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Ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst veranstaltet Aktionstag

Hanau

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    Mit grünen Bändern auf die Kinderhospizarbeit aufmerksam machen: Seit fünf Jahren gibt es den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst in Hanau. Foto: Thomas Seifert

Hanau. Zunächst als Außenstelle von Frankfurt gegründet, hat sich der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Hanau mit Sitz an der Hospitalstraße in den fünf Jahren des Bestehens zu einer nicht mehr wegzudenkenden Institution entwickelt. Beim Tag der offenen Tür konnte sie zahlreiche Unterstützer und Gäste begrüßen.

Artikel vom 12. Februar 2020 - 12:31

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Von Thomas Seifert

Darunter war auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky, der den über 50 Mitarbeitern „allerhöchsten Respekt für ihre Arbeit“ zollte, deren Wert für die Gesellschaft gar nicht hoch genug eingeschätzt werden könne, weil durch schwere Krankheit und den Tod eines Kindes oder Jugendlichen der „natürliche Lebensablauf massiv gestört“ werde.

„Betroffen sind nicht nur die Kinder oder Jugendlichen und deren Familien, sondern auch weitere Verwandte und Freunde“, stellte Kaminsky fest. Er lobte die „wichtige Lebensbegleitung“ des Hospizdienstes und forderte auch im Namen von Bürgermeister Axel Weiss-Thiel und Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck Solidarität mit der Arbeit der Ehren- und Hauptamtlichen ein.

Rund 100 Stunden Schulung für die Mitarbeiter

Über die ehrenamtliche Arbeit ist Lisa Criseo-Brack in ihre jetzige Position als eine der beiden hauptamtlichen Koordinatorinnen gekommen. Sie leitet von Anfang an den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst in Hanau. „Wir konnten in den fünf Jahren des Bestehens des Hospizdienstes in der Stadt – der Altkreis Hanau gehört ebenso dazu wie ein Teil des Rodgaus – ein großes Netzwerk aufbauen, das uns bei unserer Arbeit eine wichtige Unterstützung ist“, betonte Criseo-Brack im Gespräch mit dieser Zeitung.

Geschult werden die ehrenamtlichen Mitarbeiter über drei bis vier Monate in Abendkursen und Wochenendseminaren mit rund 100 Stunden Dauer. „Es gibt regelmäßige Treffen, Aussprachen und Supervision für die Mitarbeiter, denn die persönliche Belastung kann sehr groß werden“, betonte die Koordinatorin.

Begleitung gehe über den Tod des Kindes hinaus

In der Regel betreuen zwei Ehrenamtliche eine Familie, wobei diese die Art der Hilfe und Unterstützung formulieren sollen. Derzeit werden in Hanau 24 Familien mit Kindern und Jugendlichen betreut, die an Gendefekten, gravierenden Stoffwechselstörungen, neurologischen Erkrankungen, Muskelschwund oder an einer Krebserkrankung leiden.

„Die Begleitung setzt bei Lebensbedrohung ein und geht über den Tod des Kindes oder des Jugendlichen hinaus. Gespräche und Rituale sind sehr wichtig in der Arbeit, aber auch den Betroffenen Raum und Zeit geben, um den Schmerz verarbeiten zu können. Viele betroffene Kinder wollen zum Beispiel ihre Eltern nicht zusätzlich belasten, auch hier können unsere Ehrenamtlichen tätig werden, um den Eltern Freiräume zu verschaffen, die sie unbedingt brauchen“, betonte Lisa Criseo-Brack.

Nicht nur reine Besuchstermine

Dabei ist Verlässlichkeit eine der Grundvoraussetzungen für die Arbeit der Ehrenamtlichen. Einen Satz von Claus Kaminsky konnte Lisa Criseo-Brack mit Blick auf die Ehrenamtlichen besonders unterstreichen. Der Oberbürgermeister meinte bei seiner Begrüßung: „Es ist keine Schande, wenn sie sagen müssen: 'Ich schaffe das nicht.'“

Viele Familien werden über den Austausch mit anderen Betroffenen auf den Ambulanten Hospizdienst hingewiesen, aber auch die Frühförderstellen oder Schulen machen Eltern auf diesen Dienst der Lebensbegleitung aufmerksam. Die Ehrenamtlichen besuchen nicht nur die Familien an deren Wohnort, sondern organisieren auch Ausflüge und Gruppentreffen in den Räumlichkeiten in Hanau. Auch der Walk- und Talk-Treff im Kurpark Wilhelmsbad an jedem ersten Samstag im Monat für Angehörige, die ein Kind oder einen Jugendlichen verloren haben, gehört zum Angebot.

Reger Austausch unter den Ehrenamtlichen

„Viele Familien halten auch nach dem Tod eines Angehörigen noch lange Kontakt mit dem Hospizdienst und freuen sich auf die Möglichkeit, sich dort mit Mitarbeitern aussprechen zu können“, fügte die Koordinatorin hinzu. Aber auch die Ehrenamtlichen untereinander tauschen sich regelmäßig aus, um für sie schwierige und belastende Situationen besser verarbeiten zu können, stellte Lisa Criseo-Brack fest.

Johanna Baumann ist eine der Frauen, die sich beim Hospizdienst engagieren und sie liebt vor allem die Arbeit mit Kindern im Geschwisterprojekt. Außerdem hat sie Freude an Kreativität, zeichnet für die Gestaltung des Schaufensters an der Hospitalstraße ebenso wie für den Stand auf dem Weihnachtsmarkt verantwortlich.

Finanzierung durch Spenden und Krankenkassen

Sabine Eich, Mutter von drei Kindern und unter anderem ausgebildete Mentaltrainerin, ist seit rund sechs Jahren zunächst in Frankfurt und jetzt in Hanau im Team dabei. Ihr Anliegen ist es, den Tod von Kindern und Jugendlichen aus der Ecke „Tabuthema“ herauszuholen. Sie hat bei ihrer Unterstützung und Begleitung von Betroffenen auch schon ihre Kinder mitgenommen und engagiert sich beim Walk- und Talk-Treff. „Man lernt, das eigene Leben mehr zu schätzen“, hat Eich aus der Hospizarbeit für sich gelernt.

Wie finanziert sich eigentlich der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst, der für Betroffene kostenfrei ist? „Etwa 25 Prozent der anfallenden Kosten werden über das Hospizgesetz von den Krankenkassen aufgebracht. Der Rest muss über Spenden erwirtschaftet werden, deshalb ist eine gute Öffentlichkeitsarbeit auch so wichtig“, betonte Lisa Criseo-Brack. Dabei hilfreich seien natürlich Aktionen wie der Flashmob kurz vor Weihnachten, wo Hanauer Bands durch die Innenstadt zogen und Spenden für die Einrichtung sammelten, oder die Spendenaktion im Edeka-Markt Stolzenberger in Groß-Auheim.

Lob aus der Politik

Landrat Thorsten Stolz, Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann betonten zum „Tag der Kinderhospizarbeit“, dass „junge Menschen, die sich unmittelbar mit dem eigenen Tod befassen müssen, aktive Unterstützung und das Verständnis der gesamten Gesellschaft brauchen. Damit verbunden sind ganze Familienschicksale, von Eltern, von Geschwistern, da sind wir alle gefragt.“ 

 

Tag der Kinderhospizarbeit

Der bundesweite „Tag der Kinderhospizarbeit“ macht seit 2006 immer am 10. Februar auf die Situation lebensverkürzend erkrankter Kinder und Jugendlicher und deren Familien aufmerksam. Als Zeichen der Verbundenheit sind die Menschen aufgerufen, die grünen Bänder der Solidarität an Fenstern, Autoantennen oder Bäumen zu befestigen. Das grüne Band soll die Hoffnung ausdrücken, dass sich immer mehr Menschen mit den erkrankten Kindern oder Jugendlichen und deren Familien verbünden. Im kommenden Jahr wird am 10. Februar die zentrale Veranstaltung zum „Tag der Kinderhospizarbeit“ in Hanau stattfinden, kündigte Koordinatorin Lisa Criseo-Brack an.  tse


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