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Verein ohne Vorstand: Kein Christopher Street Day mehr in Hanau?

Hanau

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    Gibt es eine Neuauflage? Der erste Christopher Street Day in Hanau im vergangenen Juni war ein großer Erfolg. Doch ob dieser wiederholt werden kann, ist derzeit unklar. Archivfoto: Reinhard Paul

Hanau. Im kleinen Kreis blickte der Verein CSD Hanau beim Neujahrsempfang auf einen sehr erfolgreichen ersten Hanauer Christopher Street Day im Juni 2019 zurück, den sich die Hanauer Politik auch 2020 wieder vorstellen könnte. Doch dann kündigte der aktuelle Vorstand seinen Rückzug an. Wie es weitergeht, ist offen.

Artikel vom 14. Januar 2020 - 11:55

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Von Ulrike Pongratz

Mit dem ruhigen „Gabriellas Song“ stimmte die Coverband Rimshot aus dem Raum Aschaffenburg die Gäste zu Beginn sehr versöhnlich in die Veranstaltung ein. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Peter Jüngling sprach Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck im Namen des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung Grüße aus und brachte ihre Vorfreude auf ein buntes Jahr 2020 zum Ausdruck.

Sie dankte dem Vorstand für das große Engagement und die Begeisterung, ohne die das alles nicht möglich gewesen wäre. Der CSD sei ein politische Manifestation um Gleichberechtigung. Es hätte eine große, positive Resonanz auf den ersten Hanauer CSD gegeben, so Funck. „Sie haben die Feuertaufe bestanden, das ist gut so und Ansporn für die Zukunft“, sagte die Stadtverordnetenvorsteherin mit Blick auf einen zweiten CSD am 27. Juni 2020. 

Vorstand kündigt überraschend Rücktritt an

Doch mit den einleitenden Worten „Ich bin ja bekannt dafür, Wasser in den Wein zu kippen“, kündigte Vorstandsmitglied Peter Jüngling die heikle Nachricht an: Der gesamte Vorstand – Jens Euler, Peter Jüngling und Michael Marburger – wird bei der nächsten Jahresversammlung des Vereins zurücktreten und nicht wieder kandidieren.

Wie es weitergehe, sei offen, bislang gebe es keine Bewerber. Jüngling und Michael Marburger nannten vor allem die enorme Belastung und die etwa 2500 Stunden, die sie mit Vorbereitung und Organisation des CSD verbracht hätten, als Begründung für ihren Rückzug. „Das ist nebenbei nicht zu bewältigen“, sagten die Vorsitzenden.

Die Erwartungshaltung sei nach 2019 natürlich hoch, dennoch könne man CSD auch mit drei Biertischen und einer Regenbogenfahne feiern, so Jüngling.

2019 der erste CSD in Hanau

Rückblick: Bereits zur Jahrtausendwende kam die Frage nach einem Christopher Street Day in Hanau immer wieder auf, wurde jedoch mit dem Argument, man sei „keine Hochschulstadt“, verworfen. Erst im Juli 2018 „fanden sich einige Menschen, die an diese Idee glaubten, sie sich zu eigen machten und schließlich ein Jahr später umsetzten“, so Peter Jüngling.

Zum 50. Jahrestag der ersten Demonstration homo- und transsexueller Menschen am 28./29. Juni 1969 in der Christopher Street in New York feierte man auch Hanau die Vielfalt queerer Lebensstile. Das umfangreiche Besuchs- und Veranstaltungsprogramm, das Schirmherr und Minister Kai Klose (Grüne) am 12. Juni mit der Ausstellung „Unverschämt“ im Forum Hanau eröffnete, umfasste Lesungen, Informationsstände, Theaterabende und fand am 29. Juni mit einer bunten Demonstration durch die Innenstadt und Fest im Olof-Palme-Haus seinen Höhepunkt.

Die Vorsitzenden des CSD dankten rückblickend dem Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung für die gute Zusammenarbeit, insbesondere den Teams der Straßenreinigung, der Müllentsorgung und der Parkhaus GmbH und nicht zuletzt den Ordnungskräften. 

Vorschlag: CSD in Hanau alle zwei Jahre

Gastredner Christoph Degen, Landtagsabgeordneter und Generalsekretär der hessischen SPD, blickte ebenfalls mit Dank auf das Mega-Ereignis zurück, das über Hanau hinaus für Kreis und Region ein tolles Fest gewesen sei. Degen betonte, es sei in erster Linie wichtig, dass der Verein weiterhin bestehen bleibe. „Man könnte auch eine Schippe runternehmen und alle zwei Jahre feiern“, war sein Vorschlag.

In seiner Rede ging Degen auf das Thema Rechtspopulismus ein. Mit Blick auf die Kommunalwahl sei es entscheidend, dass die demokratischen Parteien die Sitze einnähmen, dass man sich weiterhin für Vielfalt und Demokratie einsetze. Alle seien gefragt, wenn es darum gehe, Grenzüberschreitungen nicht zuzulassen. 



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