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Erste Hanauer Nachhaltigkeitsmesse wirbt für nachhaltigen Konsum

Hanau

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    Beim gemeinsamen veganen Kochen haben selbst die jüngsten Messebesucherinnen Spaß. Ihr Fazit: Schmeckt! Foto: Axel Häsler

Hanau. „Das habe ich noch nie gegessen. Was ist das?“ Die Frage richtet sich an Heidrun Quintino, die auf der ersten Umweltmesse Hanau dazu einlädt, kleine, vegane Gerichte nicht nur zu kosten, sondern mit ihrer Hilfe selbst zuzubereiten.

Artikel vom 20. Januar 2020 - 09:33

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Von Ulrike Pongratz

„Das ist ein „Hähnchensalat“ mit Jackfruit“, erklärt die Inhaberin der Kochschule Hanau. Im „Wohnzimmer“ der Library, der ehemaligen Bibliothek am Schlossplatz, hat Quintino fünf einfache Kochplätze mit Schneidbrettchen und Bratpfanne eingerichtet. Zubereitet werden Mett, Kräuterkäse, Hähnchen- und Fleischsalat und Spundekäs‘ – alles vegan, natürlich. 

Veganer Kochkurs kommt gut an

Bei Fleischersatz, so Quintino, würden viele Menschen abwinken. Doch es gehe bei den Gerichten um die Geschmacksrichtung. „Umami“ sei der Begriff für deftige, würzige Speisen, auch für Röstaromen, die Menschen nun mal gerne essen. „Mett“ sei nun mal ansprechender als ‚Reiswaffel-Brotaufstrich‘.

Diesen und vier weitere vegane Aufstriche reichte Quintinos Mutter den Gästen zum Probieren in appetitlichen Häppchen, und so war auch die zweite Kochrunde am Samstagnachmittag im Nu besetzt. „Es muss euch schmecken. Wenn das Ziel nicht erreicht ist, müsst ihr weiterarbeiten“, sagt die Küchenchefin, ehe sie ihre Schüler in die vegane Kochkunst einführt. 

Spaß an nachhaltigen Themen vermitteln

Nicht nur in der Kochschule, auch im Foyer und im großen Raum ist einiges los. Gabriele Schaar-von Römer, Leiterin des Umweltzentrum Hanau, und Mitarbeiterinnen äußern sich am Samstagnachmittag mehr als zufrieden über das Besucherinteresse.

In Zusammenarbeit mit der Eventagentur Loumou haben Umweltzentrum und Stabsstelle für Nachhaltige Strategien in Hanau die Messe im Hinblick auf den Nachhaltigkeitspreis ins Leben gerufen. Mit unterschiedlichen Themen und Workshop sollten Menschen aller Generationen angesprochen werden, hier Dinge auszuprobieren, Spaß an nachhaltigen Themen zu haben und Ideen mitzunehmen. 

Bewerbungen für Nachhaltigkeitspreis noch möglich

Ziel sei es auch, Jung und Alt anzuregen, sich mit eigenen Vorschlägen um den Nachhaltigkeitspreis zu bewerben, der zum wiederholten Mal ausgelobt wird. Dies ist noch bis zum 15. Februar in verschiedenen Kategorien möglich. Mit Fragen zur Bewerbung oder zur Themenwahl können sich Teilnehmer unter der Telefonnummer 0 61 81/ 3 04 91 48 an das Umweltzentrum Hanau richten.

Der Nachhaltigkeitspreis, der von Umicore, Sparkasse und der Stabsstelle Nachhaltige Strategien gesponsert wird, ist aus dem Netzwerk „Nachhaltig vernetzt – Hanau und Region“ hervorgegangen, das im Auftrag des Landes Hessen aufgebaut worden ist. Schulen, Vereine und Unternehmen engagieren sich im Netzwerk, um über Projekte das Thema Nachhaltigkeit in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen. 

Ob Schmuck oder Mode, Hauptsache nachhaltig

Auf der Messe sind neben Schmuckstücken, die unter Verwendung alter Uhrwerke oder Pfennige gefertigt wurden, Zeichnungen und Bilder zu sehen; der ‚Mädelsflohmarkt‘ bietet Modisches zum günstigen Preis. Die Mitarbeiterinnen des Umweltzentrum zeigen, wie sich Naturkosmetik, Cremes und Seifen einfach selbst herstellen lassen.

Dicht gedrängt stehen die Besucher auch am Stand des Behinderten-Werks Main-Kinzig (BWMK). Hier wird gezeigt, wie man zu Hause Bio-Baumwolltücher mit einer Mischung aus Bienenwachs, Kokosöl und Baumharz versehen kann: Tuch und etwas Wachs zwischen zwei Backpapierfolien gelegt und mit dem heißen Bügeleisen kurz gleichmäßig verteilt. 

Regional und handgefertigt

In die Tücher, die eine gute Alternative zu Alu- oder Frischhaltefolie darstellen, lassen sich Brot, harter Käse oder Gemüse einfach einwickeln oder Schüsseln abdecken. Sie stehen außerdem für ein regionales, wiederverwendbares und kompostierbares Produkt; Bienenwachstücher gibt es auch fertig zu kaufen, sie werden in Tagesstätten des BMWK in Handarbeit von Menschen mit chronisch psychischen Erkrankungen hergestellt. 

Inzwischen wird in der Kochschule von Heidrun Quintino ordentlich geschnippelt, gerührt und gebraten. Der vegane Fleischsalat aus leicht geräuchertem Tofu, der eine Weile mit den fein geschnittenen Gurken durchzieht, wird mit selbst hergestellter Mayonnaise vermischt.

Kochkurs-Teilnehmer begeistert

Senf, sehr viel Rapsöl und Sojamilch, die das entscheidende Lecithin enthält, werden in wenigen Minuten mit dem Zauberstab zu einer cremigen Masse verrührt. Das Mett, aus fein zerbröselter Reiswaffel, Zwiebel, Tomatenmark und Gewürzen ist schnell gemacht, zieht aber am besten ein paar Stunden durch.

 Am aufwändigsten ist tatsächlich der Hähnchensalat aus Jackfruit. Diese große Frucht, die in Asien wächst, ist sehr faserig. Für den Salat wird sie getrocknet und unreif in der Pfanne mit Rapsöl angebraten, um das gewünschte Röstaroma zu erhalten. Der Rest ist simpel: Mandarinen aus der Dose und Mayo, Steakgewürz, Pfeffer und Salz nach Belieben.

Nach dem Kochkurs folgt der Regenwald

Die zehn- und elfjährigen Köchinnen, Ferry, Sara und Coco-Cayenne bereiten aus den Aufstrichen Häppchen für die Messebesucher. Sie sind begeistert: Es schmeckt und ist einfach zuzubereiten. Zu Hause wird nicht vegan gekocht, aber alle drei Mädchen essen weniger Fleisch. 

Auch die anderen Teilnehmer des Schnellkochkurses sind keine Veganer, haben aber das eine oder andere „schon einmal ausprobiert.“ Zufrieden räumt Heidrun Quintino auf, sie macht Platz für den Vortrag von Stefan Rother von tropica verde über den Regenwald. 



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