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100-jährige Autogrammjägerin berichtet von ihrem Leben

Hanau

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    Ist stolz auf ihre „Trophäen“: Elise Knepper wird heute 100 Jahre alt. 93 Jahre ihres Lebens verbrachte sie in Hanau, jetzt lebt sie in Langenselbold. Foto: Holger Hackendahl

Hanau/Langenselbold. Elise Knepper sammelt Autogrammkarten und hat echte Schmuckstücke in ihrer Sammlung, etwa eine von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt, von Kult-Sozialdemokrat Willi Brandt und
auch zwei von Hanaus ehemaligem OB Hans Martin. Heute feiert die rüstige Rentnerin ihren 100. Geburtstag. Wir haben sie besucht.

Artikel vom 11. Februar 2020 - 11:58

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Von Holger Hackendahl

„1938 war ich in der Hanauer Stadthalle auf einem Konzert von Zarah Leander. Auch habe ich unter anderem Konzerte der Schlagerstars Roy Black und Rex Gildo gesehen“, erzählt die Jubilar. Sie ist bei guter Gesundheit und feiert heute im Seniorenwohnpark Kinzigaue in Langenselbold ihren Ehrentag.

Das geistig rege Geburtstagskind hat 93 Jahre ihres Lebens in Hanau verbracht. Die gesellige Seniorin hat viel erlebt – nicht nur die verheerenden Luftangriffe auf Hanau – etwa der im 19. März 1945. Sie hat auch mitgeholfen, als eine der wenigen noch lebenden „Trümmerfrauen“ Hanau vom Schutt der Bombennächte zu befreien. „Wir haben die Backsteine aus den zerstörten Häusern rausgeräumt und sie vom Mörtel abgeklopft, damit sie wiederverwendet werden konnten“, erinnert sich Elise Knepper noch gut an die Ereignisse vor 75 Jahren. Seitdem wird sie von der Stadt Hanau zum alljährlichen Trümmerfrauen-Café eingeladen.

Eltern lernten sich durch eine verlorene Uhr kennen

Elise Knepper wurde 1920 in Ravolzhausen geboren und zog mit ihren Eltern im Alter von zwei Jahren in die Schäfergasse nach Hanau. 2015 zog sie ins Seniorenwohnheim nach Langenselbold. Sie wohnt nun näher bei ihrer in Bad Orb lebenden Tochter. In jungen Jahren zog die Jubilarin mit ihrem bereits 2000 verstorbenen Ehemann, den sie bei Dunlop in Hanau kennen- und lieben lernte, über die Gärtner- und Marköbelerstraße an den Hanauer Hafenplatz, wo sie ab 1959 wohnte.

„Meine Mutter, die früher auch bei Dunlop gearbeitet hat, hatte ihre Uhr verloren. Mein Vater suchte alles ab, fand erst die Uhr und dann mit ihr auch die gemeinsame Liebe“, erzählt ihre Tochter beim Besuch des HA im Seniorenwohnheim.

Ehepaar ging gern auf Reisen

Elise Knepper ging schon immer gerne weg, besuchte viele Konzerte, auch Fastnachtssitzungen und war jahrzehntelang (bis 2015) Mitglied der Hanauer SPD – deswegen will heute auch OB Claus Kaminsky zum Gratulieren nach Langenselbold fahren.

Das Ehepaar Knepper unternahm viele Reisen – mit dem Zug, aber auch etliche Tagestouren mit dem Reisebus. „Auch haben wir fast 30 Jahre in Söll unweit von Kitzbühel in Tirol/Österreich Urlaub gemacht und gingen im Kaisergebirge wandern. Wir haben Urkunden und Ehrennadeln für unsere jahrezehntelange Treue vom Tourismusbüro unseres Urlaubsorts verliehen bekommen. Wir waren aber auch gerne im Bayerischen Wald und im Schwarzwald“, erinnert sich die „Neu-Hundertjährige“. Nach dem Tod ihres Ehemanns Heinrich traf sie sich regelmäßig mit ihren Hanauer Schulkameradinnen. Von denen lebt heute allerdings keine mehr.

Seit 2016 im Seniorenwohnpark Langenselbold

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2000 kümmerten sich die beiden Töchter um die Seniorin. „Elise ist ein sehr geselliger Mensch“, bestätigt ihre Tochter. Früher hat sie sich regelmäßig mit ihren fünf Freundinnen zum Frühstück im Kaufhof-Restaurant getroffen. Nachdem die älteste Tochter 2015 schwer erkrankte und 2016 verstarb, zog Elise Knepper 2016 in den Seniorenwohnpark nach Langenselbold. Dort fand sie Gesellschaft und wird gut versorgt, sagt ihre Tochter. Elise Knepper freut sich über zwei erwachsene Enkel, die bestimmt auch bei der heutigen Feier im Seniorenwohnpark vorbeischauen werden.



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