malaks Familie im Vordergrund: „Meine ganze Familie steht voll hinter mir und unterstützt mich“, erklärt er. Sein jüngerer Bruder kämpfe selbst, sein älterer Bruder ist in der Ringecke dabei. „Ich möchte deshalb unbedingt mal meinem Vater ein Auto kaufen. Er soll einfach in ein Autohaus gehen können und sich ein Auto aussuchen können“, sagt Abdul-Malak – und lächelt beim Gedanken daran.



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