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Von der Wildkamera entdeckt: Lebt in Hanau jetzt ein Luchs?

Hanau

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    Jäger Thomas Sturms zeigt auf die Stelle, an dem der Luchs in den vergangenen Wochen immer wieder aufgetaucht ist. Die Wildkamera liefert den Beweis. Fotos:PM/Christian Reinartz

Hanau. Es ist der 4. Januar, 8.21 Uhr, als der Bewegungsmelder der Wildtierkamera in Thomas Sturms Jagdrevier zum ersten Mal auslöst und ein Foto von etwas macht, das eigentlich gar nicht dorthin gehört: Einem Luchs!

Artikel vom 27. Januar 2020 - 16:38

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Von Christian Reinartz

Zunächst vermutet Sturm, dass ein Exemplar aus dem benachbarten Wildpark Fasanerie ausgebüxt ist. „Aber die haben mir versichert, dass dort alle Tiere vollzählig seien.“ Am selben Tag um 20.04 Uhr klickt die Wildkamera dann ein zweites Mal. Derselbe Luchs!

Jäger rätselt: Woher kommt der Luchs?

Sturm spielt andere mögliche Theorien durch. „Aber die ergeben alle keinen Sinn“, sagt der Revierchef. „Meiner Meinung nach ist es extrem unwahrscheinlich, dass ein Luchs hier aus dem Spessart eingewandert ist. Dafür hätte er den Main überqueren müssen.“ Und auch im Süden und Westen sei der Zugang nach Hanau komplett durch die Autobahnen versperrt. „Es ist mir ein absolutes Rätsel.“

Nach genau zwei Wochen ist Sturm schon fast dabei den Luchsbesuch am 4. Januar als einmaliges Erlebnis abzutun, da löst die Wildkamera erneut aus. Diesmal um 7.24 Uhr. Und ein weiteres Mal, zwei Tage später am 20. Januar um 6.38 Uhr. Sturm kann es kaum fassen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich ein Luchs hier dauerhaft angesiedelt hat, denn Luchsreviere sind eigentlich viel größer“, sagt der Jäger.

Biologe: Das wäre eine Sensation!

Auch Luchs-Experte Berthold Langenhorst vom Naturschutzbund Hessen findet die Luchssichtungen rätselhaft. „Es wäre schon eine Sensation“, sagt der Biologe: „Aber es scheint wirklich alles dafür zu sprechen, dass der Luchs sich hier niedergelassen hat.“

Am ehesten tippt Langenhorst auf ein Männchen aus Nordhessen, das heruntergewandert ist. „Autobahnen oder auch der Main stellen für einen Luchs kein echtes Problem dar. Es gibt schließlich Fußgängerbrücken. Außerdem kann ein Luchs sogar schwimmen. Wenn er will, kommt er da überall rüber“, stellt er klar.

Weibchen in der Fasanerie könnten Luchs angelockt haben

Warum sich der rätselhafte Luchs ausgerechnet Hanau als neue Heimat ausgesucht hat, kann verschiedene Gründe haben. Sturm mutmaßt: „Hier gibt es jede Menge Enten, Biber, Rehe und andere Beute. Das ist für einen Luchs ein echtes Schlaraffenland.

Langenhorst dagegen tippt auf einen Appetit der ganz anderen Art. „Gerade ist Ranzzeit, die Paarungszeit der Luchse. Ich könnte mir vorstellen, dass er die Weibchen in der Fasanerie gewittert hat und jetzt dort herumstreunt.“



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